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TV-Tipps zum Wochenende:Ab in den Wahnsinn

Nachtfalken

Als Cops noch Lederjacken tragen konnten: Der Nachtfalke DaSilva (Sylvester Stallone) jagt einen Terroristen. Ein Partner genügt ihm dafür.

(Foto: ZDF/Josh Weiner)

Ärmel aufkrempeln und sich allen Gefahren aussetzen, um sie aus der Welt zu schaffen: Dieser Typus ist der klassische Filmheld. Er kann, zumal wenn es sich um Frauen handelt, aber auch ganz untypisch daherkommen. Und, als Mann, manchmal sogar cool sein.

Moby Dick

Tele 5, Sonntag, 20.15 Uhr

Kapitän Ahab ist durch sein von ihm zutiefst verachtetes Holzbein gehandicapt, und doch spielt William Hurt diesen Seemann 2010 in Mike Barkers ambitionierter Neuverfilmung des Herman-Melville-Romans als eine Art Faun, einen wirbelwindigen Verführer, überaus behende, auch körperlich. Die Jagd nach dem Wal, der Ahab die Behinderung eingebracht hat, ist hier nicht ein Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten. Und das Motiv Ahabs ist auch nicht bloß der Sinn auf Rache. Barker zeigt die Attacken auf Moby Dick als ein brutales Schlachten, der Mensch ist klar der Stärkere, Überlegene. Seine Version des Abenteuers zeigt vor allem, wie menschliche Vernunft sich immer mehr auflöst, bis nur noch der blanke Wahnsinn regiert - bei Ahab, bei der gesamten Besatzung (darunter Ethan Hawke als Offizier Starbuck). Befeuert von einer verqueren Todessehnsucht.

Minority Report

RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr

Alles, woran Detective Anderton glaubt, steht plötzlich in Frage. Sein ganzes berufliches Leben verbringt er damit, Mörder zu fassen, noch ehe sie die Tat begangen haben. Denn Precogs sind in der Lage, solche Verbrechen zu ahnen, ehe sie ausgeführt werden. Und diese Wesen erklären nun Anderton zu einem kommenden Täter. Ist das System doch fehlbar? Oder kennt Anderton sich selbst um vieles schlechter, als er glaubt? Philip K. Dick stellt in seinen Science-Fiction-Werken schonungslos Fragen nach der menschlichen Psyche und ihrer Zukunft in einer von künstlicher Intelligenz geprägten Welt. Im Anschluss läuft die Dick-Adaption Total Recall von Paul Verhoeven. Da geht es nicht um künftiges Handeln, sondern um die verheerende Vermengung realer und synthetischer Erinnerungen (RTL 2, Sonntag, 23.05 Uhr).

Die bleierne Zeit

One, Sonntag, 23.20 Uhr

Ein Film von einer Frau - Margarethe von Trotta - über zwei Frauenfiguren, angelehnt an die Biografien der beiden Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin, gespielt von Jutta Lampe und Barbara Sukowa. Was auch heute noch eher die Ausnahme ist im Kino, war 1981 annähernd einzigartig. Dass dieses Drama trotz der Männerdominanz der Branche bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden ist, hat mit seiner immensen erzählerischen Kraft zu tun. Die beiden jungen Frauen suchen jede auf ihre Art einen Weg aus dem Schatten des autoritären Vaters und nach einer Möglichkeit, die Gesellschaft zu verändern, Ende der Sechziger. Eine, Juliane, engagiert sich politisch, demonstriert, arbeitet als Journalistin für eine Frauenzeitschrift. Die andere radikalisiert sich, geht in den Untergrund.

Nachtfalken

ZDF, Samstag, 23.30 Uhr

Sylvester Stallone war schon Rocky, aber noch nicht Rambo, als er den New Yorker Cop DaSilva spielte, der einen Terroristen bekämpft. Es ist ein großer Auftritt für Rutger Hauer, dem ein Jahr später, 1982, ein noch größerer folgen sollte als Replikant in Blade Runner. Vollends die Perspektive der Gangster nimmt Jean-Pierre Melville ein, der sich in seinem Gaunerstück zu den Vier im roten Kreis stellt - drei Kerle, gespielt von Alain Delon, Yves Montand und Gian Maria Volonté, ziehen einen Coup durch, in Echtzeit und ohne Dialog. André Bourvil ist ihnen als Kommissar auf den Fersen (RBB, Nacht zu Montag, 0.40 Uhr). Teufel in Blau konzentriert sich wiederum auf den Privatdetektiv (Denzel Washington), in einem coolen Neo-Noir-Setting und mit reichlich Bebop (ZDF Neo, Nacht zu Sonntag, 1.10 Uhr).