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TV-Kritik: DSDS:Deutschland erträgt die Superlangeweile

Am Ende gewann der romantische Biedermann gegen den stiernackigen Rabauken das von RTL inszenierte "Duell der Erzfeinde".

Geschafft! Ein Glitzerschnitzelregen ergießt sich über den neuen Superstar und künstlicher Nebel wabert wie isländische Vulkanasche zum letzten Mal über die Bühne. Mehrzad Marashi, der mit 56,4 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Schluss selbst überraschte Gewinner von Deutschland sucht den Superstar, singt noch einmal das Siegerlied "Don't Believe".

Menowin Fröhlich kann all das nicht glauben. Zuvor hatte ihn die Jury klar favorisiert. Nach eigenem Bekunden wollte er nicht gewinnen - er musste es. Nun verschwindet er schwer gezeichnet im Dunkel der Seitenbühne. Und Dieter Bohlen grinst wie ein Honigkuchenpferd.

Unterhaltungswert einer Kirmesboxveranstaltung

Um halb ein Uhr nachts wirkt nichts so erlösend wie der Abspann der Sendung - nach einer Staffel, die von einer originellen Casting-Phase, Mottoshows mit streckenweise hochprofessionellen Sängern und in der Finalshow vom Unterhaltungswert einer Kirmesboxveranstaltung geprägt war.

Martialisch aufgebauscht zum "Duell der Erzfeinde", zum "Kampf Mann gegen Mann" und zur "Show, die die Nation wieder teilt", war das Schlusswettsingen zwischen den einstigen Freunden, die - mit etwas Unterstützung durch die Boulevardpresse - als unversöhnliche Gegner dastanden, in etwa so erfreulich wie eine längere Wurzelbehandlung.

Dem schlacksigen, stimmlich stets souveränen Mehrzad kam spätestens seit seinem Heiratsantrag an Freundin Denisse im Halbfinale die Rolle des romantischen Biedermanns zu.

Menowin musste bis zum Schluss den stiernackigen Rabauken spielen, der sich in der Finalsendung sogar mit seiner Mutter versöhnte. Das lag aber daran, dass sie ihm vor laufender Kamera entgegenkam: "Bitte verzeih mir, was ich dir alles angetan hatte", sagte Silvia Fröhlich. Sohnemann Menowin konterte trocken: "Entschuldigung angenommen."

Nur, wer entschädigt die stoischen Fans für die Torturen der Abschlusssendung? Kaum ein Zuschauer, der nicht wissen wollte, wer sich zum Ende Superstar nennen durfte.

Aber ebenso wenig dürfte es einen Zuschauer gegeben haben, der auf dem langen Weg bis zur DSDS-Entscheidung nicht hundert Mal Marco Schreyl und die penetrante Wiederholung des Ewiggleichen - der Anrufnummern, der drei präsentierten Songs, der wohlbekannten verkorksten Lebensgeschichten - verflucht hat.

Zu Beginn äußerte Dieter Bohlen marktschreierisch, dass seine Show tatsächlich die Sendung sei, über deren künstlerischen Gehalt landauf und landab Sechsjährige mit ihren Opas diskutieren. Sollte er damit recht haben, dann möchte man nur hoffen, dass Minderjährige und Greise weit nach Mitternacht nicht wirklich vor dem Fernsehgeräten hängen geblieben waren, sondern sich im Schlaf für Wichtigeres stärkten.

"Deutschland erträgt die Superlangeweile" war jedenfalls die Devise des Abends.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie eine Niederländerin mit unfreiwilligem Wortwitz den Unterhaltungswert des Abends steigerte.