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TV-Serie: Cougar Town:Ausweitung der Krampfadern

Die Mutter als Wille und Vorstellung: Die neue, erotisch gemeinte Serie "Cougar Town" lebt von ihrer Hauptdarstellerin Courteney Cox.

Es gibt Momente, in denen der Mensch erkennt, dass er stirbt. Nicht theoretisch und in einer surreal fernen Zukunft, sondern sichtbar und bald: Dieses Ding aus Haut und Knochen, aus Begierden und Neurosen wird zerfallen. Unaufhaltsam.

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"Cougar Town" mit Hauptdarstellerin Courteney Cox läuft bei Sat 1.

(Foto: AFP)

Jules (Courteney Cox) erlebt diesen Moment, wie viele Menschen mittleren Alters, eines Morgens vor dem Spiegel. Die getrennt von ihrem Mann lebende Immobilienmaklerin mit Teenagersohn hebt den rechten Arm und zieht an der Haut um den Ellbogen. Dann lässt sie los - und die Haut bleibt stehen. "Was zur Hölle?", ruft Jules und tastet hastig weitere Körperteile ab. Der Spiegel antwortet: mit Bauchfalten und Wabbelwaden.

Willkommen in Cougar Town, der neuen Serie über ein sehr altes Problem.

Als "Cougar" (deutsch: Puma) bezeichnen Amerikaner auch Frauen im fortgeschrittenen Alter, die auf der Jagd nach jüngeren Männer sind. Der Name spielt auf das, na ja, silbrige Haar der Damen an. Was klebrig klingt, ist angesichts der anderen Bezeichnungen, die das Mutterland der Pornographie für solche Frauen bereithält, allerdings noch ziemlich nett.

Pumas also. Cougar Town, die jüngste von inzwischen unzähligen, meist humorvoll gemeinten Bearbeitungen des Themas, läuft an diesem Sonntag in deutscher Erstausstrahlung bei Sat1 an. Die 2009 beim amerikanischen Sender ABC gestartete Sitcom wurde trotz mäßigen Publikumserfolgs von vielen Kritikern gelobt, Courteney Cox sogar für einen Golden Globe als beste Comedy-Darstellerin nominiert.

Die Serie begleitet ihre vom Leben und den Falten verunsicherte Hauptfigur auf der Suche nach Liebe, der echten und der schnellen. Zum Ensemble der sexy single mom im zweiten Frühling gehören außerdem: eine piepsig-frivole Assistentin (Busy Philipps), ein altkluger Sohn (Dan Byrd), der nutzlose Noch-Ehemann (Brian Van Holt) und ein gut erhaltener Nachbar gleichen Alters (Josh Hopkins), der vor Jules Augen ein College-Mädchen nach dem nächsten in sein Haus lockt. Klingt albern, und das ist es auch. Sehr sogar.

Der Grund, weshalb Cougar Town dennoch funktioniert, zumindest als Sitcom, heißt Courteney Cox. Die 46-Jährige, die in Deutschland vor allem durch die fluffige WG-Seifenoper Friends und die Horrorreihe Scream bekannt wurde, ist auch mit Wabbelwaden und Knautschhaut noch reizvoll. Außerdem ist sie komisch, inklusive einer Vielzahl wunderbar uneitler Grimassen und der Fähigkeit, sehr, sehr schnell zu sprechen. Neben Cox, der man gerne zuschaut, egal bei was, lebt Cougar Town von flüssigen, oft launigen Dialogen, schön viel Schadenfreude und dem Fehlen des genretypischen Einspielgelächters.

Trotzdem ist die Serie alles in allem eher enttäuschend, zumindest die erste synchronisierte Folge, die Sat1 vorab zur Verfügung gestellt hat. Während die attraktiv angewelkte Jules zwischen ihren neu erwachten amourösen Wallungen, etwa beim Discobesuch, und den Pflichten als Mutter und Maklerin durch ihre polierte Kleinstadtsiedlung taumelt, bleibt der Rest der Truppe stereotype Staffage.

Der minderjährige Sohn etwa, der seine Mutter unter anderem bei der Fellatio mit dem halb so alten Disco-Jüngling überrascht, übernimmt - warum auch immer - den Part des Manns im Hause, der die Hormonschübe der mittelalten Ladys mit lakonischen Kommentaren begleitet. Sein abgebrannter Vater führt sich indes auf wie ein debiles Kind.

All das ist solider Kantinenhumor, mehr aber nicht. Cougar Town fasst nur zusammen, was an Klischees über Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern seit Anne Bancrofts Räkelei in der Reifeprüfung vor mehr als 40 Jahren durch die Popkultur geistert. Angefangen mit der Bitte, das Licht zu löschen, wenn die Kleider fallen - in diesem Fall um die Narbe des Kaiserschnitts zu verbergen.

Man kann so etwas zeitgemäß finden, zumal sich niemand mehr über Frauen wie Demi Moore oder Simone Thomalla und ihre jüngeren Partner aufregt (von Franz Müntefering oder Flavio Briatore ganz zu schweigen). Doch am Ende will Cougar Town nur eines sein: gut gelaunt. Das, was an Abgründen hinter dem Alter und der Liebe lauert - und worüber man auch, aber anders lachen könnte -, das wird hier allenfalls angestupst. Wie ein welkes Stückchen Haut.

Cougar Town, Sat1, sonntags, 22.15 Uhr