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TV-Tipps zum Wochenende:Blond und knallhart

Moral ist in ihrem Geschäft nicht gefragt: Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) ist eine erfolgreiche Lobbyistin. Die irgendwann aber doch Skrupel bekommt.

(Foto: RTL)

Glück, Ehre und Zukunft gilt es zu verteidigen in den Filmen des Fernseh-Wochenendes. Weshalb Männer wie Frauen tun, was nun mal zu tun ist.

Natürlich blond

Reese Witherspoons Exkursion in die wundersame Welt der Rechtswissenschaft ist das blaue Gummibonbon unter den Komödien: ein guilty pleasure, nicht richtig gesund, kein kulinarischer Hochgenuss - aber doch irgendwie lecker. Witherspoon spielt Elle, die in Harvard Jura studiert, um ihren Ex-Freund zurückzugewinnen, obwohl sie sich eigentlich mehr für Modedesign oder Heiraten interessieren würde. Und dabei stellt sich heraus, dass sie vielleicht doch gar keine schlechte Anwältin wäre; ganz bestimmt aber den Ex-Freund nicht zurück möchte. Das ist ungeheuer charmant - und der Regisseur Robert Luketic beweist, dass es manchmal reicht, wenn ein Film genau das wird, was er sein will, in diesem Fall: albern und lustig und manchmal gar herzerwärmend. Ein köstliches blaues Gummibonbon ist eben immer noch besser als ein missratenes Soufflé.

Komödie, RTL 2, Sonntag 21.55 Uhr

Denen man nicht ...

... vergibt: Der Rancher Ben Zachary (Burt Lancaster) ist Familienvorstand, seit sein Vater von Indianern getötet wurde. Seine Mutter, die Brüder und Adoptivschwester Rachel (Audrey Hepburn) leben in Texas, Ben ist in Rachel vernarrt, und es gefällt ihm nicht, dass der Sohn des Nachbarn sie heiraten will. Dann taucht ein alter Mann auf und behauptet, Rachel sei das Kind von Indianern. Bald kreuzen die Indianer selbst auf und verlangen Rachel zurück - Ben muss seine Familie bald gegen alle verteidigen. Ein ungewöhnliches Thema für einen Western von 1960, John Huston war mit dem Film dennoch unglücklich - er wollte ein noch deutlicheres Statement über Rassismus in Amerika daraus machen. Burt Lancaster aber wollte vor allem Erfolg damit haben - und er war nun mal nicht nur der Star, sondern auch der Produzent.

Western, Tele 5, Sonntag, 20.15 Uhr

Frantz

Fiktionen, glaubt der französische Filmemacher François Ozon, retten unsere Seelen in Krisenzeiten. Deswegen denken wir uns Geschichten zum Trost aus. Der junge Franzose Adrien (Pierre Niney) taucht 1919, ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs, am Grab des Soldaten Frantz in Quedlinburg auf. Die Familie von Frantz, besonders seine Verlobte Anna (Paula Beer), klammert sich an den jungen Mann, der behauptet, mit Frantz befreundet gewesen zu sein, vor dem Krieg. Anna fühlt sich zu Adrien hingezogen, die Schwiegereltern unterbinden das nicht. In Quedlinburg wütet inzwischen der Hass auf die Franzosen, und Anna wird nicht gern an der Seite von Adrien gesehen. So geht es einerseits um Krieg und Hass und die Folgen - und man kann bei Ozon doch ganz wunderbar sehen, wie sich Frankreich und Deutschland gleichen.

Drama, Nacht zu Montag, 1 Uhr

Die Erfindung der ...

... Wahrheit: Als John Maddens Thriller Ende 2016 ins Kino kam, stand kaum jemand der Sinn nach einem Film über Ränkeschmieden in Washington. Dabei ist Die Erfindung der Wahrheit fast eine kathartische Erfahrung: Die knallharte, verschlagene Lobbyistin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain) ist so eine Art Kellyanne Conway mit Gewissen. Eigentlich setzt sie sich für jeden Dreck ein, und das Verdrehen von Fakten ist ihre Spezialität. Aber sie gerät unerwartet an ihre eigene moralische Grenze, als sie Politiker für Waffenhersteller beeinflussen soll. Was passiert, wenn eine solche Frau sich von der Gegenseite rekrutieren lässt? Es wäre nur der halbe Spaß, würde man verraten, worauf das im Fall von Miss Sloane hinausläuft - aber sie zahlt es den Senatoren heim. Manchmal muss eine Frau eben tun, was eine Frau tun muss.

Politthriller, VOX, Samstag, 20.15 Uhr