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TV-Persönlichkeit:Steves legt keinerlei Wert darauf, politisch korrekt zu sein

Für Hot oder Schrott testet er an diesem Tag in einer anderen Ecke seines Gartens auch einen mit Heißluft betriebenen Wäschetrockner. Der funktioniert so gut, dass Steves sagt: "Dat bleibt hier, den kriegen die nicht zurück." Wäschewaschen ist für ihn sonst Frauensache - keine Diskussion: "Wenn mir irgendwann beim Pinkeln der Piephahn abfällt, dann könnten wir darüber reden." Aber auch nur dann. Schräge Blicke aus dem Team kontert er mit: "Was ist denn daran so schlimm? Sind wir hier bei Arte?" Steves legt keinerlei Wert darauf, politisch korrekt zu sein. Auch diese rhetorische Sorglosigkeit dürfte vielen Fans gefallen. "Der Detlef ist immer ehrlich, immer geradeheraus", sagt Regisseur Gabor Vago, der in Drehpausen gern bei der Deffi-Deutung behilflich ist.

Auch wenn kaum eine Woche vergeht, in der er nicht im Fernsehen auftaucht, verlässt sich Detlef Steves nicht alleine auf den TV-Ruhm: Der langjährige Pizzeria-Wirt ist Teilhaber einer Werkstatt für Autoaufarbeitung im nahegelegenen Neuss. Ein zweites Standbein zu haben ist ihm, der schon zweimal finanziell am Ende war, sehr wichtig. "Ein Lebensmotto von mir ist: immer früher an später denken." Ein anderes: "Es gibt drei Buchstaben, die einen im Leben weiterbringen: tun!" Diese Arbeitsmoral ist es wohl auch, die Produktionsfirmen in der Zusammenarbeit an ihm schätzen. Steves weiß, was er zu tun hat, und ist sich für nichts zu fein: "Ich würde mich auch an die Supermarktkasse setzen, wenn ich Geld bräuchte."

Wenn man ihn einen "Promi" nennt, widerspricht er vehement

Vor der Tür des mit Fernsehgeld aufgehübschten Zechenhauses im Moerser Ortsteil Meerbeck parkt sein Smart; Steves hat auch noch andere Autos, aber darüber spricht er nicht so gern - nur keine Neidgefühle aufkommen lassen. Als man seine teure Armbanduhr mustert, sagt er: "Ich arbeite ja auch für vier." Es klingt wie eine Rechtfertigung, beinahe entschuldigend.

Über Facebook - "376 588 gefällt das" - ist Steves in engem Kontakt mit seinen Fans, und auch mit all den anderen: Er sagt, ihm gehe der ganze Hass, "rein emotional zehn Kilometer am Arsch vorbei", um dann doch sehr lange bei dem Thema zu verharren: Er verstehe nicht, wieso Menschen ihn beschimpfen, anstatt ihr eigenes Leben zu ändern. "Wenn ich den Stecker fürs Internet finden würde", sagt er, "ich würde ihn rausziehen."

Steves ist sich der Gefahr bewusst, dass seine Fernsehauftritte die Distanz zum Publikum vergrößern und ihn seiner Glaubwürdigkeit berauben könnten. Wenn man ihn einen "Promi" nennt, widerspricht er vehement. "Wir sind völlig normale Leute", sagt er, erzählt in Interviews aber auch von Essensverabredungen mit TV-Koch Steffen Henssler, mit dem er befreundet sei. Es ist ein schmaler Grat mitzumischen, ohne von der Promiwelt allzu sehr vereinnahmt zu werden. Er mache nur ein, zwei rote Teppiche im Jahr, sagt Steves: "Ich tauche nicht in diese Welt ein, um mich nicht zu verlieren." Und Deffi-Deuter Gabor Vago sekundiert: "Ich glaube, Detlef hat sein Urvertrauen ins Fernsehen noch nicht verloren, weil er sich nicht so preisgibt wie viele andere."

Sein Hund bekomme Angebote, werbe aber nur für ein Futter, "von dem ich überzeugt bin"

Es ist in der Tat bemerkenswert: Obwohl er Fernsehen und Presse ins Haus lässt und seine Ehefrau den Sidekick gibt, ist das Intimste, was man nach dem Besuch beim Hot oder Schrott-Dreh erzählen könnte, dass Steves seinem "Schatz" zwischendurch wiederholt Küsschen gibt. Ähnlich zärtlich geht er mit den Hunden Diva und Kai Uwe um. Die Englische Bulldogge, "Papas Liebling", bekomme viele Angebote, mache aber nur für ein bestimmtes Hundefutter Werbung, "von dem ich hundertprozentig überzeugt bin". Die Kinder sollen es eben besser haben.

Demnächst baut Detlef ein Haus für seine vierköpfige Familie und macht damit wieder einmal genau das, was etliche Deutsche irgendwann im Laufe ihres Lebens auch tun - nur eben im Fernsehen, natürlich wieder bei Vox. Sein Elternhaus, auf dessen Grundstück der Neubau entstehen soll, ist schon abgerissen: "Ich bin im gleichen Raum geboren, in dem meine Mutter gestorben ist" - entsprechend "heftig" sei das für ihn emotional gewesen. Jetzt wartet er auf die Baugenehmigung. Ein Sendetermin für die nächste Deffi-Dokusoap steht noch nicht fest: "Wir müssen gucken, wann wir fertig sind, und das kommt darauf an, wie der Winter wird."

Nicht auszuschließen, dass Vox auch dabei sein wird, wenn Detlef Steves eines fernen Tages ins Pflegeheim zieht. An ihm jedenfalls soll es nicht scheitern.

Hot oder Schrott, Vox, Sonntag, 19.15 Uhr.

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