TV-Tipps zum Wochenende Monster und Gemüse

Von wegen kleines Gemüse: Gemeinsam sind die Heimkinder eine Wucht, der sture Erwachsene wenig entgegenzusetzen haben.

(Foto: Claude Barras/ZDF/SRF/Rita Productions)

Die Franzosen: können kochen. Die Engländer: können lustig. Die Deutschen: können lässig, manchmal. Ein Filmprogramm mit angenehm Vertrautem und ein paar Überraschungen.

Von Stefan Fischer

Ratatouille

Der Mensch als Krone der Schöpfung? Lachhaft. Der beste Koch: eine Ratte. Die Herrscher über Träume und Fantasie: Zottel- und Glupschmonster. Die Strategen mit Durchblick: Zootiere. Man muss sich als Zuschauer entscheiden, welche der drei Demütigungen des Menschen man sich ansehen möchte, denn Ratatouille, Die Monster AG (Disney Channel, Samstag, 20.15 Uhr) und auch Wilde Kreaturen (ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr) laufen zur selben Zeit. In allen drei Komödien finden die Menschen ihre Meister außerhalb der eigenen Spezies. Und sie lernen, dass Aufgeschlossenheit, kombiniert mit Demut, einen weiter bringt als alles andere. Das gilt für Köche wie Gäste des Gourmetrestaurants, in dem die Ratte Remy kocht, ebenso für die Kinder, die die Liebenswürdigkeit von Monstern erkennen, und für Zoobesitzer, die Tiere nicht als Dinge ansehen.

Animation, Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr

Biester

Die Klappe halten und funktionieren - mit dieser Strategie fährt Sophie (Sandrine Bonnaire) gut in Claude Chabrols filmgewordener Gemeinheit. Auf diese Weise kann die Haushälterin reicher Leute verheimlichen, dass sie Analphabetin ist und eines Mordes verdächtigt wird. Doch eine Freundin (Isabelle Huppert) stachelt sie zur Aufsässigkeit an, und so wird sie zu einer der typischen Chabrol'schen Figuren, die bürgerliche Fassaden zertrümmern. Mit Siebzehn schlingern Damien und Tom durchs pubertäre Gefühlschaos. Auch André Techiné inszeniert in seinem feinfühlige Drama eine Geschichte des Aufbegehrens und der zaghaften Selbstbestätigung (3sat, Samstag, 20.30 Uhr). Ein dritter französischer Film: Ungleiche Brüder, ein Polizisten- und Gangsterdrama von Jacques Maillot (Das Erste, Nacht zu Montag, 1.30 Uhr).

Psychothriller, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Überleben in Neukölln

Rosa von Praunheim porträtiert in dem Dokumentarfilm eine illustre Phase des Übergangs. Das Viertel Neukölln war lange Zeit und ist in Teilen bis heute keine sonderlich attraktive Adresse in Berlin: überwiegend bieder, kleinbürgerlich, (rechts-)konservativ. Überrollt wird dieses traditionelle Milieu seit ein paar Jahren von einer unkonventionellen, oftmals queeren Kreativszene - die ihrerseits schon wieder bedroht ist durch die nachfolgende Welle der Gentrifizierung. Der Imagewandel ruft Immobilienspekulanten auf den Plan, der die frische Szene womöglich bald wieder aus dem eben erst eroberten Kiez vertreibt. Praunheim stürzt sich in seinem Film lustvoll in diesen trotzdem nach wie vor frohgemuten Aufbruch, in dieses Mit- und Nebeneinander von Lebensentwürfen, die in kein Raster passen sollen.

Dokumentarfilm, RBB, Sonntag 22.20 Uhr

Mein Leben als Zucchini

Den Schweizer und den Europäischen Filmpreis sowie den französischen César hat der Stop-Motion-Film von 2016 gewonnen, bei den Golden Globes, den Oscars und in Cannes war er immerhin nominiert. Claude Barras (Regie) und Céline Sciamma (Drehbuch) erzählen eine anmutige Geschichte, in der sich Außenseiter miteinander solidarisieren, um sich gegen die Mehrheitsgesellschaft wehren zu können. Zucchini, ein neunjähriger Bub, kommt in ein Heim, das ihm zur Heimat und wo er Teil einer Art Familie wird. Als diese Gemeinschaft zu zerbrechen droht, weil eines der Kinder zu seiner missgünstigen Tante kommen soll, entwickeln die Kinder eine immense Kreativität und viel Kampfesmut, um das zu verhindern. Auf ganz behutsame Weise ist Mein Leben als Zucchini auch ein Liebesfilm.

Trickfilm, 3SAT, Samstag, 22.20 Uhr