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TV-Serie:Ich sehe tote Mädchen

Zimmer 108 (1/10)

Ermittlerin in eigener Sache: Kato (Lynn Van Royen) ist tot, und nur eine Handvoll Menschen kann sie sehen.

(Foto: obs)

Ein Teenager wird ermordet und muss seinen Mörder selbst suchen: Arte holt die düstere und sehr gelungene belgische Serie "Zimmer 108" ins deutsche Fernsehen.

Blöd, wenn man einen süßen Typen kennenlernt und vor dem ersten Date eine wichtige Frage klären muss: "Du bist doch nicht tot, oder?", will Kato wissen. Nicht, weil sie häufiger mit Toten zu tun hätte. Aber sie hat da so einen Verdacht.

Kato (Lynn van Royen), die Hauptfigur der Fernsehserie Zimmer 108, ist blutüberströmt in einem Hotel aufgewacht, in Zimmer 108, und hat ihre eigene Leiche in der Badewanne entdeckt. Später zu Hause will sie mit ihrer Mutter sprechen, aber die scheint ihre Anwesenheit gar nicht zu bemerken. Etwa eine Folge dauert es, bis das junge Mädchen kapiert, was jeder Zuschauer, der den Film The Sixth Sense gesehen hat ("Ich sehe tote Menschen"), da schon längst verstanden hat: Kato ist tot, und nur eine Handvoll Menschen kann sie sehen.

Im Fernsehen wohnt das Böse ja gern auf dem Land

Die belgische Serie, die Arte in Doppelfolgen zeigt, beginnt wie ein Mysterymärchen, ist aber vor allem ein Krimi. Mit all den Geheimnissen, die zwiebelartig Folge für Folge gelüftet werden, erinnert er an skandinavische Fernsehformate der Gattung "Nordic Noir". Auch das Setting in der Provinz, wo die Sonne oder wenigstens die Kamera offenbar stets hinter einem blauen Filter verborgen ist, scheint vertraut: Im Fernsehen wohnt das Böse ja gern auf dem Land.

Was Zimmer 108 von anderen Formaten abhebt, ist, dass die Tote hier zur zwangsweise einsamen Ermittlerin in eigener Sache wird: Was geschah auf der Party im Schützenheim, auf der Kato zuletzt gesehen wurde? Wie kam ihre Leiche später in den Baggersee? Warum kann der süße Typ vom Motocross-Rennen sie sehen, aber nicht ihre Mutter? Und wie kann Kato es einfädeln, dass auf ihrer eigenen Beerdigung ihr Lieblingslied gespielt wird?

Im April zeigt der Pay-Sender Sky mit The Break eine weitere belgische Krimiserie, in der Branche wird Belgien schon als das neue Skandinavien gehandelt. Das mag vor allem PR-Getöse sein. Zimmer 108 lohnt sich aber tatsächlich. Auf dem Serienfestival Séries Mania in Paris gewann Zimmer 108 im vergangenen Jahr den Publikumspreis.

Raum 108, Arte, donnerstags, 20.15 Uhr.

© SZ vom 01.03.2017/luch
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