Spielfilmtipps zum Wochenende:Kluges Emotionskino

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Spielfilmtipps zum Wochenende: Ernstes Wörtchen unter Robotern: Der Putzwinzling (links) ermahnt Wall•E, weniger Schadstoffe zu produzieren.

Ernstes Wörtchen unter Robotern: Der Putzwinzling (links) ermahnt Wall•E, weniger Schadstoffe zu produzieren.

(Foto: Pixar/Walt Disney Co./Imago Images/Everett Collection)

"Wall•E", "Frenzy", "The Abyss", Blue Valentine" und "Inside Man": die Filme zum Wochenende.

Von Milan Pavlovic

Wall•E

Animation, Disney, Samstag, 20.15 Uhr

Die hohe Kunst von Pixar, intellektuelles Emotionskino zu kreieren, hat in den vergangenen Jahren etwas gelitten. Um so schöner, sich noch einmal daran zu erinnern, wie mühelos und pointenreich die Animationsgenies sogar Maschinen in Lebewesen verwandeln konnten. In dieser 2008 uraufgeführten Dystopie, die zwischen Ratatouille und Oben entstand, räumt der kleine Roboter Wall•E gut gelaunt die verwaiste Erde auf und sammelt kleine Alltagsgegenstände, die ihm sozusagen ans Herz wachsen. Die unerwartete Begegnung mit der schnieken Entdecker-Robotrice Eve schleudert den Titelhelden in ein intergalaktisches Abenteuer, in dem er allen Mut in seine beiden Metallhändchen nehmen muss und viele maschinelle Freunde findet - am süßesten vielleicht der Putz-Winzling, der entrüstet "unbekannte Schadstoffe" meldet.

Frenzy

Psycho-Thriller, RBB, Samstag, 23.30 Uhr

Was für ein Glück, dass Alfred Hitchcock im 20. Jahrhundert gelebt und gefilmt hat. Seine Ideen, welche Rollen Frauen zu spielen hatten, waren etwas ... harsch; sie würden heutzutage bestimmt nicht mehr als spleenig durchgehen. Vielleicht hat ihn auch nur deshalb niemand verurteilt, weil die Männer nicht besser wegkamen. In Frenzy, seinem letzten großen Wurf, beobachtet Hitchcock zwei gegensätzliche Engländer (Jon Finch und Barry Foster) und ihren Umgang mit Frauen. Der englische Regisseur, der 1972 - nach drei Jahrzehnten in Hollywood - heimkehrte, hatte vor 50 Jahren seinen brutalen Spaß dabei, den Zuschauern zu zeigen, dass sie zu Sklaven des ersten Eindrucks geworden waren. Aber nicht genug mit diesen Sadismen: In der nicht minder bösartigen Rahmenhandlung wird der ermittelnde Inspektor (Alec McGowan) von seiner Frau mit französischem Essen gequält.

The Abyss

Beziehungsdrama, Tele 5, Sonntag, 20.15 Uhr

In seine Genrefilme hat James Cameron erstaunlich oft Beziehungsdramen gesteckt; ob nun in dem Mehrklassenvehikel Titanic; der Zeitreise-Utopie The Terminator, in der ein erwachsener Rebell in die Vergangenheit reist, wo er seinen eigenen Vater zeugt; oder in der Spionagefarce True Lies, in der der Regisseur 40 Minuten lang vom Weg abkommt, in denen ein Agent (Arnold Schwarzenegger) seine Frau (Jamie Lee Curtis) grillt. Aber nie war Cameron so forsch wie in dem Fantasy-Thriller The Abyss, in dem zwei Sturköpfe (Ed Harris und Mary Elizabeth Mastrantonio) kurz vor der Scheidung unter Wasser eine außerweltliche Erfahrung machen. Wer das zu öko und gegen Ende zu gaga findet, aber dennoch Beziehungsstress braucht, der sollte zu Blue Valentine (Servus TV, Sonntag, 20.15 Uhr) wechseln, da geben sich Ryan Gosling und Michelle Williams Saures.

Inside Man

Thriller, RTL 2, Sonntag, 22.25 Uhr

Über 15 Jahre hinweg hatte Spike Lee daran zu knabbern, dass sein multi-ethnischer New Yorker Dampfkessel Do the Right Thing 1989 weder in Cannes noch bei den Oscars angemessen gewürdigt wurde. 2006 zeigte er sich überraschend gereift und gelassen bei Inside Man, einem multi-ethnischen New Yorker Dampfkessel, der ein bisschen wie eine Fortsetzung von Do the Right Thing funktioniert, wenn auch in der Verkleidung eines Genrefilms. Eine Crew rund um einen mysteriösen Strippenzieher (cool: Clive Owen) nimmt Geiseln in einer Bank in Manhattan. Aber wollen die Diebe überhaupt etwas stehlen - oder den Ermittler (noch cooler: Denzel Washington) auf etwas hinweisen, das noch niemand bemerkt hat? Es wird hitzig. Nur die Mittlerin (sensationell bitchig: Jodie Foster) bringt die Temperaturen zwischenzeitlich auf arktisches Niveau.

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