TV-Projekt Unkenntlich

ARD-Moderatorin Anne Gesthuysen hat einen Roman geschrieben, den der Fernsehproduzent Nico Hofmann fürs Erste verfilmen will. Dann aber gab es juristischen Ärger - mit Konsequenzen für das erfolgreiche Buch.

Von Thomas Hahn

Als Erfolgs-Schriftstellerin ist die Journalistin Anne Gesthuysen erst vier Jahre alt, 2012 kam ihr Roman Wir sind doch Schwestern heraus, die facettenreiche, gut lesbare Darstellung niederrheinischer Lebensläufe, zu der Anne Gesthuysen von den Geschichten ihrer eigenen drei Großtanten inspiriert wurde. Das Werk war schon auf Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste. Verfilmt wird es auch, 2014 erstand der Ufa-Produzent Nico Hofmann die Rechte vom Verlag Kiepenheuer & Witsch. Allerdings lief nebenbei zeitweise die Klage einer Gesthuysen-Verwandten, die allgemeine Persönlichkeitsrechte verletzt sah.

Es ging dabei um eine Grundsatzfrage im Graubereich zwischen Medien- und Kultur-Gesellschaft: Inwieweit darf Literatur dokumentarischen Charakter haben? Und Anne Gesthuysen, tatsächlich 47, bis Ende 2014 Moderatorin des ARD-Morgenmagazins, hat dabei eingelenkt. Sie korrigiert einzelne Stellen ihres Romans. Sie und der Verlag Kiepenheuer & Witsch haben einen Vergleich mit der Verwandten geschlossen, die vor dem Landgericht Hamburg klagte, nachdem sie von den Filmplänen der ARD gehört hatte. Im Rahmen dieses Vergleichs verpflichten sich Gesthuysen und der Verlag, die Bezüge zur tatsächlichen Familiengeschichte unkenntlich zu machen. Sie ändern für die nächsten Auflagen einige Namen und Ortsbezeichnungen, die bisher nicht fiktiv waren.

Auch im Film werden keine Namen von realen Personen auftauchen. Das allerdings war schon vor dem Vergleich geklärt, wie ein Familienangehöriger und Vertrauter der betagten Klägerin auf SZ-Anfrage sagt. Man sei auf den Produzenten Hofmann zugegangen, und der habe schnell eingewilligt, andere Namen zu verwenden.

Die Klägerin ist die Tochter einer der Großtanten, von denen sich Gesthuysen inspirieren ließ. Ihr Einwand ist eine Mahnung an alle Schriftsteller: Wer bei seiner literarischen Arbeit Menschen aus dem echten Leben so beschreibt, dass andere sie erkennen können, riskiert ernstzunehmende Verwundungen. Die Gesthuysen-Verwandte hat es jedenfalls tief verletzt, dass in Wir sind doch Schwestern das komplizierte Sexualleben ihrer Eltern praktisch unter Klarnamen dargestellt war. Der Vater war homosexuell, die Mutter seelisch angeschlagen - diesen Teil der Familiengeschichte wollte die Tochter nicht unverschlüsselt und vermischt "mit böswillig Erfundenem" zwischen Buchdeckeln lesen.

"Das ist kein Schuldeingeständnis", sagt Verleger Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch, "mit dem Vergleich unterstreichen wir nur, was wir sowieso schon gesagt haben." Er verweist auf eine Vorbemerkung im Buch, die Anleihen an echten Biografien einräumt, aber den fiktiven Charakter des Werkes klarstellt. Malchow sagt, Anne Gesthuysen habe es überrascht, dass ihr Buch familiäre Befindlichkeiten verletzte.