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TV-Tipps zum Wochenende:Pfeif auf die Zivilisation

Der zweite Atem

Kaum aus dem Gefängnis, dreht Gustave (Lino Ventura, l.) mit einem guten Freund (Raymond Pellegrin) wieder ein tödliches Ding.

(Foto: Arte/Charles Lumbroso)

Die Abenteuer warten da, wo es wild zugeht - im antiken Gallien, im Pariser Untergrund und im Pazifik. Derweil die Männer sich in Abenteuer stürzen, tragen die Frauen an der Bürde des Lebens.

Zoomania - Ganz schön ausgefuchst:

Wo noch klassisch linear ferngesehen wird, könnte es, wenn Kinder im Haus sind, zu einem Streit um die Fernbedienung kommen. Zur Hauptsendezeit laufen am Samstag gleich drei lohnende Animationsfilme. Da ist die von Tieren bewohnte Stadt Zoomania, in der die Sitten verrohen: Zivilisierte Raubtiere gebärden sich neuerdings wieder als wilde Kreaturen - der erste große Fall für die in die Großstadt versetzte Cop-Häsin Hopps. Für zivilisatorisch überlegen halten sich die Römer grundsätzlich, zumal gegenüber rauflustigen Galliern. Asterix im Land der Götter basiert auf dem Comic Die Trabantenstadt. Aber in der geht es bald wüster zu als in Zoomania (Vox, Samstag, 20.15 Uhr). Noch künstlicher als das Ghetto, das Cäsar für die Gallier bauen lässt, ist die Welt in Der Lorax: Sogar die Pflanzen sind aus Plastik. Zeit für eine Revolte (Super RTL, Samstag, 20.15 Uhr).

Animation, Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr

Mütter und Töchter

Die Männer sind seltsam abwesend in diesem Film. Sie tauchen als Chefs auf und als Liebhaber. Aber nicht als Väter - und wenn einer diese Rolle doch einmal akzeptieren möchte, blitzt er bei der Frau ab, mit der er ein Kind gezeugt hat. Der Film von Rodrigo García fokussiert sich ganz auf drei Frauen, die durch zwei Adoptionen miteinander verbunden sind, ohne jedoch voneinander zu wissen. Da ist Karen (Annette Bening), die als Teenagerin schwanger geworden ist und das Kind weggegeben hat. Ein später Versuch, ihre Tochter (Naomi Watts) zu finden, missglückt auf schrecklich banale Weise. Doch sie kommt dadurch in Kontakt mit Lucy (Kerry Washington), die ihrerseits ein Mädchen adoptiert hat. Und so kreuzen sich die Wege dreier Frauen, für die Mutterschaft zur größten Bürde ihres Lebens wird.

Drama, SWR, Sonntag, 22.30 Uhr

Kon-Tiki

Warum sie nicht selbst auf die Idee gekommen sind, diesen sagenhaften Stoff zu verfilmen, werden sich im Nachhinein nicht wenige Hollywood-Produzenten gefragt haben: Da segelt ein Norweger mit einem primitiven Holzfloß 7000 Kilometer über den Pazifik, um am eigenen Leib zu erfahren, wie die Südsee besiedelt wurde - was für eine Heldensaga. Der Norweger Thor Heyerdahl hat das aufsehenerregende Abenteuer 1947 gewagt und war Medienprofi genug, die Reise zu filmen. Die Dokumentation gewann 1952 zwei Oscars. 2012 hat sich nicht Hollywood, sondern Norwegens Kino daran gemacht, die Geschichte noch einmal ins Kino zu bringen - mit großem Erfolg. Hollywood reagierte auf seine Art: Die Regisseure Joachim Rønning und Espen Sandberg bekamen den Job für Pirates of the Caribbean: Salazars Rache.

Abenteuer, Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr

Der zweite Atem

Gustave Minda hat wenig Skrupel. Er tötet, um Freunde zu rächen. Und er tötet auch, um an Geld zu gelangen. Weil er das auf eine ziemlich spezielle Weise macht, kommt ihm Kommissar Blot auf die Spur. In ihm scheint Minda seinen Meister zu finden - doch er muss unbedingt noch einmal freikommen, um einen Freund, den er durch eine Dummheit in massive Schwierigkeiten gebracht hat, von einem schlimmen Verdacht reinzuwaschen. Lino Ventura und Paul Meurisse duellieren sich in Jean-Pierre Melvilles meisterlichem Gangsterdrama, das Elemente eines Film noir aufweist. In den 1960ern war das französische Kino auch in diesem Genre auf Weltniveau - vor allem dank der Filme Melvilles. Davon erzählt die Dokumentation Der Virtuose des Gangsterfilms, die im Anschluss zu sehen ist (22.40 Uhr).

Gangsterfilm, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ vom 28.03.2020
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