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TV-Kritik: Maybrit Illner:Zwang zum Multitasking

Der wiederum gab den Bescheidenen: Das Google-Buch sei erst ungefähr beim "dritten Kapitel" - und bevor das Publikum das Gefühl bekommen konnte, dies sei als Drohung zu verstehen, ergänzte er flink: "Die Weltherrschaft ist nicht unser Ziel." Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich so manches Argument dann jedoch als routinierte PR - die Datenkontrolle über den Google-Dienst Dashboard, die Sprecher Oberbeck in den höchsten Tönen pries, gilt beispielsweise längst als Alibi-Funktion.

So blieb es Constanze Kurz überlassen, die aktuellen Diskussionen über Internetsperren und den Schutz der Bürger vor Datenkraken kompakt zusammenzufassen: Das Bewusstsein über grundlegende Funktionsweisen des Internets fehle derzeit in Teilen von Bevölkerung und Politik, so der Tenor der Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Weil sie in ihren Ausführungen nur selten über das Ziel hinaus schoss - wie bei der Behauptung, bei Google handele es sich um einen Monopolisten - trug sie als eine der wenigen Teilnehmer zur Erhellung bei.

Neben ihr saß Frank Schirrmacher, beklagte den Zwang zum Multitasking und die Macht der Algorithmen, forderte eine Lehre des Denkens sowie Meditationskurse in der Schule und fragte sich wahrscheinlich insgeheim, warum ihn sein gesunder Menschenverstand nicht davor gewarnt hatte, heute Abend komplett fehl am Platz zu sein.

Dieses Gefühl hatte er wahrscheinlich mit den meisten Zuschauern gemein, die nach den 60 Minuten zu Datenschutz, Internetfreiheit, digitalen Supermächten und digitaler Medienkompetenz nicht mehr als einige Schlagworte behalten haben dürften.

Immerhin, für eine Google-Suche dürfte das reichen.