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TV-Kritik: Let's dance:"An dir ist alles Hüfte!"

Beim RTL-Tanzwettbewerb Let's dance werden Erinnerungen an Tanzschulzeiten wach. So hält man auch ungelenke Versuche der Promis ganz gut aus.

Der erste Tanzkurs stürzt Heranwachsende ja schon mal in tiefe Zweifel: Wäre ich vielleicht besser auf einer abgeschiedenen Ölplattform im Atlantik aufgehoben? Bin ich ein Bewegungsdepp? Wie hat Fred Astaire das alles nur gemacht? Der Tanzpartner kann sich da schon mal anfühlen wie ein zwei Zentner schwerer Eichenschrank, den man ohne gleitfreudige Teppichbodenfutzelunterlagen übers Laminat schieben muss.

An derartige Tanzkurserfahrungen erinnerte nun der Auftritt von Box-Champion Arthur Abraham. Beim Start der dritten Staffel von Let's Dance am gestrigen Freitagabend ließ er sich von seiner professionellen Tanzpartnerin umwuseln, während er Beinarbeit verweigerte und einfach nicht aus seiner Deckung kam.

Vielleicht hätte Abraham vorher Jury-Mitglied Peter Kraus fragen sollen. Der Moderator und Sänger verglich zu Beginn der Sendung Tanzen mit Showbiz: "Die Magie des Showbusiness ist, dass es leicht aussieht. Aber glauben sie mir, es ist knallharte Arbeit!". Fairerweise muss man hinzufügen, dass Abraham vor Showstart kaum Zeit für Tanztraining hatte.

So richtig ins Zeug gelegt hat sich dafür die restliche Mannschaft und verhinderte damit, dass die Show - in der ersten Staffel war die SPD-Politikerin Heide Simonis harter Kritik von Jury und Medien ausgesetzt - nicht zu sehr zum Trash-und-Bashing-Format à la Dieter Bohlen verkam. In der dritten Staffel ist die Motivation offenbar hoch: "Ich will diese Scheiße lernen", sagt Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten-Darsteller Raúl Richter. "Ich will abnehmen und Dancing Queen werden", sagt Rolf "Rolfe" Scheider, Ex-Juror bei Germany's Next Topmodel. Und damit nicht genug, ein paar Einspieler zeigten: Für alle diese tanzenden B- bis D-Promis geht mit der Teilnahme ein Traum in Erfüllung.

Und den träumt RTL. Beim Sender weiß man, was das heißt: Selbst aus den kleinsten Momenten das Beste, Schönste rausholen. Showtanzen lebt, wie Fernsehen, von professioneller Illusion. Und auch wenn es mit der Illusion nicht immer klappte, konnte man sich gerade an diesen unperfekten Momenten erfreuen: etwa als die Jurymitglieder - Sänger Peter Kraus, Modedesigner Harald Glööckler sowie die (Ex-)Profitänzer Isabel Edvardsson und Joachim Llambi - vor einen provisorischen roten Teppich gekarrt wurden und im blassen Blitzlichtgewitter vor Statisten posierten, die notdürftig als Paparazzi verkleidet waren.