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TV-Tipps zum Wochenende:Doofe Ideen

Fuhr einst zur See, jetzt lebt er im Wald: Der Aussteiger Jake führt eine aus der Zeit gefallene Existenz.

(Foto: Arte/Norte Distribution)

Ein Leben als Aussteiger - das klingt anstrengend. Doch die Filmhelden des Wochenendes scheuen keine Mühen.

Thriller, Pro Sieben, Sonntag 20.15 Uhr

Jack Reacher - Kein Weg zurück

Ewige Jugend spielt Tom Cruise zumeist immer noch, obwohl er auf die 60 zugeht, und hat auch deshalb einen sehr eigenen, unvergesslich hektischen Laufstil in seinen Filmen perfektioniert, der die Zündschnur-Action der Mission: Impossible-Filme mit zum Erfolg macht. Seine andere Leinwandpersona der letzten Jahre, Jack Reacher, ist das gereifte Gegenteil, ein Profi der kurzen Bewegungen, der Übersicht im Raum, ein Ex-Soldat, der seine Kräfte einteilt. An der Paranoia der Vereinigten Staaten ist dieser zweite Reacher-Auftritt entlanggefilmt, ein bisschen wie in Zeitlupe, und vielleicht deshalb kein Dauerrenner für Cruise geworden. Ben Affleck hat seine Schauspielkarriere als Regisseur diversifiziert: The Town ist ein gelungener Bankraub-Film, cool, mit Jon Hamm und Chris Cooper neben Affleck (Arte, Sonntag, 21.35 Uhr).

Historiendrama, 3 Sat, Samstag 22.45 Uhr

Eine dunkle Begierde

Für den Regisseur David Cronenberg sind wir nichts als Körper - und dessen bewusste und unbewusste Regungen: Deshalb lässt er in seinen Filmen die Körper versehren oder mutieren. Insofern erregte das Werk von 2011 Aufsehen: Vordergründig schlicht ein Historienfilm, der das Verhältnis von Sigmund Freud (Viggo Mortensen) und C. G. Jung (Michael Fassbender) zeigt, und Jungs Erfahrungen mit der Tiefenverbindung von Therapeut und Patientin - die bald Grenzen sprengt. Keira Knightly spielt Patientin und Geliebte. Das Beziehungsgefüge ist komplex, und das Ganze vielleicht doch ein Horrorfilm, in dem die Monster im Kopf sitzen. Michael Haneke, ein anderer Meister der Verstörung, ist mit seinem unverdaulichsten Werk zu sehen, in dem er mit Gewalt gegen Leinwand-Gewalt filmt: Funny Games (Tele 5, Nacht zu Montag, 0.20 Uhr).

Groteske, Tele 5, Sonntag 20.15 Uhr

Bang Boom Bang

Peter Thorwarths Film von 1999 ist NRW-Kult (und darüber hinaus, wird aber dort eisern immer wieder im Kino aufgeführt). Eine seltene Lust an der Überzeichnung prägt den Film, in der verstrahlte Kleinganoven ihr Ding in der Provinzstadt Unna planen. Und natürlich muss alles schiefgehen, skurril oder blutig. Der Dialogwitz ist Legende - Thorwarth spitzt das Idiom bestens zu. Diether Krebs ist in seiner letzten Rolle zu sehen, und Oliver Korittke ist als bekifft verlangsamter Held bestens besetzt. Auch in Lammbock (Tele 5, Sonntag, 22.25 Uhr) kommen verschrobene Typen auf eher doofe Ideen - wie zum Beispiel, Pizza und Drogen gemeinsamen zu verkaufen. Christian Zübert schrieb die irren Dialoge. Beide Filme erinnern auch an US-Indies der Zeit - von Kevin Smith bis Quentin Tarantino. Nicht die schlechtesten Vorbilder.

Experimentalfilm, ARTE, Nacht zu Sonntag 1.45 Uhr

Zwei Jahre auf See

Der Experimentalfilmer Ben Rivers gewann mit dem Essay über Mensch und Natur den Kritikerpreis bei den Filmfestspielen in Venedig. Wie in anderen Werken von ihm ist der Protagonist ausgestiegen: Der bärtige Jake lebt im Wald, zuvor fuhr er zwei Jahre zur See. Bruchstückhaft werden seine Erinnerungen über Fotos eingefügt, gefilmt wurde auf einer alten Bolex-Kamera. Das Unperfekte, der Alltag, die fragmentierte Natur der Erinnerung sind hier zentral - der Zuschauer wird eingetaucht in dieses wortlose Leben, das aus der Zeit und in die Wildnis zurückgefallen ist. Eight Days a Week von Ron Howard ist dagegen eine sehr sehenswerte, sehr bewegte Doku über die Beatles auf dem Höhepunkt der Manie um die Band - von 1962 bis 1966. Ein Leben im Kontakt mit den Massen (Arte, Sonntag, 13.45 Uhr).