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TV-Talk:Wie rassistisch ist Deutschland? Darauf hat die Runde wenig Antworten

Wenn sich Journalist Lohse und Minister Maas gerade einmal keine rhetorischen Duelle mit Gauland liefern, geht es an diesem Abend um die Frage: Wie rassistisch ist Deutschland? Eine durchaus berechtigte Frage - wurde doch ebenfalls in dieser Woche der Fall einer sächsischen Bürgerwehr bekannt, die einen psychisch kranken Flüchtling mit Kabelbindern an einen Baum fesselte.

Doch auch hier hat die Runde leider wenig Antworten zu bieten. Die Migrationsforscherin Bilgin Ayata und der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt dürfen zwei treffende Definitionen des Begriffs Rassismus vortragen, es werden Statistiken zitiert, das Gespräch verliert sich jedoch schnell in einer ökonomischen Debatte über die Notwendigkeit von Zuwanderung.

Rassismus wurde oft mit "Fremdenfeindlichkeit" umschrieben

Bemerkenswert bleiben allein zwei Momente: ein überraschend deutlicher Aufruf des Justizministers zu Haltung und Zivilcourage ("Die schweigende Mehrheit muss die Gardine zurückziehen und auf die Straße schauen") und die Erkenntnis, dass man die Dinge hierzulande mittlerweile beim Namen nennen kann. "Rassismus ist ein zentrales Problem in Deutschland, das bisher umschrieben wurde mit Fremdenfeindlichkeit", sagt Bilgin Ayata. Letzterer sei ein Begriff, der Ängste reproduziere statt sie zu bekämpfen, so die Migrationsforscherin.

Wie einflussreich und gefährlich Sprache und vor allem die Rhetorik Gaulands und der AfD in diesem Zusammenhang ist, betont Ayata mehrfach. Mit ihrer "rechtspopulistischen Hetze" treibe die AfD die anderen Parteien vor sich her. Und mache so sehr wohl Politik. Alexander Gauland verfällt nun wieder in intellektuelle Schlangenlinien: "Ich kann die Situation weder aufheizen noch beruhigen." Woraufhin sich Heiko Maas beim Publikum ein paar Lacher abholt: "Was können Sie überhaupt, Herr Gauland? Sie sind doch Politiker."

Die Lächerlichkeit dieser Situation darf nicht hinwegtäuschen über die Dramatik der Lage. Bilgin Ayata fühlt sich erinnert an die Stimmung in der Bundesrepublik der Neunzigerjahre. Damals hatte man nach Anschlägen auf Häuser, die von vietnamesischen Vertragsarbeitern beziehungsweise türkischstämmigen Migranten bewohnt waren, das Asylrecht drastisch verschärft. Dafür verantwortlich waren nicht etwa Rechtspopulisten wie die heutige AfD, sondern CDU/CSU und SPD.

Alternative für Deutschland Die rhetorischen Spielchen der AfD
Gauland-Äußerung

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Wer hat recht in der Causa Boateng? Gauland oder diejenigen, die ihn interviewt haben? Die Antwort auf die Frage ist der AfD völlig egal. Sie hat, was sie will.   Analyse von Antonie Rietzschel

© SZ.de/mikö/ewid
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