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TV-Kritik: Menschen bei Maischberger:Helmut Schmidt - viel Rauch, wenig Rat

Sandra Maischberger hat Altkanzler Helmut Schmidt zum Vieraugengespräch geladen - nur zwei Monate nach dem Tod seiner Frau Loki.

Die Spielregeln dieser sehr intimen Runde sind ja nun schon seit einer ganzen Weile dieselben. Helmut Schmidt kommt im Schnitt einmal im Jahr ins Studio von Sandra Maischberger und darf dort so viele Zigaretten rauchen wie er will. Und wahrscheinlich, um dem strengen Nichtraucherschutz gerecht zu werden, lädt Maischberger an diesen Abenden niemanden sonst zu sich ein als den ehemaligen deutschen Bundeskanzler.

Helmut Schmidt bei 'Maischberger'

Auf mehrere Zigaretten mit Helmut Schmidt: Sandra Maischberger und Helmut Schmidt kennen sich schon länger - für ihn räumt die Moderatorin ihre Talkshow-Couch immer leer.

(Foto: dpa)

Nun hat man in diesem Jahr vielleicht einen entscheidenden Unterschied in der bewährten Dramaturgie erwartet. Im Oktober, also vor nicht einmal zwei Monaten, starb Loki Schmidt, die Ehefrau des SPD-Kanzlers a. D., im Alter von 91 Jahren. Ihr Tod und der trauernde Schmidt bewegten in jenen Wochen das Land.

Fragen zum großen privaten Verlust

Da war an diesem Abend vor allem bemerkenswert, wie wenig sich das Duo Schmidt/Maischberger von diesem Ereignissen aus dem bewährten Konzept werfen ließ. Zu Beginn und am Ende der Sendung sprach die Moderatorin ihren Gast zwar an auf den großen privaten Verlust, fragte ihn, wie es ihm gehe ("Nicht ganz so gut wie im letzten Jahr.") und ob es schwer für ihn gewesen sei, dass ihn die Menschen öffentlich hatten trauern sehen ("Angenehm ist es nicht."). Doch letztlich fügte sich auch dieser Dialog nur artig ein in jenes Frage-Antwort-Spiel, das den altbewährten Regeln folgte.

Schmidt, im Rollstuhl und mit Stock in der Hand, in der er keine Zigarette halten muss, bekommt also von Sandra Maischberger Fragen zu quasi allen politischen Ereignissen gestellt, die es im vergangenen Jahr einmal auf den Spiegel-Titel geschafft haben.

Schmidt zögert dann oft lange (und in diesem Jahr vielleicht noch ein bisschen länger), bevor er antwortet. Er sagt dann Sätze wie "Obama ist auf jeden Fall besser als sein direkter Amtsvorgänger" oder "zu Guttenberg ist sicher charismatisch".

Oft sagt er aber auch einfach gar nichts, oder nur: "Das ist Tagespolitik, da mische ich mich nicht ein."

Maischberger geht darüber hinweg, sie kennt das Spiel ja seit Jahren. Manchmal ist es ein bisschen, als müsste man einem widerwilligen Patienten einen Backenzahn ziehen, den dieser auf gar keinen Fall entbehren möchte. Nur, dass Maischberger nicht wie sonst an einem Zahn rüttelt, bis sie ihn samt Wurzel in der Hand hält, sondern es 75 Minuten lang recht sanft an immer wieder anderen Zähnen probiert.

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