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TV-Tipps zum Wochenende:Doppeltes Spiel

L.A. Confidential

Es geht nicht immer sauber zu im Los Angeles Police Department: die Detectives White und Stensland (v. l. Russell Crowe, Graham Beckel).

(Foto: Merrick Morton/Peter Sorel/ZDF)

Die USA in unterschiedlichen Aggregatzuständen und Jahrzehnten. Selten ist es gut um sie bestellt. Aber stets gibt es Hoffnung.

L.A. Confidential

1997, von Curtis Hanson, nach dem Roman von James Ellroy. Kevin Spacey und Russell Crowe sind zwei Cops in Los Angeles, Anfang der Fünfziger. Die Stadt ist in Bewegung - wer kontrolliert den Rauschgifthandel, wie weit sind Cops daran beteiligt? Korruption und Solidarität, das große Thema Hollywoods, Polizisten, die prügeln, und Körper, die lügen. Ein Pornobetrieb macht Frauen als Glamourstars zurecht, Kim Basinger tritt als Veronica Lake an. Ein windiges Magazin hält den Betrieb wie geschmiert am Laufen, es heißt Hush-Hush. Intrigen auch an der Ostküste, bei den UN. Ein Attentat ist wird geplant auf einen afrikanischen Staatschef, Nicole Kidman erfährt davon, als Dolmetscherin im Film von Sydney Pollack, 2005, der mit Ridley Scott das Genre der Politthriller glamourisierte (ZDF Neo, Samstag, 22.10 Uhr).

Polizeidrama, ZDF, Nacht zu Sonntag, 1 Uhr

Mein Ein, mein Alles

Ein Skiunfall, eine Knieverletzung, ein langer Reha-Aufenthalt. Eine Frau muss an ihrem Körper arbeiten, mühsam: Emmanuelle Bercot in einem Film von Maïwenn, 2015. Auch ihre Ehe ist demoliert, ihre Liebe zu Georgio, Vincent Cassel, der den verführerischen, spielerischen, gar nicht diskreten Charme des französischen Bürgertums verkörpert. Maïwenn spielte in den Neunzigern bei Luc Besson, wurde mit dem Drama Poliezei, 2011, als Regisseurin bekannt. Bürgerliche Spießigkeit zeigt Der Gott des Gemetzels von Roman Polanski, nach Yasmina Rezas Erfolgsstück. Zwei Ehepaare, bürgerlich gesittet, geraten außer Kontrolle, am Ende ist alles einfach zum Kotzen. Polanski hat das von Paris nach New York verlegt, in die lächerlich puritanischen USA, mit lustvoll destruktiven Stars: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly (Das Erste, Sonntag, 23.35 Uhr).

Ehedrama, 3SAT, Samstag, 23.30 Uhr

Der Mann, der...

...niemals lebte: 2008, von Ridley Scott. Die CIA im Kampf gegen al-Qaida, ein Markt der Lügen und des Doppelspiels, Body of Lies ist der Originaltitel. Leonardo DiCaprio ist Agent vor Ort, er observiert, wird gefoltert, verliebt sich. Russell Crowe ist sein Führungsmann in Langley, voll auf Distanz, per omnipräsenter Drohnen, körperlichen Einsatz zeigt er nur im Familienleben - wenn er mit seinen Kindern den König der Löwen anschauen muss, mehrfach. Mark Strong ist großartig sinister, als Chef des jordanischen Geheimdienstes. Von Ridleys Bruder Tony Scott: Unstoppable - Außer Kontrolle, 2010. Ein Güterzug setzt sich führerlos in Bewegung, mit explosiver Fracht, Morgan Freeman und Chris Pine wollen ihn stoppen. Das Kino, das sonst auf Rasanz und Beschleunigung aus ist, diesmal auf Gegenkurs (Sat 1, Sonntag, 22.30 Uhr).

Agenthenthriller, SAT 1, Nacht zu Sonntag, 0.10 Uhr

Wiegenlied für...

...eine Leiche: 1964, von Robert Aldrich. Geisterstunden in einer alten Südstaatenvilla. Die junge Charlotte hatte in den Zwanzigern mit ihrem Liebsten - jung, verheiratet! - das Weite suchen wollen, ihr Vater hat dem Burschen das ausgeredet. So wurde ihm, bei einer festlichen Soiree, der Kopf abgehackt und eine Hand. In den Sechzigern nun lebt Charlotte einsam und verstört in dem Haus, zusammen mit ihren düsteren Erinnerungen. Bette Davis ist Charlotte, und mitten in der Galerie all der grausigen Kleingeister um sie her wirkt sie selbst in ihren schrillen Momenten würdevoll normal. Ein Film aus der großen Resignation, über die Demolierung des amerikanischen Traums. Hush ... hush, Sweet Charlotte heißt der Film im Original, ein sanftes Zubettgehlied, aus dem die Leute ein böses "Chop ... chop, Sweet Charlotte" machen.

Schwarzer Horror, 3SAT, Sonntag, 23.15 Uhr

© SZ vom 06.06.2020
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