TV-Tipps zum Wochenende:Hart an der Realität

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Glaubt nicht, dass die Polizei ein aufrichtiges Interesse daran hat, den Mörder ihrer Tochter zu ermitteln: Mildred Hayes (Frances McDormand).

(Foto: Twentieth Century Fox Film)

In den besten Filmen des Fernseh-Wochenendes bekommt man es als Zuschauer mit schwierigen Menschen zu tun. Manche von ihnen stehen einem am Ende trotzdem sehr nahe.

Von Stefan Fischer

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Tragikomödie, Pro Sieben, Sonntag, 20.15 Uhr

Er sei eine jammernde Schlampe, wirft Mildred Hayes (Frances McDormand) dem Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) an den Kopf, als dieser ihr erklärt, warum er nach Monaten immer noch keine Spur hat im Fall der vergewaltigten und brutal ermordeten Tochter Mildreds. Willoughby steht am Pranger, Mildred hat drei große Reklametafeln gemietet, auf denen sie das Versagen der Polizei beklagt. Sie ist hart geworden und zynisch; dass Willoughby bald an Krebs sterben wird, rührt sie nicht. Sie hat ohnehin mehr mit dem rassistischen, tumben Polizisten Dixon (Sam Rockwell) zu tun - zwei gestörte Personen reiben sich da aneinander, die ein paar Ironien des Schicksals zu viel ertragen müssen. Martin McDonaghs Film verwirrt die Gefühle seines Publikums - und er ist brillant gespielt.

Ray

Biografie, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Ein Schelmenstück erzählt der Regisseur Taylor Hackford in seiner biografischen Fiktion Ray über den Soul-Musiker Ray Charles (1930 - 2004), der kurz vor Ende der Dreharbeiten starb. Er zeigt einen Jungen, der die Welt erobern will und der begreift, dass er dafür seine Blindheit nicht als Behinderung ansehen darf, sondern sie sich vielmehr zunutze machen muss: Einem Busfahrer, der ihn erst nicht mitnehmen möchte, macht er, ohne tatsächlich zu lügen, ein schlechtes Gewissen - könnte doch durchaus sein, dass die Augen kaputt gegangen sind bei der Landung in der Normandie ... Neben seiner Schlitzohrigkeit, die unbedingt sympathisch ist, kann man diesen Ray, so wie Jamie Foxx ihn vor einen hinstellt, für eine ganze Menge Dinge verabscheuen. Gleichgültig aber wird einem diese hart an der Realität entlangerzählte Figur jedoch in keinem Moment sein.

Nightcrawler

Thriller, Servus TV, Samstag, 22.05 Uhr

Auf nächtliche Streifzüge durch Los Angeles versteht sich Louis Bloom (Jake Gyllenhaal), doch es dauert einige Zeit, bis ihm aufgeht, dass es Lukrativeres gibt, als kleine Diebstähle zu begehen. Er wird zu einem Nightcrawler, der mit einer Kamera und einem Mikrofon die dunklen Momente der Stadt dokumentiert - Verbrechen, Unfälle, solche Sachen. Seine Bilder verkauft er an einen lokalen Fernsehkanal. Die Macher dort wissen genauso gut wie er, dass das Geschäft nur läuft, wenn sie keine Skrupel kennen. Vieles deutet der Film nur an, sodass nie ganz klar wird, wie weit Bloom tatsächlich geht - dass er allerdings die Züge eines Psychopathen in sich trägt, ist relativ zweifelsfrei. Das bekommt auch der Kerl zu spüren, den er als Fahrer anheuert. Bloom bringt sich und ihn immer wieder in sehr brenzlige Situationen.

American Graffiti

Tragikomödie, Tele 5, Sonntag, 22.35 Uhr

Die letzte Nacht einer Gruppe jugendlicher Freunde, ehe zwei von ihnen wegziehen werden, um aufs College zu gehen. Es ist Anfang der Sechzigerjahre, der Rock 'n' Roll kommt auf, und der Regisseur George Lucas filmt eine große Leichtigkeit und Unbedarftheit und Neugier auf das Leben. Diametral entgegen stehen diesem Plot die Filme Abgang mit Stil (Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr) und R. E. D. - Älter, Härter, Besser (Sat 1, Sonntag, 22.10 Uhr). Beide Male kreist die Geschichte um eine Clique älterer Herren - in R. E. D. ist auch Helen Mirren dabei -, die noch einmal beweisen wollen, dass sie es noch können. Ihre Metiers: Gangstertum und Geheimdienste. Eher unfreiwillig landen Gregory Peck und Sophia Loren in Stanley Donens Klassiker Arabeske in einer Geheimdienst-Verwicklung (RBB, Samstag, 23.30 Uhr).

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