Spielfilmtipps zum Wochenende:Kerle im Krisenmodus

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Spielfilmtipps zum Wochenende: Ein Gesicht wie aus Granit: Weil man nie seinen Namen hört, wird der maulfaule Rächer (Charles Bronson) gerne "Mundharmonika" genannt.

Ein Gesicht wie aus Granit: Weil man nie seinen Namen hört, wird der maulfaule Rächer (Charles Bronson) gerne "Mundharmonika" genannt.

(Foto: Paramount/Paramount)

"Spiel mir das Lied vom Tod", "Coco", "Vertigo", "Verhandlungssache", "Die üblichen Verdächtigen" und "Dawn of the Dead": die Filmtipps zum Wochenende.

Von Milan Pavlovic

Spiel mir das Lied vom Tod

Western, SWR, Samstag, 20.15 Uhr

Ob Sergio Leone, der Römer mit dem etwas schrägen Frauenbild (alles Huren und Heilige), heute noch unbehelligt seine grandiosen Fresken anfertigen dürfte? Andersherum wäre man gespannt, wen er entdecken würde. Nach Clint Eastwood, dessen Granitgesicht er in der Dollar-Trilogie in Form klopfte, sah er 1968 als einer der Ersten die Vorzüge von Charles Bronson, der einen maulfaulen Namenlosen spielt, der seit seiner Jugend nichts anderes plant als Rache an dem außerordentlich bösen Henry Fonda. Bronson hat deshalb auch kaum einen Blick für Claudia Cardinale (als nymphomanische Ex-Hure Jill, die ihren Heiligenschein findet), als diese ein Schaumbad nimmt. "Für mich war Bronson sehr wichtig", erläuterte Leone, "weil er der Typ ist, der mit seinem Galgengesicht Lokomotiven zum Stehen bringen kann."

Coco

Animation, Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr

Wie brillant die Köpfe der Animationsfabrik Pixar waren, bevor der Mutterkonzern Disney die Magie bremste, zeigt nicht zuletzt dieses ingeniöse Abenteuer: eine Geschichte über den mexikanischen Jungen Miguel, der droht im Reich der Toten festzustecken, weil er gegen den Willen der gebeutelten Familie musiziert und einen verstorbenen Gitarristen idolisiert. Wirklich, Coco ist ein Erwachsenen- und Kinderfilm, bezaubernd, lustig und abgründig zugleich. Ein anderer Ausflug ins Reich der Toten ist Alfred Hitchcocks tranceartiges, pechschwarzes Melodrama Vertigo (SWR, Nacht zu Montag, 0.30 Uhr), in dem der getriebene Melancholiker Scottie (James Stewart) versucht, eine Fremde (Kim Novak) nach seinem Gusto umzugestalten, bis sie seiner verlorenen Traumfrau gleicht. Nebenbei besiegt er seine Höhenangst, aber der Preis dafür könnte nicht höher sein.

Die üblichen Verdächtigen

Thriller, ZDF Neo, Samstag, 23.25 Uhr

Kann man Filme mit Kevin Spacey noch genießen, nach allem, was er privat verbrochen haben soll? Ja, auch weil man bewusster einem Schauspieler bei der Arbeit zusieht - bis man ihm wieder auf den Leim geht. Der brutal clevere Thriller The Usual Suspects (Originaltitel) handelt sogar explizit davon, dass ein schwätzender, stotternder Stolperer (Spacey) als einziger Überlebender eines Massakers selbstgefällige Cops narrt. Auch in Verhandlungssache (Servus TV, Samstag, 22.10 Uhr) muss Spacey sich der Situation anpassen, als ein betrogener Krisenmanager (Samuel L. Jackson) Geiseln nimmt. Jackson ist am besten, wenn er mit oder gegen jemanden anspielen kann, etwa als ungewollter Buddy von Bruce Willis in Stirb langsam 3 (RTL, Sonntag, 20.15 Uhr) und als Ex-Knacki neben Ruth Negga in Der Samariter (3sat, Sonntag, 23.15 Uhr).

Dawn of the Dead

Horror, ZDF, Nacht zu Sonntag, 0.35 Uhr

George A. Romero, der Vater des Zombiefilms, war entsetzt, als er die Untoten in diesem Remake sah: Einmal infiziert, werden die Opfer nicht etwa wie früher zu einer lahmen, todbringenden Masse, die im Zeitalter des Kapitalismus hirnlos Richtung Shopping Mall vegetiert - sondern zu aggressiven Bestien mit Sprinterqualitäten. Man mag Romeros zynische Sicht auf die Welt der Untoten eher teilen, aber dennoch sind die ersten Minuten dieses Schockers von 2004 enorm effektiv, weil gleich gegen mehrere Tabus verstoßen wird. Später geht es wieder in ein Einkaufszentrum, wo ein paar Überlebende nerviger sind als die Untoten. Direkt im Anschluss läuft dann Shaun of the Dead (ZDF, Nacht zu Sonntag, 2.15 Uhr), immer noch der lustigste Zombie-Film, weil ein paar Engländer beweisen müssen, dass in ihnen mehr Leben steckt als in den Infizierten.

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