Spielfilmtipps zum Wochenende:Bettgeschichten

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Spielfilmtipps zum Wochenende: Party mit tödlichem Ausgang: Spadino und Sabrina (Giacomo Ferrara, Giulia Elettra Gorietti) lassen eine Leiche verschwinden. Eine politische Säuberung, wenn man so will.

Party mit tödlichem Ausgang: Spadino und Sabrina (Giacomo Ferrara, Giulia Elettra Gorietti) lassen eine Leiche verschwinden. Eine politische Säuberung, wenn man so will.

(Foto: Emanuela Scarpa/ZDF)

"Suburra", "Happy Happy", "Vertigo" und "Notting Hill": die Filme zum Wochenende.

Von Stefan Fischer

Suburra

Thriller, 3sat, Samstag, 23.35 Uhr

Regierungskrise in Italien: Das ist nicht ungewöhnlich in diesem Land. Und so wird mit gewisser Routine auf Biegen und Brechen versucht, noch schnell ein Gesetz zu verabschieden, ehe der Rücktritt des Ministerpräsidenten unausweichlich ist. Es geht um Baugenehmigungen, zum Vorteil der Mafia. Die hat eine Marionette im Parlament, den Abgeordneten Malgradi, der es versteht, mithilfe diverser Zuwendungen Mehrheiten zu organisieren. Dieser Malgradi hat eine ausgeprägte Schwäche für Sexorgien, damit lässt er sich von der Mafia entlohnen. Als eine davon grob aus dem Ruder läuft, haben eine ganze Reihe einflussreicher Männer jeder auf seine Weise ein gravierendes Problem. Wie Pierfrancesco Favino den Parlamentarier spielt, besoffen vom Glauben an die eigene Großartigkeit und Unverwundbarkeit, ist großartig.

Happy Happy

Tragikomödie, One, Nacht zu Sonntag, 23.50 Uhr

Vier Menschen - das ermöglicht sechs Paarbeziehungen. Die Regisseurin Anne Sewitsky spielt sie in dem norwegischen Film von 2010 alle durch. Nicht jede dieser Beziehungen hat eine sexuelle Ebene, aber wo immer Bettgeschichten ins Spiel kommen, wirken sie sich auf sämtliche der anderen Beziehungen aus - auf die beiden Ehen, auf die nachbarschaftliche Freundschaft der beiden Paare, die wenig mehr als einander haben in der nördlichen Einöde, die Sewitsky hier inszeniert. Sieht man einmal von einem Kirchenchor ab. Aber der kann auch nicht wirklich hinweghelfen über die Probleme des Quartetts, im Gegenteil. Happy Happy hat den Großen Preis der Jury beim wichtigsten Festival für Independence-Filme in Sundance bekommen, honoriert wurden der lakonische Humor und die Lust, spielerisch am Rand der Katastrophe zu balancieren.

Vertigo - Aus dem Reich der Toten

Psychothriller, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Einer der wichtigsten Filme Alfred Hitchcocks, der verspätet Anerkennung erhielt. Als er in die Kinos kam, 1958, wurde er teils als hanebüchen abgetan. Das Schwindelgefühl, das der Titel bezeichnet - Vertigo ist ein medizinischer Fachausdruck -, kann auch den Zuschauer erfassen. Deshalb nimmt der Thriller eine besondere Rolle in Hitchcocks Werk ein: Die Figuren sind nicht die, als die sie sich ausgeben, sie verschleiern ihre Absichten, verbergen ihren Charakter und belügen sich selbst - wie oft bei Hitchcock, aber hier in vollkommener Weise. James Stewart spielt einen höhenkranken ehemaligen Polizisten, der einer Frau nachjagt, sie auch zweimal beinahe zu fassen kriegt. Aber hier wiederholt sich eine tragische Geschichte nicht als Farce, wie Karl Marx postuliert hatte. Hier kommt erst die Farce, dann die Tragödie.

Notting Hill

Liebeskomödie, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Einen Kumpel wie Spike braucht man im Leben. Auch wenn es nicht reine Gefälligkeit ist, was er tut. Vielmehr glaubt er, dass die Chance von William eigentlich seine ist: Da schneit plötzlich ein Hollywood-Star (Julia Roberts) ins Haus der beiden Männer, es bahnt sich etwas an zwischen ihr und William (Hugh Grant). Aber so schnell lässt Spike sich in blanker Selbstüberschätzung nicht aus dem Feld schlagen. Letztlich aber hält er den beiden den Rücken frei; die Londoner Pressemeute hat Wind davon bekommen, wer sich in dem Haus aufhält bei einem den Medien unbekannten Mann. Da tritt Rhys Ifans in Unterhosen vor die Tür, und der von ihm gespielte Spike bewältigt diese improvisierte Pressekonferenz, wie es wohl nur ein Brite hinbekommt - schlagfertig, mit dem Talent zur Komödie und sehr stilvoll, obwohl beinahe nackt.

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