TV-Kritik: TV total Stock Car Crash Challenge Warten auf den Werbeblock

Beim "Stock Car Crash Challenge" fahren Autos viereinhalb Stunden im Kreis - was nicht nur dem Live-Publikum in Gelsenkirchen zu langweilig wird. Das Spannendste an Stefan Raabs Dauerwerbesendung: die Werbung.

Eine kleine Nachtkritik von Rupert Sommer

Zum Schluss der Sendung, gegen ein Uhr nachts wohlgemerkt, war sich auch der von Berufs wegen unerschütterbare Alleswegmoderierer Matthias Opdenhövel nicht mehr ganz sicher, ob es sich überhaupt noch lohne, die letzten paar markigen Sprüche ins Mikro zu quälen. Nur noch Stefan Raab selbst wirkte wirklich wach. Anstatt länger rumzueiern, entschied sich Opdenhövel für einen Witz: Kurz ging sein Blick zur Uhr. Darauf folgte die gespielte Frage "Ist denn schon Montag?", die mehr Kritik am freudlos verbissenen Imkreisfahren der zurückliegenden über viereinhalb Stunden Stock Car Crash Challenge enthielt, als man ihm zugetraut hätte.

Sein Motor zündete nicht, seine Show nicht wirklich: Pro 7-Moderator Stefan Raab.

(Foto: obs)

Noch vielsagender als Opdenhövels Finalgag war allerdings ein letzter verräterischer Kameraschwenk über die Ränge der mit viel Feuerwerkszauber, Flammenwerfern und Flitterregen aufgeheizten Fußballarena in Gelsenkirchen: Die Ränge waren weit nach der Geisterstunde fast entvölkert. Endlich war der PS-Spuk vorbei. Wenigstens wurde Opdenhövel so immerhin erspart, zum wiederholten Mal alle Vorzüge des Gewinnspiel-Autos herunterzubeten.

Dauerwerbesendung mit Volkswagen-Orchester

Schon zuvor hatte er seine aufgezwungene Marktschreierrolle ein wenig auf den Arm zu nehmen gewagt, als er in der üblichen Anpreiserprosa dem Publikum sagte: "Sie können das sicher schon im Kanon mitsingen." Überhaupt, die Werbung: Es fand sich auch bei dieser Rundum-Werbeberieselung kaum ein Textilzipfelchen am Körper der Rennfahrer, das nicht merkwürdige Botschaften trug. Gleiches galt nicht nur für die Team-Namen, sondern natürlich auch für jedes noch so überflüssige Fahrwerks-Verkleidungsteil, das nach abenteuerlichen Karambolagen ohnehin unschön verformt oder zersplittert durch die Lüfte flog.

Der Werbe-Overkill wurde wieder einmal durch die dreiste Raab-Einblendung "Dauerwerbesendung" kaschiert. Wie auch bei seinen Eiskanal-, Turmspring- oder Autoball-Wettbewerben versucht Stefan Raab, allen Schleichwerbekritikern von vorneherein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Einmal selbst von allen Skrupeln befreit, wird dann sogar Haarsträubendes zur vermeintlichen Selbstverständlichkeit - etwa die Tatsache, dass sich Altrocker Peter Maffay, der ein komplettes Streichorchester mitgebracht hatte, vom "Philharmonic Volkswagen Orchestra" begleiten lassen durfte.

Skurriler Nebeneffekt: Weil das auf drei Rennläufe (einfaches Rundumrasen, Karambolage-Rennen, Zerstörungsrunde) und drei Hubraum-Klassen schier endlos ausgedehnte Marathon-Wettfahren zwischenzeitlich so munter dahinplätscherte wie ein Sommer-Massenstau auf der A8 Höhe Irschenberg, war das Erfrischendste an der "Dauerwerbesendung" der eigentliche Werbeblock. Hier wurde wenigstens Abwechslung geboten.

Schlag den Raab

Leute, ich brauche Gegner!