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TV-Tipps zum Wochenende:Blaue Wunder

Berlinale 2014 _ 'La belle et la bete'

Erst Gefangene, dann Retterin ihres Gefängniswärters: Léa Seydoux ist Belle in der französischen Filmadaption des Märchens.

(Foto: picture alliance / dpa)

In der Schönheit kann auch ein Grauen liegen. Das machen filmische Ausflüge ins All und in die klassische Musik klar.

Von Johannes Nebe

Gravity

Science Fiction, Pro Sieben, Samstag, 22.50 Uhr

In den unendlichen Weiten des Weltraums siedelt der Regisseur Alfonso Cuarón ein beklemmendes Kammerspiel an. Seine zwei Protagonisten, die einzigen Figuren des Films, setzt er einem Überlebenskampf aus, schleudert sie wie Puppen durchs All, erlaubt ihnen kaum eine Verschnaufpause. Die Astronauten Ryan und Matt, gespielt von Sandra Bullock und George Clooney, sind Cuaróns Spielfiguren, die nach einem Unglück auf einer Raumstation verzweifelt nach einem Weg zurück auf die Erde suchen. Ständiger stummer Beobachter des Schauspiels scheint der blaue Planet selbst zu sein, der den Hintergrund der Szenerie einnimmt. Ihr Ziel, die Heimat, haben die Protagonisten immer vor Augen. Auch weit weg von der Erde sind die Auswanderer in Passengers, die ihr neues Zuhause in anderen Teilen der Galaxis finden wollen (RTL, Sonntag, 20.15 Uhr).

Die Monster AG

Komödie, Vox, Sonntag, 15.15 Uhr

Ein zotteliger gehörnter Hüne mit Stupsnase und lila Flecken auf türkisblauem Fell namens James P. Sullivan. Oder der kugelrunde Mike Glotzkowski, froschgrün und mit Zyklopenauge. Klingt nicht gerade furchterregend - und doch erschreckt das Monster-Duo des Nachts schlafende Kinder unterm Bett. Natürlich nicht aus Spaß an der Furcht der Kinder, sondern aus beruflichen Gründen: Mithilfe der Schreie wird Energie für die Monsterwelt erzeugt, aus der die eher kuriosen als monströsen Helden stammen. Merkwürdig aussehende Gestalten tummeln sich auch in Men In Black 3 (Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr), doch die kommen nicht aus einer Monsterwelt, sondern aus dem All. Manche der Aliens suchen nur eine Zuflucht auf der Erde, andere wollen am liebsten nach traditioneller Alien-Manier die Weltherrschaft übernehmen.

Vier Minuten

Drama, One, Samstag, 21.45 Uhr

Genau die titelgebenden vier Minuten lang wird das Stück dauern, das Jenny für den Wettbewerb "Jugend musiziert" spielen wird. Von Schuhmann soll es sein, sie hat es die letzten Wochen eingeübt - nicht zuhause am eigenen Klavier, sondern in einem Frauengefängnis. Die 20-Jährige ist wegen Mordes verurteilt, schwer nahbar, aber musikalisch hochbegabt. Ihre Klavierlehrerin Traude findet einen Zugang zu ihr, lernt mehr über ihre Vergangenheit. Und Jenny ist nicht die einzige, der Traumatisierendes widerfahren ist. Eine düstere Prämisse. Wem der Sinn nach unbeschwerter musikalischer Unterhaltung im visuellen Medium steht, wird bei Simon & Garfunkel: Traumwandler des Pops fündig (Arte, Samstag, 23.50 Uhr). Die Dokumentation erzählt die Geschichte hinter dem letzten gemeinsamen Studioalbum der beiden Musiker.

Die Schöne und das Biest

Märchen, RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr

Zwei Mal hat Disney das französische Märchen adaptiert, erst als Zeichentrickfilm, dann als Realverfilmung, unter anderem mit Emma Watson. 2014, nur wenige Jahre vor Disneys Neu-Interpretation, hat sich mal nicht der einflussreiche Hollywood-Gigant des Märchens angenommen, sondern eine französisch-deutsche Produktion mit Christophe Gans als Regisseur: Léa Seydoux, bekannt aus Blau ist eine warme Farbe, ist hier Belle, die Schöne, Gegenpart zum scheußlichen Biest. Gans orientiert sich - verglichen mit Disney - stärker an der düsteren und ohne Gesangseinlagen erzählten Ursprungsgeschichte. Ein anderes Märchen aus Paris, das sich wunderlichen Geschehnissen des Alltags und nicht fantastischen Bestien verschrieben hat: Die fabelhafte Welt der Amélie (Arte, Sonntag, 20.15 Uhr).

© SZ vom 01.08.2020
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