TV-Serie "Game of Thrones" Gute Männer müssen sterben

Jon Snow (Kit Harington) in einer Szene aus Game of Thrones.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die vierte Staffel von "Game of Thrones" startet - endlich wird Jon Snow wieder im zotteligen Umhang und mit noch zotteligeren Haaren übers Eis reiten. Unter dem Motto "All men must die" werden es wieder lange Nächte werden. Bekenntnisse eines Fans.

Von Petra Steinberger

Von welchem Punkt an sieht man das Mitleid in den Augen von Bekannten und Freunden? Wann wird man ein trauriger Fall? Das Datum steht bereits fest: der 6. April (in Deutschland zwei Tage später). Da läuft die vierte Staffel von "Game of Thrones" auf HBO an, und Jon Snow wird wieder im zotteligen Umhang und mit noch zotteligeren Haaren übers Eis reiten. Mitleid? Ist dann egal.

Namen wie Jon Snow, Targaryens, Starks oder Lannisters sagen Ihnen nichts? Dann haben Sie die letzten drei Jahre wahrscheinlich mit "Mad Men", "Breaking Bad", "Downton Abbey" oder "True Detective" überbrückt, welches sicher alles coole Serien sind, aber eben nur in der realen Welt spielen oder - im besten Fall - in England. Das soll kein Vorwurf sein, aber sie spielen eben nicht dort: in der Phantasiewelt von Westeros, auf oder hinter einer gewaltigen Mauer aus Eis oder und in den östlichen Ländern der Drachen und Sklavenhalter. Sie spielen nicht im Universum des GRRM, des George R. R. Martin, in dem Menschen tagaus, tagein damit beschäftigt sind, sich auf spektakuläre Weise umzubringen. Caligulas Rom war nichts dagegen.

Man wartet derzeit auf den sechsten Band von "A Song of Ice and Fire", wie die Buchserie heißt; hoffentlich werden nicht wieder ein paar Charaktere sterben, die wir so lieben (Jon Snow muss verschont bleiben!) oder die uns wegen ihrer Schlechtigkeit ans Herz gewachsen sind (etwa die böse Königinmutter Cersei). Man weiß, dass George R.R. Martin keinerlei Skrupel hat, auch die geliebtesten Menschen in seine Hölle zu schicken.

Hammel in Lauch-Bier-Brühe

Manchmal wird man von Menschen, die das gleiche Suchtproblem haben, sehr eindringlich befragt, wie man das Jahr durchgehalten habe seit der letzten Staffel. Nun, sagt man, nachdem man Martins Bände gründlich durchgearbeitet habe, lese man irgendwann alles, was man in die Finger kriege. Abseitige Artikel, Infos über weitere Projekte der Darsteller. Sind sie sehr beschäftigt? Kein gutes Zeichen. Dann könnten sie bald verbrannt, entmannt, bei der nächsten Hochzeit erstochen werden. (Jon heiratet ja erst mal nicht, zum Glück.) Man studiert das Kochbuch zur Serie: Hammel in Lauch-Bier-Brühe, das schmort man sich zusammen. Wo soll man einen Auerochsen auftreiben?

Reicht das auch nicht mehr, kann man sich durch die Weiten des Netzes treiben lassen, in der man jede Theorie, jedes Gerücht findet, die sich um GOT ranken. Dabei stößt man auf verwirrte Psychologen, die "Game of Thrones" auf Carl Gustav Jungs Archetypentheorie untersucht haben: "Der Drache, ein mächtiges Symbol der Weisheit, der Wiedergeburt, muss geführt werden, um die geistige Verwandlung des Ich ins Selbst zu schaffen. . ." Klarer Fall von schwerem Entzug.

Mit diesem Satz ist allerdings doch die eigene Schamgrenze überschritten. Zwar kann man aus jeder Fantasy- oder Scifi-Story tiefenpsychologische Einsichten herausfiltern, jedenfalls auf amerikanischen Universitäten. Es sind zum Beispiel ein paar richtig schlaue Abhandlungen über "Star Wars" im Umlauf und selbst die viel geschmähten Trekkies haben weise Momente. Wahrscheinlich kann man also auch aus "Game of Thrones" eine Menge über das Zusammenleben der Menschheit an sich lernen - die Serie ist vielfach preisgekrönt, auch für das beste Drama. Deshalb kann man ja für einen Augenblick mal so tun, als interessiere man sich allein für die Metaphorik in der inzestuösen Liebesbeziehung von Cersei und Jaime Lannister.

Aber mal ehrlich: Solche Theorien sind uns eigentlich völlig egal. Uns interessiert der Abgrund. Denn fast alle Gestalten sind ein bisschen böse. Viele werden im Lauf der Serie immer verdreckter, verlieren ein Körperteil nach dem anderen. Andere sind voller Abartigkeit, bleiben dabei aber immer charmant, elegant und reich. Alle wollen sie Macht (außer Jon Snow). Und genau das wollen wir sehen. Das Brutale. Das Elementare. Das Allzumenschliche. Bei "Game of Thrones" geht es um Lügen und Betrügen, um Intrigen, Mord und Totschlag, um Saufen und Fressen und um Sex. Für den Sex muss man in dieser Serie oft bezahlen, es geht selten ohne Gewalt. Kleiner Trost: In der Serie sind die Beteiligten um einiges älter als in der ebenso expliziten Buchvorlage, sonst hätte man wohl jedes nur vorstellbare Gesetz zum Jugendschutz gebrochen. Im Internet geht das Gerücht um, dass in der vierten Staffel noch mehr nackte Menschen zu sehen sein werden.

Und dann wurden sie mit dem Slogan beworben: All men must die. Alle müssen sterben, die Männer, aber auch die Frauen, und uns Fans bleibt nichts, als dem Ereignis entgegenzufiebern. Vermutlich werden wir eher nicht auf die deutsche Version warten, sondern die Originalfassung im Bezahlsender anschauen - dazu ist Jon Snows nordenglischer Akzent viel zu attraktiv.