TV-Kritik zu Günther Jauch:Vor Fassungslosigkeit die Sprache verschlagen

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Und wenig macht diese Frauen so wütend wie andere Frauen, die so tun, als wäre Sexismus eine künstlich hochgejazzte Kleinigkeit/eine Schwäche der Frauen/biologisch begründet und daher alternativlos. Frauen wie die Ex-Nachrichtensprecherin Wibke Bruhns. Eine Frau, die eigentlich ein Vorbild sein müsste, als erste weibliche Vertreterin ihres Jobs, als Vorkämpferin der Frauen im männerdominierten Journalismus. Doch da saß sie nun und brachte im Gespräch über die Unveränderbarkeit der Geschlechterbeziehungen einen kruden Vergleich, der nicht-sexistische Männer mit kastrierten Stieren, Ochsen also, gleichsetzen sollte. Das Gesicht zu einem herablassenden Lächeln zementiert.

Als die Bloggerin und Initiatorin der Anti-Sexismus-Kampagne #aufschrei, Anne Wizorek, sagte: "Wir sind doch nicht von den Bäumen gekommen, um uns jetzt dahin zurückzuziehen" lächelte Frau Bruhns ihr eisiges Lächeln. Als FDP-Frau Silvana Koch-Mehrin sagte, sie wünsche sich, dass ihre Töchter sich nicht mehr eine Palette aus Sprüchen und Strategien gegen sexistische Avancen zurechtlegen müssten, sagte Bruhns: "Das werden sie aber. Und deren Töchter auch." Und lächelte eisig. Auf die Frage, wann etwas als Übergriff zu werten sei, antwortete Bruhns: "Kommt darauf an, wer wie betrunken ist."

"Wollen wir das nicht mal ernst nehmen?"

Und als Alice Schwarzer die 60.000 Tweets ansprach, in denen seit Donnerstagnacht Frauen von sexistischen Erlebnissen berichten und fragte "Wollen wir das nicht mal ernst nehmen?", sagte Frau Bruhns: "Nein." Ihre Antwort wird von Beifall der Zuschauer fast verschluckt. Ihr Lächeln blieb.

Die allermeisten von denen, die jene 60.000 Tweets verfasst haben, nehmen die Diskussion ernst. Hunderte Kurznachrichten rattern während Jauchs Sendung unter #aufschrei durch die Twitter-Timeline.

Die drei Frauen auf dem Podium, die die Diskussion ebenfalls ernst nahmen - die überraschend sympathische Koch-Mehrin, die erleichternd coole Schwarzer und Anne Wizorek, die über weite Strecken so wirkte, als hätte ihr die Fassungslosigkeit die Sprache verschlagen: Sie alle sagten kluge Sachen, kamen gegen Jauchs Spott, Bruhns' Zynismus und Karaseks Komplettverweigerung nicht an.

Und so war nach 60 Minuten haushaltsabgabenfinanzierter Sendezeit die real existierende Sexismus-Debatte keinen Schritt weiter gekommen - sondern genau dort, wo sie mit dem Brüderle-Artikel angefangen hatte. Jauchs abschließende Worte: "Darf ich Sie alle jetzt noch an die Bar einladen?"

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