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TV-Kritik: Deutschlands beste Partyband:Unser Star fürs Bierzelt

Wenn gerockt wird, wackelt der Wäscheständer: Eine absolut überflüssige und dennoch liebenswerte TV-Suche nach Deutschlands bester Partyband.

Wie wohltuend, dass es auch ohne den Nervensägensong Beautiful von Christina Aguilera geht. Wie angenehm, wenn sich nicht alles um den Mann mit der größten Klappe dreht, sondern um das größte Herz für Rock 'n' Roll. Wie unverfroren unoriginell die neue kabel eins-Wettsingsendung daher kommt - und wie leicht es fällt, sie trotzdem gut zu finden.

Eigentlich nur naheliegend, dass eine Casting-Sendung für Stimmungsmucker große Shows wie Deutschland sucht den Superstar, Das Supertalent oder Unser Star für Oslo bis in Details kopiert. Immerhin ist es auch bei einer Coversong-Band erklärtes Ziel, den erklärten Star-Vorbildern so nahe wie möglich zu kommen.

Noch ein bißchen verrückter als die Originale

Und so will Jurorin Anja Lukaseder, ehemals selbst DSDS-Ringrichterin, nun eben eine Art Dieter Bohlen sein. Steve Blame, der als MTV-Moderator der ersten Stunde einst mal ganz nah dran war an den jungen Fans und den Pophelden, füllt die liebenswert schrullige, kreativ radebrechende Bruce-Darnell-Rolle aus. Und Oliver Petszokat hat die Aufgabe, mit weit aufgerissenen Augen freundliche Belanglosigkeiten zu verbreiten, wie das Nina Eichinger auch nicht besser kann.

Nur dass bei Deutschlands beste Partyband eben keine Superstars geklont, sondern Unser Star fürs Bierzelt, respektive für das Fußballstadion in Hannover, gesucht wird. Hier treten am 1. Juni die alt gedienten Hardrock-Teutonen The Scorpions ihr Heimspiel an - und die von kabel eins zum Sieger gekürte Partykellerband darf als Vorgruppe die Kuttenträger bei Laune halten.

Trotz allen Nacheifer-Ehrgeizes überzeugen die besten Cover-Bands nur dann, wenn sie den Mut haben, sich von ihren Vorbildern zu lösen und im besten Fall noch ein bisschen verrückter zu sein.

Musik in Heim- und Handarbeit

In dieser Hinsicht überzeugt das Konzept der neuen Partyband-Reihe, mit der Senderchef und langjähriger Amateur-Rocker Jürgen Hörner sich und der kabel eins-Klientel eine große Freude gemacht hat, auf ganzer Linie: Diese eigentlich völlig überflüssige Castingshow-Kopie ist eben deswegen sehenswert, weil Musik hier noch in Heim- und Handarbeit entsteht - und kein Teilnehmer verbissen gewinnen möchte, um einen Job in der Musikbranche zu bekommen.

Wer nämlich wie die Karlsruher Formation Double Trouble mit ihrer AC/DC-Darbietung durchfällt, steht nach eigenem Bekunden schon bald wieder auf der nächsten kleinen Bühne - "bei Scheidungen, Beerdigungen oder normalen Partys".

Eigentlich hätte mit dem Stadionrock der australischen Starkstrom-Metaller nicht viel schief gehen dürfen. Wie man auf dem Highway to Hell sicher fährt, zeigten die zottelhaarigen Senioren von den Rock 'n' Roll Deputyz aus Lüneburg. Nicht nur ihre Interpretation des AC/DC-Hits Thunderstruck überzeugte die Jury, sondern vor allem ihr beeindruckender Teamgeist.

In kurzen Einspielfilmen wurde gezeigt, wie die Ehefrauen ihre spleenigen Nordmannen unterstützen - beim Abfüllen von Tournee-Whiskey, beim Stullenschmieren und beim Kostümflicken an der Nähmaschine. Wenn gerockt wird, wackelt der Wäscheständer.

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