Spielfilmtipps zum JahreswechselWilde Zeiten

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Die exilrussische Gräfin Natascha (Sophia Loren, re.) schlägt sich in Hongkong als Escortdame durch.
Die exilrussische Gräfin Natascha (Sophia Loren, re.) schlägt sich in Hongkong als Escortdame durch. Alamy Stock Photos / Universal Pictures, Photo 12 / mauritius images

„Die Gräfin von Hongkong“, „La La Land“, „Krieg und Frieden“ und „Der bewegte Mann“: die besten Filme im Fernsehen an Silvester und Neujahr.

Von Stefan Fischer

Die Gräfin von Hongkong

Liebeskomödie, Arte, Silvester, 20.15 Uhr

Es ist der letzte Film von Charles Chaplin – und der einzige, den er in Farbe gedreht hat. Ein Film der Übergänge: Chaplin, groß geworden als Stummfilm-Star und im Studiosystem von Hollywood, dessen Zwängen er sich entziehen konnte, indem er ein eigenes Studio (mit-)gegründet hat, United Artists. Der nun, am Ende seiner atemberaubenden Karriere, einen Film dreht mit einem Star, Marlon Brando, der seine Karriere wiederum in die New Hollywood-Ära retten konnte, das amerikanische Anti-Studiosystem-Kino ab den späten Sechzigern (und bis hinein in die Achtziger), mit der Rolle des Paten. Und dann ist da natürlich noch die Hauptdarstellerin, Sophia Loren, europäisches Autorenkino; zugleich mit einem Fuß immer auch im amerikanischen Kino. Eine amour fou, zwischen einem Diplomaten und einer russischen Gräfin, die sich weit unter Stand durchschlagen muss. Mit – eine weitere Volte der Filmgeschichte – der Hitchcock-Heldin Tippi Hedren als Brandos Ehefrau ...

La La Land

Musical, RTL 2, Neujahr, 20.15 Uhr

Zwei junge Menschen kommen nach Los Angeles, in die Stadt, die eine reale und eine traumwandlerische Seite hat. Mia (Emma Stone) will Schauspielerin werden, Sebastian (Ryan Gosling) ist Jazzpianist, beider Karrieren stehen noch in den Sternen. Sie kennen sich erst seit Kurzem, sind einander noch fremd; doch hoffen sie zusammen auf eine Zukunft in diesem weltfremden Lalaland Hollywood. Die Bühne als Leben, das Leben als Bühne – scheint in unsere Zeit der permanenten Selbstdarstellung zu passen. Der Regisseur Damien Chazelle erzählt davon mit der eigenwilligen Logik des Musicals, er friert die Realität ein, um Momente des Irrealen zu schaffen. Traum und Wirklichkeit gehen nicht einfach ineinander über, schon gar nicht sind sie in Deckung miteinander zu bringen. Eine präzise Choreografie, die von Spontaneität und Freiheit erzählt, aber auch von Zwängen.

Krieg und Frieden

Drama, Arte, Neujahr, 20.15 Uhr

Ein großer Roman liegt diesem großen Film zugrunde; und ihn aus der Perspektive der Gegenwart gering schätzen, weil er nun einmal eine Zuneigung zu den russischen Figuren erfordert, würde beiden nicht gerecht – weder der Vorlage von Leo Tolstoi noch der Adaption des Regisseurs King Vidor (nebst einer Heerschar Drehbuchautoren). Russland wird von Napoleon angegriffen, das bringt Bewegung in die Oberschicht des Landes. Einerseits bricht deshalb Unruhe aus, andererseits wird der Krieg von anderen als Chance gesehen, für sie persönlich und für ihre Ideen von der Zukunft des Landes. Und das Leben hört ja deshalb nicht auf: Im Zentrum dieses Epos stehen mehrere Liebesgeschichten, glückliche wie unglückliche. Es geht also in dem unter anderen mit Audrey Hepburn, Henry Fonda, Vittorio Gassman, Oskar Homolka und Anita Ekberg besetzten Drama um Loyalität und Verlässlichkeit auf verschiedenen Ebenen.

Der bewegte Mann

Komödie, One, Neujahr, 20.15 Uhr

„Es ist nicht so, wie du denkst“: Dieser dämlichste und feigste Satz, mit dem Menschen sich aus kompromittierenden und sehr wohl eindeutigen Situationen dennoch irgendwie zu retten versuchen – auch Til Schweiger spricht ihn aus in seiner Rolle als Kellner Axel, den seine Freundin bei einem Quickie mit einer Fremden erwischt. Sie wirft ihn raus, Axel kommt – mitsamt seinem Papagei Schewardnadse – bei einer Männerclique unter. Zu der auch die Homosexuellen Walter und Norbert gehören (Rufus Beck, Joachim Król). Es ist nicht so, wie du denkst – oder eben gerade schon: Das ist der Antrieb dieser sehr lustigen (unter anderem weil nicht ins Klamottenklamaukige abrutschenden) deutschen Kinokomödie von Sönke Wortmann aus dem Jahr 1994. In der auch das Melancholische seinen Platz hat und die immer wieder von unerfüllten Sehnsüchten durchweht wird.

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