Spielfilmtipps zum Wochenende:Unterwegs im Wunderland

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Weihnachten 1991: Lady Diana (Kristen Stewart) graut es vor dem Familienfest. (Foto: ARD Degeto/DCM Film Distribution)

"Spencer", "Ein Herz und eine Krone", "Petite Maman - Als wir Kinder waren", "Scarface" und "Twister": die Fernsehtipps zum Wochenende.

Von Fritz Göttler

Spencer

Psychodrama, Das Erste, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr

Prinzessin Diana (bürgerlicher Name Spencer, damals Ehefrau von Charles, dem heutigen britischen König) muss 1991 nach Sandringham House, wo die königliche Familie Weihnachten feiert. Pablo Larraín lässt in seinem Film von 2021 Kristen Stewart als Diana fremdeln nach allen Regeln der Kunst, eine royale Alice im Wunderland, sie hat Begegnungen, mit einer Vogelscheuche oder dem Geist der historischen Anna Boleyn. Am Ende nimmt sie ihre Söhne, William und Harry, in ihr Cabrio und entflieht, zum Song "All I Need Is a Miracle". Einen zauberhaften Tag erlebt die Prinzessin Anne, wenn sie ausbüxt beim Staatsbesuch in Rom, in Roman Holiday/Ein Herz und eine Krone, 1953, von William Wyler. Mit Audrey Hepburn und Gregory Peck - als ein amerikanischer Reporter, der mit den Kollegen pokert, aber auch Keats und Shelley kennt (RBB, Samstag, 23.30 Uhr).

Petite Maman - Als wir Kinder waren

Familienfilm, One, Samstag, 23.40 Uhr

Ein Zeitreise-Märchen von 2021, von Céline Sciamma. Nelly ist einsam, die Großmutter ist eben gestorben, die Mutter hat plötzlich die Familie verlassen, Nelly soll unter den Erinnerungen aufräumen ... Im Wald trifft sie ein anderes Mädchen, gemeinsam bauen sie einen Unterschlupf aus Holz. "Sie schauen intensiv in die Welt", sagt Céline Sciamma über ihre Figuren und die Mädchen, die sie spielen. "Wir nennen das Neugier. Ich nenne es Überleben, den Überlebensmodus. Du musst viel begreifen - wo du bist, was dich bedroht, wie du dich anpassen musst ... Und das bedeutet eine große Spannung fürs Kino." Mit zauberhafter Beiläufigkeit stellt Nelly die Beziehung der beiden fest: Das andere Mädchen ist ihre Mutter, magischerweise wieder im Alter von Nelly. Eine fantastische Beziehung - und die beiden haben eine Menge Spaß.

Scarface

Gangsterfilm, Arte, Sonntag, 22.10 Uhr

Migranten-Chaos in Miami, im Jahr 1980, als Fidel Castro die Grenzen Kubas öffnete - und viele Landsleute, darunter eine Menge Krimineller, sich aufmachten in die USA. Ein Land des Rausches, der Zügellosigkeit, der Gewalt, Kokain war das ganz große, blutige Geschäft. Tony Montana will ganz nach oben, von Al Pacino mit einer Inbrunst verkörpert, die hart am Rande der Ironie ist. Gangster beanspruchen gern für sich, der Größte zu sein, das gilt auch ein bisschen für die Filmemacher Oliver Stone (Drehbuch) und Brian De Palma (Regie). Noch ein Aufschneider, ein antiker, verkörpert von Kirk Douglas, in Die Fahrten des Odysseus (MDR, Sonntag, 10.15 Uhr), von Mario Camerini, gedreht in Cinecittà, 1954, ein Jahr nach Wylers Roman Holiday. Odysseus flippt total aus nach der Blendung des einäugigen Zyklopen Polyphem: "Ich war's, ich, Odysseus", grölt er. Was damals bedeutete, die Götter herauszufordern.

Twister

Katastrophenfilm, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Noch eine lebensgefährliche Herausforderung: vor einem Tornado nicht davonrennen und Schutz suchen, sondern auf ihn zuhalten. Wissenschaftler tun das in Oklahoma in dem Film von Jan de Bont, 1996, zu Studienzwecken, sie wollen Geräte testen zur Sturmwarnung. Aber unter der Schicht rationeller Wissenschaftlichkeit spürt man bei diesen Sturmjägern die alte Lust am Abenteuer - Bill Paxton und Philip Seymour Hoffman und die wunderbare Helen Hunt. Manche Katastrophenfilme altern auf magische Weise, sie bekommen eine Aura der Jugendlichkeit, der eigenen und der des Kinos. Die Spezialeffekte dieses Films sind fast zwanzig Jahre alt, das verleiht ihm einen romantischen Touch: Wie die Säulen der Wirbelstürme sich winden vor der grauen Wolkenwand, stöhnend und schmatzend, Geistern gleich, die aus der Flasche entlassen sind.

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