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TV-Tipps zum Feiertag:Löwen und Lämmer

Familie in Auflösung: v. l. Fantine Harduin, Jean-Louis Trintignant, Isabelle Huppert, Laura Verlinden, Toby Jones, Mathieu Kassovitz.

(Foto: X Verleih/Les Films du Losange/Arte/WDR)

Es geht ums Ganze in den besten Filmen des TV-Programms: ums Überleben und um die Selbstachtung. Unter widrigsten Umständen.

Das Schweigen der Lämmer

Zwei Männer, die es nicht gut meinen. Mit ihr, der talentierten, aber noch recht jungen Polizistin. Beim einen, bei Hannibal Lecter, holt Clarice Starling sich Hilfe, um im Duell mit dem anderen zu überleben. Dabei ist Lecter eigentlich der gefährlichere der beiden Serienkiller - aber er sitzt in einem Hochsicherheitstrakt ein. Am Ende wird Starling wissen, welch große Bedrohung auch Lecter ist, obwohl weggeschlossen. Ein Thriller, der alle fünf Hauptkategorien bei den Oscars gewinnt - Film, Regie, Drehbuch, beide Hauptdarsteller: Das zeigt, was Jonathan Demme, der Regisseur, 1991 geleistet hat, in welche neuen Dimensionen er das Genre katapultiert hat. Es ist ein Film über die Macht, die einzelne Menschen über andere ausüben, allein durch ihre mentale Stärke und Skrupellosigkeit - und was es kostet, sich diesem Zugriff zu entziehen.

ZDF Neo, Thriller, Donnerstag, 22.35 Uhr

Full Metal Jacket

Seit zwölf Jahren war der Vietnamkrieg beendet, als Stanley Kubrick ihn 1987 noch einmal in seiner ganzen Verderbtheit und Gnadenlosigkeit inszeniert hat als ein rücksichtsloses, unmoralisches Gemetzel. Ethische Standards gehen bereits in der Ausbildung der US-Soldaten verloren, ein sadistischer Sergeant demütigt die angehenden Marines, und bereits in dem Trainingscamp gibt es die ersten Toten, was wesentlich auf die psychischen Veränderungen bei den Beteiligten zurückzuführen ist. In Vietnam selbst werden die amerikanischen Truppen aufgerieben, auch ihrer mangelnden Erfahrung und fehlenden Disziplin wegen. Sich ihrer Schwäche bewusst, reagieren die Soldaten unsouverän, mit maßloser Gewalt. Eine militärische und moralische Bankrotterklärung dieser stolzen, hochgerüsteten, vor allem aber auch arroganten Armee.

Kabel 1, Antikriegsfilm, Mittwoch, 20.15 Uhr

Gladiator

Lange hatten die Helden keine Sandalen mehr getragen im Kino, ehe Ridley Scott im Jahr 2000 unverhofft ein Genre wiederbelebt hat, von dem man nicht unbedingt annehmen musste, dass es sich noch einmal aus dem Staub erhebt. Scott jedoch hat erkannt, dass die Tricktechnik reif genug war, um das Monumentale des Sandalenfilms in die Details zu verlagern, auf dass die Action von ihrer realistischen Anschaulichkeit profitiert. Das hat hervorragend funktioniert, es hebt den simplen Racheplot auf ein neues ästhetisches Niveau. Was den Zuseher zu einem Teil des gewaltberauschten Mobs einer römischen Arena macht. Russell Crowe spielt einen gefallenen Feldherren im alten Rom, der als Sklave und Gladiator Kampf um Kampf gewinnt. So kommt es schließlich zum Showdown gegen den Mann, der ihn ins Elend gestoßen hat.

ZDF Neo, Sandalenfilm, Donnerstag, 20.15 Uhr

Happy End

Ist das Gelassenheit oder Resignation? Michael Haneke, der sein Publikum immer mit dessen eigenen Abgründen konfrontiert hat, indem er es gezwungen hat hinzusehen, wenn die Menschen einander Gewalt antun, und sie dann mit der Frage alleingelassen hat, ob sie das Gesehene womöglich genossen haben, ob es eine stille Faszination auf sie ausgeübt hat: Dieser Filmemacher, für den das Kino immer auch eine Erforschung der Zuschauer ist, hat in seinem bislang jüngsten Film, der womöglich tatsächlich sein letzter ist, auf die gewohnt krassen und doch fesselnden Bilder verzichtet. Weil er nicht mehr an ihre Kraft glaubt? Nein, Haneke muss sie gar nicht mehr zeigen, ihm genügt die von ihm unterstellte Erwartung des Publikums, um noch einmal den Voyeurismus auszuloten in der Geschichte eines familiären Zerfalls.

Arte, Drama, Mittwoch, 20.15 Uhr

© SZ vom 20.05.2020
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