TV-Tipps zum Wochenende Hinein ins Leben

Hat einen neuen Platz im Leben gefunden: Der pubertierende Cyril (Thomas Doret) fühlt sich wohl in der Gegenwart von Samantha (Cécile de France).

(Foto: SWR/ARD Degeto)

Die Frauen müssen kämpfen in den Filmen des Wochenendes. Klassisch um das Herz eines Mannes, vor allem aber um ihren Platz und ihre Stimme.

Von Christoph Gröner

Schlaflos in Seattle

Romantische Kmödie, RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr

Nora Ephron starb 2012, die New Yorkerin galt als geniale Autorin von RomComs, die geistreich und sentimental zugleich sind. Ihr größter Erfolg, auch als Regisseurin, war dieser Film mit Tom Hanks und Meg Ryan, in dem sich eine Frau in die Lebensgeschichte eines Witwers verliebt, von dem sie nur im Radio gehört hat. Ephron hatte ihren Superhit, und sie festigte Meg Ryans Karriere, der sie auch Harry und Sally auf den Leib geschrieben hatte. Ephron war besonders gut darin, Frauenrollen auf Augenhöhe zu entwerfen, und verwob dafür auch private Erlebnisse. Eine zweite Kampf-der-Geschlechter-Komödie setzt stärker auf absurde Wendungen und klassische Rollenmuster: Ein Vogel auf dem Drahtseil von John Badham, mit Goldie Hawn und Mel Gibson auf der Flucht vor Gangstern und hin zu einer neu entflammten Romanze (ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr).

Wer ist Hanna?

Actionthriller, Sat 1, Samstag, 23.05 Uhr

Sie spielt romantische Heldinnen und Vampire - und hier eine jugendliche Killerin. Die 1994 geborene Irin Saoirse Ronan gehört zu den vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation, ein nerdiges It-Girl, das permanent die richtigen Karriereentscheidungen trifft. Mit 16 spielte sie ein Mädchen, das von ihrem Vater zur Kriegerin ausgebildet wird, um sich für den Kampf gegen Geheimagenten zu rüsten. Joe Wright verschaffte Ronan zuvor mit Abbitte ihren Durchbruch, und auch diese wilde Mischung aus Action und Introspektion funktioniert unerwartet gut: Das Mädchen kann schon alles, weiß aber nichts von der Welt. Ronan beißt, schlitzt, schießt sich durch ins Leben. Als es den Begriff It-Girl noch nicht gab, lebte Danielle Darrieux ihn schon lange, zu sehen im Meisterwerk Madame de ... - Die Liebe ihres Lebens (Arte, Sonntag, 9.30 Uhr).

Angeklagt

Drama, Sixx, Sonntag, 22.45 Uhr

Die Ausnahmekarriere von Jodie Foster begann mit Taxi Driver, für Angeklagt gewann sie im Alter von 26 Jahren ihren ersten Oscar. Sie spielt das Opfer einer Serienvergewaltigung, besonders eindrucksvoll wirkt, wie sie in ihrer Rolle nach Worten ringt, nach dem Recht, sich auszudrücken und zu wehren. Der Film ist ein wichtiger Schritt, das Thema sexueller Gewalt in Hollywood-Dramen einzubringen, er zeigt auch die Verantwortung von Zeugen des Verbrechens, die nicht eingreifen. In Rückblenden wird der Zuschauer mit der Tat konfrontiert. Das Justizdrama stellt dem Opfer Kelly McGillis an die Seite, im Kampf gegen ein männlich dominiertes Justizsystem. Vertrauen in die Geschichte des Opfers - kein Film verhandelte das zuvor ähnlich genau. 1988 entstanden, wirkt er im zweiten Jahr der "Me Too"-Debatte ziemlich modern.

Der Junge mit dem Fahrrad

Drama, SWR, Nacht zu Montag, 0.25 Uhr

Der auf starke Emotionalität hin gebaute Hyperrealismus von Jean-Pierre und Luc Dardenne funktioniert perfekt in diesem Film. Ein Junge muss damit zurechtkommen, dass sein Vater ihn verstößt. Die einzige Verbindung bleibt ein Fahrrad, auf dem er sich ziel- und rastlos bewegt. Erst bei einer Friseurin, gespielt von Cécile de France, findet er eine Art neues emotionales Zuhause. Natürlich nicht ohne Probleme, aber der Film ist für ein Werk der beiden Belgier doch erstaunlich lichtdurchflutet und positiv. Ein anderer Meister des Kinos setzte immer auf ganz andere Mittel, das riesige Ensemble, das Ornamentale, den Sarkasmus: Robert Altman's Last Radio Show (One, Sonntag, 12.45 Uhr) ist mit Meryl Streep und Woody Harrelson wunderbar besetzt und blickt nostalgisch auf die Kunst des Entertainments.