TV-Tipps zum Wochenende:Weit weg vom Mainstream

WITNESS, Kelly McGillis, Harrison Ford, 1985. (c) Paramount Pictures/ Courtesy: Everett Collection. Paramount/Courtesy E; Witness

"Schlicht" soll er aussehen, der ungehobelte Großstadt-Cop John Book (Harrison Ford), als er bei den Amish unterschlüpft, um Rachel (Kelly McGillis) und ihren Sohn zu schützen - Samuel war der einzige Zeuge in einem Mordfall.

(Foto: Paramount/imago images/Everett Collection)

Die meisten sehenswerten Filme des Fernsehwochenendes sind schon etwas älter. Das steht ihnen gut zu Gesicht.

Von Milan Pavlovic

Der einzige Zeuge

Thriller, Das Erste, Nacht zu Sonntag, 0.40 Uhr

Einer dieser Filme, die mit zunehmendem Alter noch besser und weiser werden, auch da der Kontrast zwischen der normalen Welt und der Lebensweise der Amish (zumindest in diesem Thriller) ausgeprägter geworden ist. Samuel, ein kleiner Junge mit wissbegierigen großen Augen (Lukas Haas), ist in der Großstadt Zeuge eines Mordes geworden - ausgerechnet ein rüder Cop (Harrison Ford) will ihn beschützen. John Book geht im neuen Leben auf, und der Zivilisationsskeptiker Peter Weir (Gallipoli) inszeniert das als Verführung und Erleuchtung - ohne den Ballast der Belehrung, aber mit der hymnischen Musik von Maurice Jarre. Süß ist, wie Witness mit Harrison Fords Schwachstelle umgeht: Bei Frauengeschichten spielt der tough guy den Linkischen, mit keuschen oder unerfüllten Liebschaften, hier mit Kelly McGillis.

Im Reich der Sinne

Erotikdrama, Tele 5, Nacht zu Sonntag, 1.05 Uhr

Einige große Filme altern schlechter, als man sich das eingestehen will. Wie steht es um dieses bahnbrechende japanische Kammerstück? Es wird nicht wenige Zuschauer geben, die bei der ersten Ansicht nörgeln dürften: Dieses Erotikdrama fand die deutsche Staatsanwaltschaft 1976 so anstößig, dass sie es nach der Premiere in Berlin subito konfiszieren ließ? Und als "harte Pornografie" brandmarkte? (Es dauerte 18 Monate, bis der Film hierzulande gezeigt werden durfte.) Nach dem, was seither an nackter Haut und Gliedmaßen im Kino zu sehen war, ist Nagisa Oshimas Geschichte einer fatalen Sex-Beziehung zwischen einem Lustmädchen und seinem Geliebten nichts Außergewöhnliches. Doch was auch heute noch verstört, ist die Radikalität und Konsequenz, mit der das Obsessive und ja: das unrettbar Zerstörerische einer Liaison vermittelt wird.

Apollo 13

Drama, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Reisen zum Mond waren schon 1970 nicht mehr in. Erst als eine kleine Panne die Astronauten Lowell, Haise und Swigart in Lebensgefahr brachte ("Houston, we have a problem!"), saß die amerikanische Nation wieder gebannt vor dem Fernseher. Im Scheitern wurden die drei doch noch zu Helden, auch dank ihrer starken Einheit. In diesem Punkt ist es dem Film bierernst. Apollo 13 ist mehrere Monde entfernt von der Sternstunde aller Weltallabenteuer (das ist immer noch The Right Stuff von 1983). Aber es ist solides, brillant besetztes und gespieltes Hollywood-Kino, von Ron Howard 1995 angerührt zu einer seiner effektiven Predigten über den Segen funktionierender Familien (siehe auch Parenthood oder Cocoon). Erst Jahre später, mit einem Oscar für A Beautiful Mind in der Hinterhand, wagte Howard einen pechschwarzen Familienfilm: den Western The Missing (2003).

Criminal Squad

Action, Pro Sieben, Sonntag, 21.45 Uhr

Action geht immer? Nicht dann, wenn das Vorbild zu groß ist. Jason Bourne (RTL, Sonntag, 20.15 Uhr) begeht all jene Fehler, die die ersten drei Teile perfekt vermieden hatten. Dann lieber ein schamloses B-Movie wie Transporter - The Mission (Vox, Samstag, 22.10 Uhr), mit der grazilen Kampfmaschine Jason Statham. Oder Die Stunde des Jägers (Sat 1, Nacht zu Sonntag, 0.30 Uhr), über das prekäre Duell eines irregeleiteten Kriegers (Benicio del Toro) mit seinem Ausbilder (Tommy Lee Jones). Oder die fast kontemplative Suche nach Zodiac (Arte, Sonntag, 21.55 Uhr), dem Killer der späten 60er. Oder, besonders überraschend, Criminal Squad: eine gelungene, verzinkte, prollige Mischung aus Die üblichen Verdächtigen und Heat. Wie prollig? Nun, Gerald Butler und Pablo Schreiber treten auf als Al Pacino und Robert De Niro - nur ohne ihre Macken.

Zur SZ-Startseite
Auf dünnem Eis

ZDF-Film
:Der Mann auf dem Parkplatz

Der ZDF-Film "Auf dünnem Eis" beruht auf der wahren Geschichte eines im Winter erfrorenen Obdachlosen - und nimmt sich der schwierigen Frage an: Wie hilft man richtig?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB