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TV-Kritik zu Maybrit Illner:Medialer Shitstorm

Auch sonst schien Reiche wenig aus der Diskussion der vergangenen Wochen gelernt zu haben. Sie beharrte auf eben dem Argument, das ihr erst kürzlich einen gewaltigen medialen Shitstorm eingebracht hatte. "Wir werden weniger", sagte sie und schwadronierte weiter von der "demografisch komplizierten Situation" in Deutschland. Worauf sie hinauswollte: Die Ehe muss ihre privilegierte Stellung behalten, denn nur so werden für die künftigen sozialpolitischen Herausforderungen genug Kinder produziert. Im Schattenkabinett von Edmund Stoiber war Reiche im Bundestagswahlkampf 2002 übrigens als Familienministerin vorgesehen.

Um derlei Thesen zu widersprechen, waren Beck noch zwei weitere Gleichstellungs-Befürworter zur Seite gestellt worden. Moderatorin und Travestiekünstlerin Lilo Wanders und die lesbische Schauspielerin Maren Kroymann. Beide kamen zwar nur selten zu Wort - wenn es ihnen aber doch einmal gelang, führte das zu überraschend erhellenden Momenten.

So entgegnete Kroyman auf Beverfoerdes Aussage, Mann und Frau passten zusammen "wie Schlüssel und Schloss": "Ich finde, ich passe sehr gut an einen Frauenkörper." Als sie dafür Lacher aus dem Publikum und einen mehr als irritierten Blick von der Sprecherin der Initiative Familienschutz erntete, fügte sie hinzu: "Das war kein Angebot."

Einigkeit beim Thema Adoption

Einigkeit in der Runde herrschte beim Thema Adoption - zumindest ein bisschen. Alle Teilnehmer waren der Meinung, dass das Wohl des Kindes immer im Vordergrund stehen müsse. "Ohne Vater und Mutter geht Kindern aber etwas verloren", musste Beverfoerde dennoch anfügen. Kroymanns Argument, es gehe doch eigentlich nur darum, ob Kinder geliebt werden, ging in der Folge der Diskussion unter.

Apropos Diskussion: Wie schlug sich eigentlich Moderatorin Maybrit Illner bei diesem doch sehr heiklen Thema? Es sagt schon viel aus, wenn die Abmoderation mit den Worten beginnt: "Leider sind wir jetzt nicht mehr zu einer anderen Facette des Themas gekommen."

Deutlicher wurde da Lilo Wanders: "Ich verstehe das alles nicht!" Es lässt sich noch etwas Plakativer sagen: Den Schwarz-Weiß-Denkern täte in der Debatte um die Rechte Homosexueller ein bisschen Rosa ganz gut.

© Süddeutsche.de/kemp/mri
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