TV-Kritik: Let's Dance Stil- und Beinbruch

Finale von "Let's Dance" auf RTL. Moderator Hartwich pflegt den Altherrenwitz, Sophia Thomalla kreist am besten und nach der letzten Lamettaexplosion bleibt nur eines im Gedächtnis: Sylvie van der Vaarts Frisur.

Eine kleine Nachtkritik von P. Barbera

Lamettaregen, Discokugel, Feuershow - so sieht das Fernsehfinale einer Tanz-Show aus. Und doch: Die heile Glitzerwelt bei Let's Dance auf RTL ist getrübt. Jurymitglied Harald Glööckler schnaubt vor Wut.

Mit Rumba und Samba zum Sieg: Schauspielerin Sophia Thomalla und ihr Tanzpartner Massimo Sinato beim Finale der Fernsehshow "Let's Dance".

(Foto: dpa)

Der Mann rückt sich die überdimensionale rote Schleife zurecht und kontert auf Moderator Daniel Hartwich, der sich erlaubt hatte, Glööcklers Jurybewertung ironisch zu parodieren: "Sie sind so charmant wie ein Papagei. Ich hingegen könnte alle Frauen haben in diesem Raum, alle. Sie keine einzige." Um den höheren Esprit des Statements zu kapieren, muss man wissen: Glööckler lebt in einer festen Beziehung mit einem Mann.

RTL-Moderator Hartwich strahlt mit seinem giftgrünen Glitzerjackett um die Wette und ignoriert seinen gockligen Juror. Immerhin hat er gerade eine Dame geknutscht, die lange mit Gerhard Schröder gelebt hat. Hillu Schwetje, einst Hiltrud Schröder, waren die Fragen des TV-Manns zu frech geworden - und da sagte die frühere Kandiatin von Let's Dance ganz einfach: "Wissen Sie, wie man unangenehme Fragen nicht beantworten muss?" Und küsste den Moderator auf den Mund.

Aber es geht ja an diesem Abend vordringlich nicht ums Küssen, auch nicht um zweifelhaften Herrenhumor (Hartwich: "Glööckler versucht den ganzen Abend ans andere Ufer zu schwimmen, aber die Strömung ist wohl zu stark"), es geht um Rasanz und Eleganz, ums Drehen und Dehnen, ums Tanzen auf RTL-Art: Nach acht Runden kämpfen zwei Frauen, die von der Boulevardpresse gerne gezeigt werden, um den großen Discokugel-Pokal: Sylvie van der Vaart, vom Krebs geheiltes Ex-Model, und Sophia Thomalla, Schauspielerin und Tochter von Simone Thomalla.

Vorsprung, weil verletzungsfrei

Der 20-jährigen Thomalla hat zwar zu Beginn der Let's-Dance-Staffel die Motivation gefehlt ("Ich dachte, da gehst du hin und tanzt ein bisschen rum, aber das war dann richtig harte Arbeit"), jetzt aber schwebt sie nur so über die Bühne. Von Show zu Show waren die Bewertungen besser geworden. Ihr größter Vorteil gegenüber Konkurrentin van der Vaart: keine Verletzungen.

Ein bisschen über die Bühne scharwenzeln? Hübsche, kurze Glitzerkleidchen am durchtrainierten Körper zur Schau stellen und schwupps: Fernsehauftritte, Interviewanfragen, Publicity? Was sich die Kandidaten der Tanzshow im Privatsender RTL erhofft hatten, sah in Wirklichkeit etwas anders aus: Rippenbrüche, eine blutig geschlagene Lippe und mehrere Totalausfälle waren zu beklagen. Moderator Daniel Hartwich witzelt über einen Tänzer: "Christian Bärens' Bandscheibe ist so weit draußen, die könnten wir hier im Studio interviewen."

Das alles will heißen: Mag da draußen die Finanzkrise toben und die Angst vor Job-Verlust um sich greifen, hier wird hart gearbeitet. Hier muss man sich den Sieg hart verdienen. Hier fließt Schweiß, Glamour gibt's nicht gratis.

Sylvie van der Vaart zum Beispiel: Seit vier Wochen kämpft sie mit den Folgen eines Rippenbruchs. Im Finale strahlt sie jedoch mit ungebremstem Siegeswillen in die Kamera und fährt sich nervös durch die ungewohnt kurzen Haare. Im Laufe der Show hat sie sich nach ihrer überstandenen Brustkrebserkrankung dazu entschlossen, ohne Perücke und mit neuer Frisur aufzutreten: "Let's Dance ist für mich auch der Anfang eines neuen Lebenskapitels."

"Las vegas, baby"

Tatsächlich ist sie in der Abschlusssendung auftragsgemäß eine ebenbürtige Gegnerin. Nach dem dritten Tanz im RTL-Endkampf wird die Entscheidung auf einmal eng. Beide Kandidatinnen scheinen sich gegen Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu liefern. Jurymitglied Glööckler ist wieder bester Laune: "Ich denke: Liza Minelli, ich denke: Las Vegas, baby". Sylvie van der Vaart strahlt, legt die zierlichen Hände an die rot-verschwitzten Backen und wirft Glööckler ein Luftküsschen zu. Ein Einspieler zeigt noch mal, wie diszipliniert und ehrgeizig sie mit Partner Christian Polanc stundenlang geübt hat.

Am Ende gewinnt dann doch Sophia Thomalla und springt überglücklich im Kreis. Glitzerregen. Abspann. Sylvie van der Vaart lächelt tapfer und enttäuscht in die Kamera. Und dann, um den Abend in begonnener Manier abzurunden, noch ein störender Kommentar von Moderator Hartwich: "So viel Glitzer und Feuerwerk - ich dachte kurz, Glööckler wäre explodiert."