bedeckt München 17°

TV-Kritik: Maybrit Illner:Ausgegoogelt

In 60 Minuten Fernsehtalk das Internet erklären - Maybrit Illner scheiterte im ZDF mit platten Thesen und grotesker Gästeliste.

Frank Schirrmacher hat Visionen: Der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen befürchtet, dass unser Leben in einigen Jahren von Algorithmen beherrscht wird, die unser Verhalten bis ins kleinste Detail voraussagen. Solcher Algorithmen hätte es am Donnerstagabend gar nicht bedurft: Gesunder Menschenverstand hätte genügt, um zu prophezeien, dass Maybrit Illners Talkrunde zum Internet grandios scheitern würde.

"Wie gefährlich ist das Internet?" lautete das Thema im ZDF, und Illners Redaktion schien sich alle Mühe gegeben zu haben, die gefährlich platte Fragestellung mit einer vogelwilden Teilnehmerauswahl zu kombinieren: Die ich-erschöpfte Netz-Kassandra Schirrmacher, die Internetaktivistin und FAZ-Kolumnistin Constanze Kurz, der smarte Google-Sprecher Kay Oberbeck, die Facebook-Kritikerin und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sowie ZDF-Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel hatten sich im Studio versammelt - um aneinander vorbei zu reden.

Vor allem auf die Frage, für welche Rolle das stets gut gelaunte Unterhaltungs-Knallbonbon Kiewel vorgesehen war, dürfte selbst das Internet keine Antwort wissen: Immerhin weiß das ZDF-Publikum nun, dass Kiewels jüngstes Kind ohne Handy in die Waldorfschule geht, es eine schlimme Sache ist, dass im Netz "Gerüchte gebloggt" werden und dass Google-Mann Oberbeck seiner zehnjährigen Tochter besser die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation verwehrt hätte (Kiewel, ausnahmsweise entrüstet: "Wieso braucht die denn ein Handy?").

Doch auch der Rest der Runde trug kaum etwas zu einer tiefgründigen Debatte bei: Ministerin Aigner wiederholte ihre Facebook-Kritik und versuchte, Google-Mann Oberbeck in die Defensive zu drängen. "Sie speichern Suchanfragen anderthalb Jahre, ob ich nach einem Buch, Medikament oder einer Beratungsstelle suche, alles wird gespeichert, jeder Schritt", klagte sie und prangerte die Datengier des Fotodienstes Google-Street-View und die Datenschutzprobleme des Schnatterprogramms Google Buzz an. Es hätte ein spannender Schlagabtausch werden können, einzig fehlte es der CSU-Ministerin an Detailwissen, um den PR-Profi Oberbeck wirklich in Bedrängnis zu bringen.