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TV-Tipps zum Feiertag:Suche nach Erlösung

Die Filmhelden im aktuellen Fernsehprogramm sind Getriebene. Auf einige von ihnen wartet tatsächlich eine bessere Zukunft.

Von Florian Kaindl

Ein Hund namens Beethoven

Familienfilm, Kabel 1, Dienstag, 20.15 Uhr

Bernhardinerwelpe büxt von durchgeknalltem Tierarzt aus und stellt idyllisch-chaotisches Leben amerikanischer Durchschnittsfamilie auf den Kopf: Das sind die Zutaten für dieses Wohlfühlabenteuer von 1992, nach dem man als heranwachsender Teenager mindestens ein Haustier mit ähnlichem Beschützerinstinkt haben will. Der Film zelebriert zeitlose menschliche Stärken wie Mitgefühl, Zusammenhalt und Courage gegen Eindringlinge (David Duchovny im Yuppie-Look mit Föhnfrisur), stellt aber auch ein paar gesellschaftlich gestrig und vor allem aus Home-Office-Perspektive kurios wirkende Fragen: Kann ich als Mutter von drei Kindern berufstätig sein? Welche Schuhe passen zu welcher Hose für den Gang ins Büro? Beethoven, der ausgewachsene Bernhardiner, schlabbert sich und seine neue Familie einfach frei von steifen Prinzipien.

Der ewige Gärtner

Drama, Arte, Nacht zu Mittwoch, 0.45 Uhr

Der engagierte Kampf für Aufklärung kann tödlich sein. In der Verfilmung des Romans von John le Carré, dem Ende des vergangenen Jahres verstorbenen Großmeister für die fiktive Allianz von Verbrechen und Regierungsgeschäften, bezahlt die Aktivistin Quayle (Rachel Weisz, 2006 mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet) ihren Idealismus mit dem Leben. Sie war einem Pharmaskandal in Afrika auf der Spur, während ihr Ehemann (Ralph Fiennes) sich stoisch um die Pflege des heimischen Gartens gekümmert hat. Mit derselben Einstellung geht er den Motiven für den Mord an seiner Frau auf den Grund und lässt sich dabei auch nicht von kühlen Anzugträgern irritieren. Speziell über den Szenen am Turkana-See in Kenia liegt eine elegische Stimmung, die an ein früheres Werk des Regisseurs Fernando Meirelles denken lässt: City of God (2002).

Shame

Drama, 3sat, Mittwoch, 22.05 Uhr

Sexsucht ist ein Automatismus. Es reicht eine flüchtige Geste, ein Blick in der U-Bahn, schon springt das Kopfkino an, zumal wenn das Objekt der Begierde einen Ring am Finger hat. Brandon (Michael Fassbender) lebt von solchen Momenten, er hat über der ständigen Suche nach dem nächsten Kick das Lieben verlernt und folgt seinem Verlangen mit auszehrender Energie. Die Kamera betrachtet ihn schonungslos, wenn er den Laptop zur Schnellversorgung aufklappt, anonymen Sex hat oder sich aufs Maul hauen lässt, um überhaupt etwas zu spüren. Für die einprägsamen Bilder ist Sean Bobbitt verantwortlich, er hat davor Hunger (2008) und danach Twelve Years a Slave (2012) mit Regisseur Steve McQueen gedreht. Das intime Porträt bleibt auch wegen Fassbenders körperlicher Darstellung eines Unglücklichen im Gedächtnis.

The Sisters Brothers

Spätwestern, Servus TV, Mittwoch, 20.15 Uhr

Üble Burschen, selbst für Wildwestverhältnisse: die Brüder Sisters.

(Foto: Shannon Besson/Servus TV/Shannon Besson/Servus TV)

Die Filme von Jacques Audiard haben epische Qualität. Ob Gangster-Saga (Ein Prophet, 2009), Liebesdrama (Der Geschmack von Rost und Knochen, 2012) oder wie in diesem Fall ein trockener, in Teilen warmherziger Spätwestern (2018): Der Handlungsbogen ist breit angelegt, alle Charaktere stellen sich schmerzhaften Einsichten und moralischen Prüfungen. Die Sisters-Gebrüder Charlie und Eli (Joaquin Phoenix und John C. Reilly) sind üble Burschen, brutal und dabei seelisch selbst schwer verwundet. Im Verlauf des Auftrags, eine Formel zum Goldschürfen zu beschaffen, machen sie Bekanntschaft mit ihren eigentlichen Opfern und entdecken, nicht ohne persönliches Leid, dass sie selbst vor allem Erlösung anstreben. Für die beiden bedeutet das im wahrsten Sinne des Wortes, zurück nach Hause zu kommen.

© SZ
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