TV-Moderator Claus Strunz:Ein populistischer Journalist funktioniert wie ein populistischer Politiker

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Womit wir beim zweiten Schritt seiner populistischen Argumentationsstrategie wären: der Aufladung. Bei ihm geht es immer um die großen Begriffe und Fragen. Terror, Angst, Freiheit. Gefühlte Wahrheiten werden als Fakten verkauft. Und immer wieder wird pauschalisiert. Der Kommentar mündet dann in eine beinahe apokalyptische Vision und Strunz, der Untergangs-Prophet, verkündet: "Jetzt ist nichts mehr, wie es einmal war".

Ein populistischer Journalist funktioniert genauso wie ein populistischer Politiker. Am Ende seines Vortrags inszeniert er sich als Augenöffner, als letzter Aufrechter in einer Welt der Falschspieler und Lügner. Einer Welt der "Sonnenblumen-Multikultler" (Strunz), die den Abgrund vor ihren Füßen nicht sehen. Anfang des Jahres saß Strunz einmal mehr am Frühstücksfernsehtisch, vor ihm eine schöne, reichlich gefüllte Obstschale, und klärte auf über die Ereignisse der Silvesternacht in Köln. Ein Jahr danach. Wieder habe es Sex-Mobs gegeben, in vielen Städten zudem. "Wieder von vielen Medien tabuisiert, hat aber stattgefunden". Die Bild-Zeitung berichtete damals über angebliche Vorfälle in der Frankfurter Innenstadt. Und musste sich später entschuldigen, den Sex-Mob gab es nicht.

Als Journalist, der in seinen Beiträgen das Narrativ von den manipulativen "Mainstreammedien" bedient, selbst aber bei einem der größten Privatsender des Landes arbeitet, ist Claus Strunz in der deutschen Medienlandschaft eine Ausnahme. Man kann es bedenklich finden, so jemanden als einen von vier Moderatoren in ein Kanzlerduell zu schicken. Einen der auch mal on air ein Fazit zieht wie: "Dann kannst du in Deutschland nur noch die AfD wählen".

Aber es geht am Sonntag nicht um Strunz oder Maischberger oder Kloeppel, sondern um die Kanzlerin und ihren Herausforderer. Außerdem ist Strunz eingebettet in ein Team aus vier Moderatoren. Wie er sich schlägt, wenn er alleine auf sich gestellt ist, das hat er im kleinen TV-Duell schon gezeigt. Und sich ganz ordentlich in seiner eigenen populistischen Masche verheddert. In anfangs besagter Sendung warf er Katja Kipping vor: "Sie laden alle Menschen ein, in Deutschland ihr Glück zu suchen: vom Flüchtling bis zum Terroristen. Damit erweitern Sie das Problem, das Frau Merkel uns bereitet hat." Kipping entgegnete: "Sind Sie sicher, dass es klug ist, in unseren Köpfen die Begriffe 'Flüchtling' und 'Terrorist' zusammenzubringen?"

Ja, Strunz spaltet und polarisiert. Aber wenn er jetzt mal nicht alleine von der Kanzel predigen darf, dann demontiert er sich auch schnell selbst. Einen wie ihn zum Moderator eines Kanzlerduells zu machen, bildet auch die Meinungsvielfalt im Land ab. Am Ende ist es aber vor allem ein sehr gutes Training im Erkennen von und im Umgang mit Populismus. Für Merkel und Schulz. Aber noch viel mehr für die Zuschauer zu Hause.

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