TV-Kritik : "Mein Mann kann" Blitzbirne gefragt

"Super, super spannend": Beim neuen Sat.1-Spielshow-Martyrium "Mein Mann kann" werden Chilis gemampft und fliegende Toasts gefangen - auf den Zuschauer wirkt das so, als wären die Parodie-Experten von "Switch" am Werk gewesen.

Eine kleine Nachtkritik von Rupert Sommer

So sieht wohl Fernsehen 2.0 aus: Wenn eine "neue" Spielshow auf Sat.1 so wirkt, als hätte sie sich gar nicht selbst ins Rampenlicht gewagt, sondern schon vor Ausstrahlung der ersten Folge lieber gleich die Parodie-Experten der ProSieben-Truppe Switch ins Rennen geschickt.

"Wir sind jetzt im Profibereich": Moderatorin Britt Hagedorn.

(Foto: online.sdewirtschaft)

Auffälligstes Ironie-Signal dieser durch und durch postmodernen Sendung, von der man nicht zu wagen glaubt, dass sie sich jemals selbst ernst genommen hat, ist ihre Moderatorin: Britt Hagedorn. Die altgediente Nachmittagstalkerin quasselt sich mit dunklem Kajalblick und passendem schwarzen Abendkleid, das beim Kapitäns-Dinner auf dem ZDF-Traumschiff so manchen Blick auf sich gezogen hätte, durch ein Spielshow-Martyrium, das zur besten Sendezeit selbst in leichtlebigen Sommerzeiten nichts verloren hat.

"Wir sind jetzt im Profibereich", muntert sie ihren Spielkandidaten zur vorgerückten Sendezeit Talkshow-gerecht auf. Und man muss gar nicht Küchenpsychologe sein, um zu ahnen, dass sich Britt selbst ein wenig Mut macht - im "Profibereich", wohlgemerkt.

"Gänsehaut pur", muss ihr dann der fesche Assistent Harro Füllgrabe beipflichten. Der Mann trägt zwar einen wenig vertrauten Namen, glänzt aber mit einem Gesicht, das doch tatsächlich an irgendwen erinnert. Auf Britts Hauptabendausflug hat er die Aufgabe, genau jene Spielregeln noch einmal zu erklären, die von der Hauptmoderatorin gerade erst in epischer Breite, aber ohne erkennbaren Aha-Effekt vor Kandidaten, Saal-Publikum und Fernsehzuschauern ausgewälzt wurden. Ansonsten muss "Erklär-schon-mal-die-Regeln-Harro" gute Miene zum faden Spiel machen und den "Das wird jetzt super, super spannend"-Sermon am Laufen halten.

Unerträgliche Spannung

Von wegen "Gänsehaut pur": Rund um einen merkwürdig geformten Spieltisch warten mit Nadine, Eliana, Katja und Katrin vier Zocker-Zicken auf ihren Einsatz. Ihr eigenwilliges Spiel wird "Pokern" genannt, hat aber vor allem mit dem Herumschieben von "Schips" (O-Ton Britt) auf dem Filz zu tun. Wenn die Tischdame nicht gerade die nächsten "Regeln" erklärt, deckt sie mit betulich ernstem Blick Tarot-Karten auf, die "Hinweise" enthalten sollen. Zum Glück löst Britt die fast unerträgliche Spannung schnell wieder auf und verrät, dass zunächst Chili-Schoten gemampft, später auf galoppierenden Pferden balanciert und letztlich Arme gedrückt werden müssen.

Eigentlich gefragt sind die zu den vier Spielerinnen passenden Herren-Begleiter. Nur von denen bekommt man lange nichts mit, weil sie in Plastikvitrinen im Bühnenhintergrund drapiert und nur für die Wetteinsätze ihrer Damen ins Rampenlicht gelassen werden. Damit man sie nicht ganz vergisst, feixen sie immer schön artig, wenn sie die Kamera streift.

Von Alexander etwa, dem geheimnisvollen Mann mit dem Hut, bekommt man über weite Strecken überhaupt nichts mit. Bevor er endlich auch einmal für eine Aufgabe aus seinem Plexiglas-Aquarium freigelassen wird, wissen aufmerksame Zuschauer, dass er zaubern und tanzen kann - und zum Glück "sehr fingerfertig" ist, wie seine kokette Eliana verrät. "Das freut mich für dich", pflichtet ihr Britt schwesterlich bei.