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TV-Talk über Trump:"Handgranate ins System"

AfD-Vize Beatrix von Storch glaubt zu wissen, warum Trump die US-Wahl gewonnen hat. Deutliche Warnungen kommen bei "Hart aber fair" vom Gast aus New York.

"Wir müssen ihn akzeptieren", betont Christian Hacke schon bald. Mit "ihn" hätte der Politikwissenschaftler an diesem Montagabend Frank-Walter Steinmeier meinen können. Aber er meint Donald Trump. Frank Plasberg interessierte der gewählte US-Präsident dann doch mehr als der mögliche künftige Bundespräsident. Als hätte der Moderator vorauseilend umgesetzt, was Hacke später bei Hart aber fair noch fordern wird: "Die Medien müssen internationaler, kosmopolitischer sein."

Also lautet das Thema bei Hart aber fair: "Trump und wir - was nun?" Und so zukunftsgerichtet der Titel klingt, so pragmatisch verläuft die Diskussion. Nach dem Motto: Der Schock ist verdaut, lasst es uns anpacken!

"Handgranate ins System"

Allein der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen äußert sich beunruhigt: "Er hat alles in der Hand. So viel Macht hat in den vergangenen Jahren kein amerikanischer Präsident besessen." Aber Hacke beteuert: Man müsse Trump akzeptieren. Alles andere sei in höchstem Grade anmaßend gegenüber den Millionen, die Trump gewählt haben. Diejenigen also, die sich von der Regierung missverstanden fühlen, die Abgehängten, die genug haben vom Establishment und dafür Trumps sexistische und rassistische Äußerungen überhören.

Aber es geht ja nicht nur um die USA. Aus ihrer transatlantischen Perspektive erkennt die Finanzexpertin Sandra Navidi aus New York den populistischen Trend auch in Europa. Und sie gibt zu bedenken: "Wenn die richtige Partei oder der richtige Mensch kommt, werden sie (die Menschen; Anm. d. Red.) auch eine Handgranate ins System werfen wollen."

Storch hält sich zurück

Also geht es auch um diejenigen, die sich hier abgehängt fühlen, die in Frankreich den Front National und in Deutschland die AfD wählen. In Plasbergs Runde sitzt Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der AfD, die spätestens seit ihrer Schießbefehl-Äußerung als vielversprechender Talkgast gilt.

Sie gibt sich in der Sendung auffallend zahm, verheddert sich allenfalls mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann in parteipolitischen Querelchen.

Trumps Wahlsieg erläutert sie so: "Die (Trumps Wähler; Anm. d. Red.) haben ihn nicht wörtlich genommen, aber ernst. Und die anderen haben ihn wörtlich genommen, aber nicht ernst." So treffend dieser Satz klingt, so wenig stammt er von der AfD-Politikerin. Von Storch bedient sich hier an Aussagen, mit denen Silicon-Valley-Investor Peter Thiel - einer der prominentesten Unterstützer Trumps - den Erfolg des Republikaners erklärt hatte.

Vorwürfe an Politiker und Medien

Dieses Nichternstnehmen beherrscht inzwischen den Diskurs. Die Vorwürfe richteten sich gegen Politiker und Medien, die verkennen würden, "dass die Menschen es leid sind", wie von Storch hier vergleichsweise harmlos formuliert. Hacke pflichtet ihr bei. In der Wahlnacht sei eine "moralische Überheblichkeit zum Tragen gekommen und eine gewisse Ratlosigkeit".

Politiker hätten so gewirkt, als habe man ihnen ihr Spielzeug weggenommen, Kommentatoren, als hätten sie sich lieber übergeben als Trumps Namen auszusprechen, so der Politikwissenschaftler. Objektive Berichterstattung könne man da nicht erwarten.

Viel ist inzwischen analysiert worden darüber, ob und warum die Medien Trumps Chancen verkannt hätten. Oder, ob es doch an der Filterblase liege, die die einen befremdlich, die anderen eher beruhigend finden. Oder eben doch an den volksfremden Politikern. Auf das Thema Eliten und Entfremdung kommen die Talkgäste bei Hart aber fair leider erst gegen Ende, zeigen sich aber umso einsichtiger.

Überraschendes Eingeständnis

Viele Menschen hätten oft das Gefühl, vorsichtig sein zu müssen, wenn sie sich zum Thema Flüchtlinge äußern, schildert Oppermann. Dass diese Menschen fürchteten, in eine Ecke gedrängt zu werden. Und dann gibt der SPD-Mann zu, dass der Bundestag offener darüber diskutieren hätte sollen.

Ein überraschendes Eingeständnis. Auch Journalist Pleitgen zeigt sich reuig: "Wir könnten uns das leicht machen und sagen, die Politik soll mal in sich gehen. Aber wir sollten das auch tun. Haben wir alles richtig gemacht?" Vielmehr müssten die Medien sich fragen, ob sie es mit der politischen Korrektheit nicht zu sehr übertreiben. So viel Selbstkritik ist selten in deutschen Talkshows.