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TV-Kritik: Fashion & Fame, Model-WG, Satire Gipfel:Der George Clooney des Kabaretts

Nun kann man nicht behaupten, diese Aussage stimme nicht, oder Dieter Nuhr sei ein schlechter Entertainer. Für einen Comedian ist sein Kabarett-Programm sogar recht tiefschürfend, wofür er auch schon ausgezeichnet wurde, als bisher Einziger sowohl mit dem deutschen Kleinkunstpreis für Kabarett als auch mit dem deutschen Comedypreis. Seitdem gilt er als Vermittler zwischen dem klassischen Kabarett und der Stand-up-Comedy.

Aber es ist eben doch etwas anderes, ob einer wie Richling hinter komödiantischer Maske scharfe Kritik am politischen System und seinen Akteuren versteckt - oder ob der George Clooney des deutschen Kabaretts in gemächlicher Form darüber aufklärt, dass die Deutschen Weltmeister im Meckern seien und eigentlich mit der Regierung doch gerade ganz zufrieden sein könnten, wo sie schon aus einem Schwulen, einem Behinderten, einer Ostdeutschen, einer siebenfachen Mutter, einem Waisenkind mit Migrationshintergrund und einer Schwangeren bestehe. Der Witz ist so alt wie die Regierung und nur durch die aktuelle Lage von Kristina Schröder ergänzt.

Die meisten seiner Gastkollegen folgten brav dem Umschwung zur neuen Mitte: Allen voran Chansonette Tina Teubner, die sich mitten im Dioxinskandal über Reformhausmitarbeiterinnen lustig machte ("Man kann sich doch nicht ernsthaft in jemanden verlieben, der Brottrunk trinkt"), dicht gefolgt von Bild- und Pocher-Freund Matze Knop, der Witze über Dieter Bohlen riss. Nur Andreas Rebers mit einem bösen Lied über Afrika, die Pharmaindustrie, den Fußball und das Afrika-Bild im Fernsehen (Waka, Waka) brachte die neue Linie ins Wanken - zusammen mit dem Österreicher Alfred Dorfer, der sowohl über die Linkspartei als auch über sich selbst in Form eines "liberalen Arschlochs" wetterte, das nach allen Seiten offen sei und schon so manche Revolution finanziert habe.

Insgesamt fiel das Wort "Arschloch" erstaunlich oft dafür, dass der besonnene Nuhr etwas gegen den Wutbürger an sich zu haben scheint - er selbst scheint sich mit seiner neuen Rolle und dem Saalpublikum auch noch anfreunden zu müssen, für das er schnell ein paar Westerwelle-Witze einstreute, wenn es zu lange nicht gelacht hatte. Ob das Kabarett-Fernsehpublikum die Entscheidung der ARD, die klare Linie des Richling durch die ausgleichende Form des Nuhr zu ersetzen, goutieren wird - das bleibt abzuwarten. Aber gutes Personal ist ja so schwer zu finden.