TV-Tipps zum Wochenende:Innere Freiheit

THE BEACH, Leonardo Di Caprio, 2000. TM and Copyright 20th Century Fox Film Corp. All rights reserved. Courtesy: Everett

Naiv am thailändischen Strand, an dem er seinen moralischen Kompass verliert: der Backpacker Richard (Leonardo DiCaprio).

(Foto: 20thCentFox/Imago Images / Everett Collection)

"The Beach", "Bugsy", "Der seidene Faden" und "Der Nachtportier": Das Filmwochenende im Fernsehen ist geprägt von Figuren mit monströsen Egos.

Von Stefan Fischer

The Beach

Drama, RTL 2, Samstag, 20.15 Uhr

An diesem Wochenende sind Leonardo-DiCaprio-Festspiele im Fernsehen. Drei Filme sind zu sehen, aus den Nullerjahren, dem Jahrzehnt nach Titanic, diesem wirkmächtigsten Booster seiner Karriere. Es ist auch das Jahrzehnt, in dem DiCaprio sich vom jugendlichen zum männlichen Helden wandelte. In The Beach ist er noch ein naiver Backpacker, der in Thailand in einen Albtraum stolpert, in eine militaristische Kommune von Expats, in der er sich ebenfalls schuldig macht. Für Martin Scorsese spielte er vier Jahre später, 2004, in Aviator den Filmemacher und Flugpionier Howard Hughes - ein Biopic über die zerstörerische Kraft des Größenwahns (Servus TV, Samstag, 20.50 Uhr). Eine Saulus-zu-Paulus-Verwandlung zeigt DiCaprio schließlich in Blood Diamond (RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr).

Bugsy

Gangsterfilm, One, Samstag, 22 Uhr

Benjamin Siegel hat es nicht gerne, wenn man ihn Bugsy nennt, einen verrückten Kerl also. Aber genau das ist er, und deshalb kursiert dieser Spitzname hinter seinem Rücken. Siegel arbeitet in den 1920er- und 1930er-Jahren für die New Yorker Mafia, die ihn nach Los Angeles schickt, um an der Westküste die Erträge aus dem Glücksspielgeschäft zu steigern. Bugsy geht stets aufs Ganze: bei Frauen, bei Geschäftspartnern, bei Kontrahenten. Geld bedeutet ihm wenig, meistens gibt er ohnehin das anderer Leute aus. Am realen Bugsy Siegel hat sich der Regisseur Barry Levinson nur lose orientiert, er wollte in erster Linie eine Geschichte von Draufgängertum und innerer Freiheit erzählen. Die Musik hat ihm Ennio Morricone komponiert, und vor der Kamera standen Warren Beatty in der Hauptrolle, außerdem Annette Bening, Harvey Keitel und Ben Kingsley.

Der seidene Faden

Drama, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Kleider machen Leute, auch und erst recht in der britischen Upper-Class. Der Zweite Weltkrieg ist seit ein paar Jahren vorüber, die höhere Gesellschaft kann ihren Wohlstand wieder zu Schau stellen. Bei dieser Inszenierung ist diesen Leuten keiner so hilfreich wie der perfektionistische Schneider Reynolds Woodcock. Ein Künstler, der stets eine Muse braucht, aber nicht belästigt werden möchte durch die Banalitäten des Alltags. Weshalb ihm seine Schwester als Zerberus dient. Dieses Duo gerät aus dem Tritt, als die aktuelle Muse den beiden ihren eigenen Sturschädel entgegen setzt. Daniel Day-Lewis spielt diese Rolle mit der ihm eigenen Akribie, und mit dem Regisseur Paul Thomas Anderson hat er einen genialen Partner an seiner Seite. Im Anschluss läuft die Doku Daniel Day-Lewis - Der Weg zum weltbesten Schauspieler (22.20 Uhr).

Der Nachtportier

Drama, Tele 5, Nacht zu Montag, 1 Uhr

Die Einwände gegen diesen Film der italienischen Regisseurin Liliana Cavani von 1974 waren immens. Der amerikanische Kritiker Robert Ebert nannte ihn schmierig und verabscheuungswürdig, der Eintrag im Lexikon des internationalen Films schilt ihn Politporno. Die italienische Staatsanwaltschaft ließ Kopien des Films beschlagnahmen, erst in einem Gerichtsverfahren wurde er freigegeben. Der Skandal? In Wien trifft ein Paar aufeinander - gespielt von Dirk Bogarde und Charlotte Rampling -, das sich aus einem KZ kennt, als Aufseher und Inhaftierte. Die beiden hatten dort eine sadomasochistische Beziehung, die sie wieder aufnehmen. Das ist verstörend, aber anders als unterstellt keine effektheischende, NS-Opfer entwürdigende Kolportage, sondern ein Film über die psychische Zerstörung zweier Menschen durch die fatalen Umstände.

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