TV-Kritik: Menschen bei Maischberger "Was sollen wir denn jetzt tun?"

Es geht also von der Krise des Euro über die Frage, ob Guttenberg seine hübsche Gattin mit hätte nach Kundus nehmen sollen ("Ich habe mich gewundert.") über das Stuttgarter Bahnhofsprojekt, Wikileaks und den Friedensnobelpreis bis zum Atomausstieg.

Sagt Schmidt ausnahmsweise doch ein bisschen mehr als ein paar Worte, sind dies manchmal merkwürdige Dinge. Zum Beispiel erklärt er, dass an den Protesten in Stuttgart die Medien schuld seien, weil diese die Arbeit des Parlaments nicht ausreichend abbildeten. Fest macht er das daran, dass er noch nie eine Debatte aus dem Europäischen Parlament im Fernsehen sehen konnte.

Schmidt, der schlaue Fuchs

Dramaturgische Auflockerung dieser teils etwas zähen Veranstaltung sind ein paar Einspieler, wie der vom jungen, schwarzhaarigen Schmidt, der sich für "längerdienend Freiwillige" in der Bundeswehr ausspricht. Diese Zitate wiederholt Maischberger dann Silbe für Silbe, damit auch wirklich jeder versteht, dass Schmidt, der schlaue Fuchs, dies auch schon viel früher gewusst hat.

Man hat durchaus Verständnis für Sandra Maischberger, wie sie vermeidet, dem nicht nur gesundheitlich angeschlagenen Altkanzler nicht allzu sehr mit Widerworten auf den Leib zu rücken.

Dass aber laut einer aktuellen Umfrage 74 Prozent der Deutschen Helmut Schmidt als die herausragende moralische Instanz des Landes betrachten und er damit alle aktuellen Politiker weit hinter sich lässt, liegt natürlich auch an Sendungen wie diesen. An Shows, in denen er völlig unwidersprochen vor sich hin orakeln kann. In denen er mit niemandem streiten muss, dem zu Schmidts klaren Auffassungen zur muslimischen Einwanderung ("Schafft mehr Probleme als es auf dem Arbeitsmarkt hilft.") etwas eingefallen wäre.

2,73 Millionen Deutsche schauten zu, ein Marktanteil von 17,1 Prozent - und damit Jahresbestleistung für Menschen bei Maischberger, wie die ARD in eigener Sache gratulierte. Programmdirektor Volker Herres lobte die "Sensibilität" der Moderatorin und "ihre Begabung, freundlich, aber bestimmt und unerschrocken nachzufragen" Das habe sie "bei dem nicht immer einfachen Gesprächspartner Helmut Schmidt" gezeigt.

"Was sollen wir denn jetzt tun?", fragt Maischberger bei ihrem Gast zehn Minuten vor Schluss sensibel nach. Helmut Schmidt weiß es auch nicht. Von den aktuellen Politikern unterscheidet ihn immerhin, dass er das zugibt.

Tod von Hannelore Schmidt

"Die SPD hat Loki Schmidt von Herzen geliebt"