Spielfilmtipps zum FeiertagWie das Leben zerbröselt

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Dieb aus Liebe: Weil er seine Gatin Diana nicht verlieren will, klaut Roger (Aksel Hennie) in „Headhunters“ Kunst. Wie lange kann das gutgehen?
Dieb aus Liebe: Weil er seine Gatin Diana nicht verlieren will, klaut Roger (Aksel Hennie) in „Headhunters“ Kunst. Wie lange kann das gutgehen? ZDF und ARD Degeto/Yellow Bird

„Headhunters“, „Die Ehe der Maria Braun“, „Der gestiefelte Kater“, „Im Körper des Feindes“ und „Pulp Fiction“: die besten Filme im Fernsehprogramm zu Christi Himmelfahrt.

Von Milan Pavlovic

Headhunters

Thriller-Groteske, RBB, Donnerstag, 23.50 Uhr

Es fehlt nicht viel, dann wäre dies die nächste Tragödie eines lächerlichen Mannes. Aus Frust über seine eher kurz geratene Statur – vor allem im Vergleich zu seiner wikingerhaften Gefährtin (Synnove Macody Lund) – lebt Roger (Aksel Hennie) auf viel zu großem Fuß. Er geht auf Raubzüge, um Diana zu halten. Doch als der Schönling Clas (Nikolaj Coster-Waldau) auftaucht, droht Rogers Leben zu zerbröseln. Für den kleinen Mann läuft alles schief. Dies ist die böseste und absurdeste, beste Verfilmung von Jo Nesbös nordisch fröstelnden Romanen. Regisseur Morten Tyldum war so schlau, danach für seinen ersten Hollywoodfilm eine andere Tonlage zu wählen: Er drehte das schöne SciFi-Kammerspiel „Passengers“ mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt, das 2016 nach mäßigem Start schnell zum Klassiker avancierte.

Die Ehe der Maria Braun

Melodram, Arte, Mittwoch, 20.15 Uhr

In den 1970ern brachten deutsche Filmemacher um Wim Wenders und Werner Herzog, Alexander Kluge, Rudolf Thome und Klaus Lemke so viele diverse und großartige Produktionen wie nie zuvor oder danach in die Kinos. Niemand trat dabei mit seinem Werk so in Erscheinung wie das gefürchtete Genie Rainer Werner Fassbinder, der 1982 viel zu früh mit 37 verstarb. Es hält sich bis heute das Gerücht, dass Hanna Schygulla dem ultraflott arbeitenden Regisseur zu schnell zu groß wurde, vor allem dank der Rolle als Post-Weltkriegs-Opportunistin in „Die Ehe der Maria Braun“ (Februar 1979) – weshalb er nach „Lili Marleen“ (Januar 1981) lieber Barbara Sukowa die Hauptrolle in „Lola“ gab (August 1981), dem Prunkstück seiner herrlich bösen Wirtschaftswunder-Trilogie. Möglich wurde dies aber erst durch den unerwartet globalen Triumph der „Ehe der Maria Braun“.

Der gestiefelte Kater

Animation, RTL, Donnerstag, 15.30 Uhr

Kinder an Feiertagen vor dem Fernseher zu parken, wo sie stundenlang mit Animationswerken gefüttert werden, gehört inzwischen zur Tradition. Seit ein paar Jahren werden sie von den Erwachsenen beneidet, weil die Filmqualität immer besser geworden ist. RTL beglückt die Familie am Donnerstag ab 7.35 Uhr mit drei Meisterwerken – und wem „Drachenzähmen leicht gemacht 3“, das tolle Finale der Trilogie über den jungen Wikinger Hicks und seinen Drachen Ohnezahn, zu früh läuft, der schaltet eben zur Wiederholung um 13.45 Uhr ein. Direkt davor kann man ab 12.10 Uhr sehen, warum die originale Version der Chaos-Komödie „Lilo & Stitch“ dem enttäuschenden Remake so überlegen ist. Und „Der gestiefelte Kater“ (im Original „Puss in Boots“) hat so viele herrliche Gags, abwechselnd frech und subtil, dass die Eltern sich am liebsten direkt zu ihrem Nachwuchs setzen.

Im Körper des Feindes

Thriller-Groteske, Kabel 1, Donnerstag, 23.10 Uhr

Als „Face/Off“ (Originaltitel), der in jeder Hinsicht irre Reißer, 1997 in die Kinos kam, gab es nicht wenige Nörgler (inklusive der Verfasser dieser Zeilen), die lamentierten, Hongkong-Regisseur John Woo habe mit dem grotesken Thriller – seiner zweiten Arbeit in den USA – den Bogen endgültig überspannt. Es klingt ja auch grenzwertig bekloppt, dass der Chef der Antiterror-Einheit (John Travolta) sich das Gesicht des Terroristen Troy (Nicolas Cage) aufpflanzen lässt, um eine Bombe zu entschärfen. Der Film ist trotz aller Explosionen und Schießereien voller zärtlicher Momente – genau wie „Pulp Fiction“ (Donnerstag, Vox, 22 Uhr), der Begründer dieses Gaga-Genres. Mit dem Unterschied, dass Quentin Tarantinos Werk schon bei seiner Premiere 1994 in Cannes sofort von allen geliebt wurde. Und Travolta die beste Rolle seiner Karriere bescherte.

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