Der Chef
Gangsterdrama, Arte, Sonntag, 14.25 Uhr
Der deutsche Titel ist trügerisch, er klingt dynamisch und zupackend. Im Original geht es lakonisch nur um „Un Flic“, einen Bullen. Der letzte Film von Jean-Pierre Melville, ein Jahr später ist er gestorben, an einem Herzinfarkt, im Alter von 55 Jahren. Ein Gangsterfilm voller Schwermut, er spielt zur „staden Zeit“ – Weihnachten in Paris. Alain Delon ist Kommissar Edouard Coleman, der in seiner Limousine durch die nächtliche Stadt zieht. In sein jugendliches leeres Gesicht hat sich Müdigkeit gekerbt. Er kriegt es mit Drogenschmuggel zu tun und mit einem Banküberfall, ganz in der routinierten Melville-Manier, in einem Kaff an der Atlantikküste, das – der Regen, die Brandung – wirkt wie das Ende der Welt. Der Chef der Bande ist Richard Crenna, Nachtclubbesitzer in Paris. Seine Freundin – und sein Todesengel – ist Catherine Deneuve, zu der auch Edouard eine eigene Beziehung hat.
Das geheime Fenster
Psychothriller, Sat 1, Nacht zu Sonntag, 1.20 Uhr
Aus dem Alltag eines Schriftstellers, der sich zurückzieht an den Rand der Welt, in ein Haus am See, dort erlebt er eine Schreibblockade und den mysteriösen Besuch eines fiesen Fremden, der ihm vorwirft, er habe eine seiner Geschichten geklaut. Nach einer Geschichte von Stephen King, Johnny Depp ist der Schriftsteller, mit Wuschelhaar und einer Vorliebe für Strickjacken und Pullunder. „Als ich mitten in der ersten Fassung war“, erzählt Regisseur David Koepp, „poppte Johnny in meinem Kopf auf und er verließ ihn nicht wieder.“ Koepp schrieb die ersten Filme legendärer Abenteuer-Serien, „Jurassic Park“, „Mission Impossible“, „Spider-Man“, seine Filme als Regisseur sind starker Horror, aber ganz minimalistisch. „Johnny Depp könnte ein Nickerchen machen, dem man gespannt zuschauen würde.“ Der ultimative Stephen-King-Film: „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“, 1986, von Rob Reiner. Das unerhörte Abenteuer Jugend, mit der ersten Begegnung mit dem Tod (ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr).
Up in the Air
Komödie, Sixx, Sonntag, 22.25 Uhr
Amerikanische Melancholie, wunderbar verkörpert von George Clooney, eine Existenz mit minimaler Bodenhaftung: Er ist immer unterwegs, angeheuert von großen Firmen für die wirklich fiese Arbeit – massenhaft Leuten klarzumachen, dass sie entbehrlich und gefeuert sind, und sie zu besänftigen in ihrer Verblüffung und Verzweiflung. Er hat daraus seine eigene Philosophie gemacht: geht ohne Gepäck durchs Leben, ohne Belastung durch Eigentum und Beziehungen. Plötzlich kommt die Idee auf, ob man diese persönliche Prozedur durch Videokonfrontationen ersetzen könnte ... da deutet der Film von Jason Reitman aus dem Jahr 2009 an, was wenige Jahre später durch Covid Realität werden sollte. Ebenfalls mit Clooney: „Ticket ins Paradies“, 2022, von Ol Parker. Er und Julia Roberts sind Eltern und erfahren, dass ihre Tochter im Inselparadies Bali einen Algenzüchter heiraten will, und natürlich haben sie allerschwerste Bedenken (Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr).
Crawl
Horror, Sat 1, Nacht zu Montag, 2.05 Uhr
Florida ist eine bedrohliche, bedrohte Welt. Als ein Hurrikan angekündigt wird, Kategorie fünf, die stärkste Stufe, soll die betroffene Region evakuiert werden. Die junge Haley aber, die an der Uni als Schwimmerin trainiert, muss zurück ins Zentrum des Sturms, ihr Vater Dave hat seit Tagen nichts von sich hören lassen. Ein großes Nirgendwo, die Grenzen zwischen Land und Wasser sind verschwunden. Im alten Elternhaus findet sie Dave, und die zwei müssen gegen eine Horde Alligatoren kämpfen, die in beiden Elementen heimisch sind. Klaustrophobie pur. Der Franzose Alexandre Aja, der Hollywood mit ein paar richtig fiesen Horrorfilmen auf sich aufmerksam machte, kombiniert hier, nach eigenem Bekunden, den schwarzen Weltraum-Terror von „Alien“ mit dem Tsunami-Schocker „The Impossible“ (mit Naomi Watts). Die Frauen sind besonders stark und unerschrocken bei Aja, hier Kaya Scodelario als Haley.

