bedeckt München 15°

TV-Rückkehr der "Augsburger Puppenkiste":Wieder am Faden

Die "Augsburger Puppenkiste"

Die "Augsburger Puppenkiste" wird demnächst ihr großes Comeback geben.

(Foto: dpa)

Mit dem Hessischen Rundfunk stritt der Chef der Augsburger Puppenkiste um Täuschung und Abzocke, der Kinderkanal hielt das Format für "nicht mehr zeitgemäß". Nun kommen Jim Knopf, Urmel und die anderen Altstars aber zurück auf den Bildschirm - auf beiden Kanälen.

Ja, liebe Buben und Mädchen, Streit gehört einfach zum Leben dazu. Auch unter Freunden ist es wichtig, sich nicht alles gefallen zu lassen und manchmal Nein zu sagen. Danach kann man über den Grund des Ärgers sprechen, und anschließend haben sich alle wieder lieb. Ungefähr so würde die Augsburger Puppenkiste jenen Zoff zusammenfassen, den sie zuletzt mit dem Hessischen Rundfunk und dem Kinderkanal Kika ausgetragen hat - und der nun mit dem größtmöglichen Happy-End abgeschlossen wird. Nach jahrelanger Abstinenz und Diskussion werden Jim Knopf, Urmel und die anderen Altstars demnächst ihr Fernseh-Comeback geben - sowohl im Hessischen Rundfunk als auch im Kinderkanal.

Was hat sich Puppenkisten-Chef Klaus Marschall bis vor kurzem noch gekabbelt mit den beiden Sendern: Den Kika machte er für zunehmende Fantasielosigkeit der Kinder verantwortlich, weil seine Marionetten aus dem Programm gekegelt worden waren. Dem HR warf er arglistige Täuschung und Abzocke vor, weil dieser auf den gemeinsam produzierten DVDs das Logo der Puppenkiste nicht abdruckte und weniger Tantiemen zahlte als erwünscht. Die Puppenkiste verklagte HR Media auf Nachzahlung von 60.000 Euro Lizenzgebühren. Sie fiel damit aber in zwei Instanzen so kräftig auf die Nase wie seinerzeit Räuber Hotzenplotz im Duell mit Wachtmeister Alois Dimpfelmoser.

Kaum hatte das Oberlandesgericht Frankfurt sein Urteil gesprochen, legten die Parteien eine ebenso überraschende wie pädagogisch vorbildliche Volte hin: Sie beendeten ihren Zwist und schmiedeten sogleich gemeinsame Pläne. Anlässlich des 60. TV-Jubiläums der Puppenkiste zeigt der HR erstens eine Dokumentation über das Marionettentheater, das 1948 in der Augsburger Altstadt begann und 1953 erstmals im Fernsehen auftauchte. Zweitens wird der HR die Serien Jim Knopf, Urmel aus dem Eis und Der Löwe ist los aus dem Archiv holen und erstmals seit vielen Jahren wieder in voller Länge ausstrahlen.

Zwei Stunden Puppenkiste am Stück

Dies in einem Format, das noch nie da gewesen ist: "Die halbstündigen Folgen werden direkt hintereinander gezeigt", kündigt HR-Sprecher Christian Bender an. Das Publikum darf sich also auf jeweils zwei Stunden Puppenkiste am Stück einstellen. Der Löwe tigert sogar zweieinhalb Stunden lang durch die Stadt, seine Abenteuer füllen fünf Folgen. Die Filme werden um die Pfingstfeiertage herum immer vormittags gezeigt, die exakten Sendetermine stehen noch nicht fest.

Während Medienforscher und Puppenkisten-Fans diskutieren, ob die Serien mehr Erwachsene oder mehr Kinder vor den Bildschirm locken werden, schickt sich auch der Kinderkanal an, die Holzhelden wiederauferstehen zu lassen. "Da planen wir für den Sommer ein Puppenkisten-Feuerwerk", sagt Christian Bender vom HR, der den Kinderkanal mit dem Material beliefert. Wie im HR werden gleich mehrere Folgen direkt hintereinander gezeigt - von Juli an über acht Wochen hinweg jeweils sonntagnachmittags. Welche Serien kommen werden, kann Bender noch nicht verraten: "Die Lizenzverhandlungen laufen noch."

Der von ARD und ZDF gemeinsam betriebene Kika betont, er habe "niemals geplant gehabt", die Puppenkiste ins Archiv zu verbannen. Vielmehr seien lediglich Lizenzen ausgelaufen, die erst verlängert werden mussten. 2011 war der gebührenfinanzierte Sender mit Bildungsauftrag in die Kritik geraten, weil die Marionetten aus dem Programm verschwunden waren - angeblich, da sie "nicht mehr zeitgemäß" seien. In den Streit hatten sich auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle und der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, eingemischt. Das, liebe Kinder, hat sich offensichtlich gelohnt.