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TV-Tipps zum Wochenende:Feig und brutal

Amour Fou

Suizidale Zweckgemeinschaft aus romantischer Liebe: Heinrich von Kleist (Christian Friedel) und Henriette Vogel (Birte Schnöink).

(Foto: WDR/essential filmproduktion)

Männer als das hilflose Geschlecht: Sie versagen in Krisenmomenten, im Umgang mit Kindern und Frauen oder auch generell angesichts der Zumutungen des Lebens. Jedenfalls in den sehenswertesten Filmen des aktuellen Fernsehprogramms.

Von Tobias Obermeier

Amour Fou

ARD One, Sonntag, 14 Uhr

"Ich bin dabei, mich in sie zu verlieben. Es mag seltsam klingen, aber ich suche nicht eine Partnerin fürs Leben, sondern fürs Sterben." Heinrich von Kleist umgarnt in seiner Todessehnsucht Henriette Vogel, ambivalent und vielschichtig gespielt von Birte Schnöink. Die Österreicherin Jessica Hausner macht aus dem Doppelsuizid des Dramatikers und seiner Freundin im Jahr 1811 eine Tragikomödie voller Missverständnisse. Christian Friedler verkörpert den überschwänglichen Romantiker, der sich intellektuell der verängstigten, preußischen Gesellschaft weit voraus sieht. Warum sich alleine das Leben nehmen, wenn man es auch zu zweit machen kann? Bevor Kleist den Revolver anlegt, stehen ihm noch Verirrungen und Umwege bevor. Aus der Idee der romantischen Liebe wird eine suizidale Zweckgemeinschaft.

Höhere Gewalt

ARD One, Samstag, 23.40 Uhr

Skiurlaub in den französischen Alpen: Eine Familienidylle aus Vater, Mutter, Tochter und Sohn. Fünf Tage Auszeit vom alltäglichen Stress sollen es sein - vor allem für Vater Ebba. Als er bei einer kontrollierten Lawinensprengung in Panik seine Familie auf der Aussichtsterrasse zurück lässt, ändert sich das Familiengefüge. In distanzierten und nuancierten Kameraeinstellungen und mit bitterbösem Witz demontiert der schwedische Regisseur Ruben Östlund das Ideal der Männlichkeit. Der egoistische, feige Mann muss sich, geplagt von Selbstzweifeln, nach und nach von seiner Frau als Familienoberhaupt ablösen lassen. Höhere Gewalt wurde für den Golden Globe nominiert. 2020 soll ein amerikanisches Remake mit Will Ferrell und Julia Louis-Dreyfus rauskommen. 2017 gewann Östlund mit The Square die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes.

Walk the Line

Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Spätestens mit seiner Darstellung von Johnny Cash hat sich Joaquin Phoenix als schauspielerisches Ausnahmetalent in das kollektive Filmgedächtnis eingebrannt. Lässig und präzise spielt er den innerlich zerrissenen "Man in Black", der mit Liedern wie Ring of Fire oder I walk the Line zur Country-Legende wurde. Regisseur James Mangold konzentriert sich auf Cashs Leben bis Ende der 1960er, als die Drogen ihn langsam zerstören und er mit seinem legendären Konzert im Folsom State Prison vor Gefangenen sein großes Comeback feiert. Reese Witherspoon spielt June Carter, Cashs lebenslange Liebe, die ihn aus dem Teufelskreis der Drogen holt. Dafür erhielt sie einen Oscar. Johnny Cash genehmigte Joaquin Phoenix kurz vor seinem Tod, ihn zu spielen, da er von dessen Darstellung des Kaisers Commodus in Gladiator so begeistert war.

Die Teuflischen

Arte, Sonntag, 9.25 Uhr

Der französische Regisseur Henri-Georges Clouzot drehte mit Die Teuflischen 1958 einen stilprägenden Film des Psychothriller-Genres. Wenn sich Michelle Delassalle, sadistischer Leiter eines Internats für Jungen, nicht betrinkt, dann schlägt und misshandelt er seine Frau Christine oder seine Geliebte Nicole, die im Internat unterrichtet. Vereint in gemeinsamer Abscheu gegenüber Michelle, planen die Frauen den perfekten Mord. Neben Alfred Hitchcock zählt Clouzot zu den großen Meistern des Suspense. Die Literaturvorlage stammt von Pierre Boileau und Thomas Narcejac, die Clouzot für die konsequent düstere und präzise Verfilmung ihres Romans gratulierten. Deren Buch D'entre les morts diente wenig später Hitchcock als Vorlage für seinen großen Klassiker Vertigo - Aus dem Reich der Toten.

© SZ vom 21.03.2020
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