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TV-Serien:"Es war eine schwierige Zeit"

Winona Ryders Geschichte ist eine große Hollywood-Story, mit steilem Aufstieg und tiefem Fall und einem langen Weg zurück - und es sagt einiges über die neuen Regeln im Filmgeschäft, dass nun ausgerechnet eine Fernsehserie das Ende dieses Weges bedeuten könnte. Im Alter von 30 Jahren, im Dezember 2001, wurde sie auf dem Wilshire Boulevard beim Klauen erwischt, dabei kam heraus, dass sie an Depressionen gelitten und diese mit heftigen Schmerzmitteln bekämpft hatte. "Ich war damals jung und naiv, ich habe wirklich geglaubt, dass ich unbedingt arbeiten muss, um relevant zu bleiben", sagt sie heute. Dieses naive Mädchen mit der dunklen Seite, das hat sie nicht nur gespielt.

"Die faszinierenden Geschichten und Charakterstudien gibt es im Fernsehen", sagt sie

"Es war eine extrem schwierige Zeit für mich, weil mich die Verantwortlichen in Hollywood mit den Figuren assoziiert haben, die ich als junge Frau verkörpert hatte: Sie sahen mich noch immer als das naive Mädchen, obwohl ich schon älter als 30 Jahre war", sagt sie nun: "Ich wollte mich nicht wiederholen, ich wollte mich entwickeln und neue Rollen übernehmen - doch die gab es nicht. Es war deshalb wichtig für mich, all dem zu entfliehen."

Winona Ryder floh aus Hollywood, ein paar Jahre lang lebte sie in San Francisco in der Nähe ihrer Eltern, zwischen 2002 und 2008 war sie nur in einer Handvoll Filme zu sehen und dann auch meist nur in Nebenrollen. "Es war für mich eine Befreiung, als ich endlich 40 Jahre alt geworden bin, weil ich nun endlich Rollen angeboten bekam, die meinem Alter entsprachen", sagt sie. Im Psychothriller Black Swan (2010) spielte sie eine alternde Ballerina, im Thriller The Iceman (2013) eine Mutter, in der Serie Show Me A Hero (2015) eine Nebenrolle als Politikerin: "Es klingt manchmal despektierlich, wenn die Leute sagen: 'Ach, jetzt verkörpert sie nicht mehr die junge Freundin, sondern die Mutter.' Dabei ist diese Figur nicht weniger interessant, ganz im Gegenteil."

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Globaler Ruhm ist selten. Für Netflix, Amazon und Co. ist es eine große Herausforderung, Shows und Serien für die ganze Welt zu produzieren - und die auch noch zu vertreiben.   Von Jürgen Schmieder

Und jetzt also Netflix: In der Serie Stranger Things ist sie eine alleinerziehende Mutter, deren Sohn unter mysteriösen Umständen verschwindet. Eine verzweifelte Mutter, kein Mädchen. "Als Schauspielerin sucht man nach interessanten Geschichten und Figuren", sagt sie: "Ein Projekt wie Girl, Interrupted würde heutzutage nicht mehr realisiert werden, es gibt nur noch Superheldenfilme oder Liebhaberprojekte ohne Budget. Die faszinierenden Geschichten und Charakterstudien gibt es im Fernsehen."

Stranger Things ist eine Hommage an die Mystery-Serien und Science-Fiction-Filme der Achtzigerjahre, die Handlung ist deshalb auch in diesem Jahrzehnt angesiedelt. Es geht um eine mögliche Alien-Invasion, um paranormale Phänomene und eine Verschwörung der US-Regierung. "Das ist meine Welt, ich bin die größte Verschwörungstheoretikerin, die es gibt", sagt Ryder. Sie spricht über die Panama Papers, Edward Snowden und Roswell: "Man hält uns für verrückt, doch sehen Sie sich doch mal an, was in den vergangenen Jahren alles enthüllt wurde. Diese scheinbar verrückten Theorien sind nur so lange verrückt, bis sie sich als wahr herausstellen."

Wer Winona Ryder begegnet, merkt schnell, dass sie vieles schon vor 15 Jahren hinter sich gebracht hat, und das sagt sie auch selbst. Da sitzt einem keine Schauspielerin gegenüber, die andauernd die Qualität des neuen Projekts preisen muss und betonen, welch faszinierende Kunst diese Schauspielerei doch eigentlich sei. Winona Ryder ist 44 Jahre alt, sie hat gerade eine zweite Karriere als Schauspielerin begonnen mit einer Rolle, die sie fordert. Netflix lässt sie wie in ihren früheren Erfolgen jemand sein, der sie offenbar sein will. Stranger Things ab Freitag bei Netflix