Léon – Der Profi
Thriller, RTL 2, Samstag, 20.15 Uhr
Eine Kindheit als Albtraum: Die zwölfjährige Mathilda – gespielt von der während der Dreharbeiten ebenfalls erst zwölfjährigen Natalie Portman – wird von ihrem Vater misshandelt. Als der, ihre Mutter und ihr kleiner Bruder von korrupten Polizisten des Drogendezernats ermordet werden, entkommt sie um Haaresbreite in die Nachbarwohnung. Dort lebt Léon. Beruf: Auftragskiller im Dienst der New Yorker Drogen-Mafia. Was ein Schritt vom Regen in die Traufe sein könnte, entwickelt sich zu einer außergewöhnlichen, nun ja: Partnerschaft? Freundschaft? Das sehr reife Mädchen und der vergleichsweise unreife Mann – gespielt von Jean Reno – gehen einen verantwortungslosen Deal ein, von dem beide nicht abschätzen können, ob und was er ihnen einbringen wird. Aber für ein gewöhnliches Leben, eine bürgerliche Existenz, sind sie ohnehin längst verloren.
Full Metal Jacket
Kriegsdrama, Kabel 1, Sonntag, 23.40 Uhr
Seit zwölf Jahren war der Vietnamkrieg beendet, als Stanley Kubrick ihn 1987 noch einmal in seiner ganzen Verderbtheit und Gnadenlosigkeit inszeniert hat als ein rücksichtsloses, unmoralisches Gemetzel. Ethische Standards gehen schon in der Ausbildung der US-Soldaten verloren, ein sadistischer Sergeant demütigt die angehenden Marines, und bereits in diesem Trainingscamp gibt es die ersten Toten, was wesentlich auf die psychischen Veränderungen bei den Beteiligten zurückzuführen ist. In Vietnam selbst werden die amerikanischen Truppen aufgerieben, auch ihrer mangelnden Erfahrung und fehlenden Disziplin wegen. Sich ihrer Schwäche bewusst, reagieren die Soldaten unsouverän, mit maßloser Gewalt. Eine militärische und moralische Bankrotterklärung dieser stolzen, hochgerüsteten, vor allem aber auch arroganten Armee.
Mord im Orient-Express
Krimi, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr
Ein Ensemblefilm, und was für ein Ensemble: Albert Finney, Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Sean Connery, John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Martin Balsam – alle für den Oscar mindestens nominiert, wenn nicht damit ausgezeichnet. Dazu Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Richard Widmark ... Der Regisseur Sidney Lumet hat 1974 vor der Kamera die größten Schauspielstars der Zeit im Dutzend versammelt. Kaum kleiner ist die Zahl der Verdächtigen in diesem Mordfall, denen sich der Agatha-Christie-Detektiv Hercule Poirot gegenübersieht an Bord dieses luxuriösen Zuges, in dem Alt- und Neureiche reisen. Es geht also auch um Allüren und Spleens in dieser Whodunit-Geschichte, die die hochklassigen Darsteller genussvoll ausspielen. Weshalb der Film auch dann noch ein Vergnügen ist, wenn man die Auflösung längst kennt.
Fluch der Karibik
Abenteuerfilm, Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr
Gewöhnlich verlieren Menschen ihren Schlüsselbund oder ein Smartphone. Käpt’n Jack Sparrow verliert sein Piratenschiff, die Black Pearl. Das lässt ihn dumm dastehen – ausgerechnet ihn, der immer unter allen Umständen bella figura machen möchte. Weshalb er alles daransetzt, diese und andere Scharten auszuwetzen. Was ihm teilweise gelingt, und wenn nicht, überspielt er ein Malheur oder eine Schwäche. Es ist der erste Auftritt Johnny Depps in der Rolle des flamboyanten Piraten, als „Fluch der Karibik“ bloß ein rasend erfolgreicher Film war, der mit den Konventionen des Genres spielt, und noch nicht Teil einer Serie, die sich zunehmend selbst persifliert. Das ist ihr nicht immer gut bekommen. Aber hier ist das meiste noch naives Narrentum, reines Abenteuer – mit einer gehörigen Prise Durchtriebenheit. Und, auch das, Triebhaftigkeit.

