TV-Tipps zum Wochenende Eigentümliche Macken

Der Mensch als gefühllose Hülle seiner selbst: Er begegnet einem sowohl in Zombie-Horror-Filmen als auch in Thrillern und romantischen Komödien. Nur die Läuterung dieser filmischen Helden fällt je nach Genre sehr unterschiedlich aus.

Von Milan Pavlovic

Ein gutes Jahr

Romantische Komödie, ONE, Samstag, 18.25 Uhr

Die romantische Komödie ist ein oft zu Unrecht kritisiertes Genre, weil es eine schwere Übung ist, die Dinge so leicht und fluffig aussehen zu lassen wie etwa in Serendipity, Pretty Woman oder Im Juli. Auch ein Film wie Ein gutes Jahr hat zu kämpfen, weil Russell Crowe als Erbe zunächst echt widerlich ist und man kaum versteht, warum Marion Cotillard diesem Banker-Schmierlappen auf die Beine hilft. Manhattan Love Story (Super- RTL, Samstag, 20.15 Uhr) - die Geschichte einer Hotelhilfe, die das Herz eines politischen Kandidaten (Ralph Fiennes) gewinnt - ist noch schamloser, weil märchenhafter, aber Jennifer Lopez ist eine sympathische Cinderella. Zeit der Zärtlichkeit (Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr) handelt dann von der Zeit nach den Schmetterlingen im Bauch. Während Debra Winger leidet, erlebt Shirley MacLaine späte Hochgefühle mit Jack Nicholson.

Erschütternde ...

Sportdrama, VOX, Samstag, 20.15 Uhr

... Wahrheit: Bei Rauchern war es die Tabakindustrie, die jahrzehntelang ihre Klienten belog; im Football der Ligaverband, der seine Spieler unzureichend schützte. Obwohl die Athleten immer härter arbeiteten und sich in die Zweikämpfe wuchteten, wurden die Folgeschäden über Dekaden hinweg kleingeredet. Bis der Neuropathologe Omalu, ein gebürtiger Nigerianer, eine schockierende Fallstudie vorstellte, die man ab einem gewissen Punkt nicht mehr ignorieren konnte. Will Smith fischt in der Hauptrolle etwas arg nach seiner dritten Oscar-Nominierung. (Er hätte diese 2008 für I Am Legend erhalten sollen.) Wirklich erschütternd in dem Sportdrama, das im Original viel nüchterner und präziser Concussion (Gehirnerschütterung) heißt, sind die Auftritte von David Morse als Ex-Profi, der die Kontrolle über sich und seinen Körper verliert.

Collateral

Thriller, SERVUS TV, Samstag, 22.45 Uhr

Die Filme von Michael Mann (Miami Vice, Heat) altern, man traut es sich kaum zu sagen, nicht alle gleich gut. Eine glorreiche Ausnahme: der urbane Nachtthriller Collateral, in dem Jamie Foxx als Taxifahrer durch Los Angeles kreist, mittendrin und doch unbeteiligt. Dann aber steigt ein grauhaariger Wolf (Tom Cruise) in Vincents Auto und entpuppt sich als Auftragskiller, der sich von Tatort zu Tatort kutschieren lassen will. Kuscht Vincent, oder emanzipiert er sich und rettet eine Anwältin? Der Plot ist nebensächlich, der Stil alles. Mann erzeugte 2004 High-Definition-Bilder, die bis heute unerreicht geblieben sind in ihrer Fragilität und Rauschhaftigkeit. In Passagen etwas gealtert, aber sonst fast durchweg zeitlos cool: Melvilles Krimi Vier im roten Kreis (MDR, Nacht zu Sonntag, 0.35 Uhr), der über weite Passagen ohne Dialoge auskommt.

Die Körperfresser ...

Horror, TELE 5, Sonntag, 22.05 Uhr

... kommen: Nicht viele Horrorfilme sind so effektiv und drastisch wie der Zombie-Albtraum 28 Days Later (RTL 2, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr). Aber noch viel seltener sind subtile Schocker wie die zweite Version von Invasion of the Body Snatchers (Originaltitel). Darin verwandeln Außerirdische nichts ahnende Menschen in gefühllose Hüllen ihrer selbst. Der Film beobachtet ein Paar (Donald Sutherland, Brooke Adams), das die Zeichen langsam deutet und dann versucht, seine Haut zu retten. Regisseur Philip Kaufman (The Right Stuff) bleibt betont realistisch, das erhöht den Gänsehaut-Faktor. Man lernt durch den Film die Menschen und ihre eigentümlichen Macken wieder mehr zu schätzen; jedoch tut man sich nach der Ansicht eine Weile noch schwerer, aktuelle Nachrichten zu betrachten und Politikern zuzuhören.