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TV-Kritik: Deutschland sucht den Superstar:"Ich wollte unbedingt mal den Dieter sehen"

Wer auf Kandidaten mit mäßigem Talent steht, hat wieder eine Fernsehheimat. Wer DSDS aber wegen Bohlens Sprüchen guckt, dem wurde beim neuen Casting fast langweilig.

Inzwischen haben sich im deutschen Superstar-Universum sieben Superstars angesammelt: Menschen wie Alexander Klaws, Elli Erl, Tobias Regner - die kein Mensch mehr kennt. Nun gut, stimmt nicht ganz: Der Gewinner der vierten Staffel, Mark Medlock, darf jedes Jahr noch ein dünnes Bohlen-Liedchen trällern, das vom Haussender RTL prompt zum Sommerhit ausgerufen wird.

Neue DSDS-Staffel mit neuer Jury

Der Oberlehrer, die Nette und der "Poptitan": Patrick Nuo, Fernanda Brandao und Dieter Bohlen (v.l.n.r.).

(Foto: dpa)

Dass aus den Superstars meist nicht viel wird, dürfte sich mittlerweile in jeden Winkel der Republik herumgesprochen haben. Aber für die 35.000 Kandidaten, die sich in Deutschland und erstmals auch in der Schweiz und Österreich haben casten lassen, ist Popularität wohl auch gar nicht die Motivation. Der meist gehörte Satz der Sendung: "Ich wollte unbedingt mal den Dieter sehen." Dieter Bohlen, die Mona Lisa des deutschen Fernsehens.

Noch nennt RTL sein Zugpferd allerdings "Poptitan", im Einspielfilmchen durfte er gewohnt größenwahnsinnig als Mischung aus Godzilla und King Kong durch Deutschland stapfen. Begleitet wird Bohlen von zwei neuen Jurymitgliedern: Fernanda Brandao, Sängerin der Hot Banditoz, und der Schweizer Sänger und Songwriter Patrick Nuo ersetzen den faden Volker Neumüller und die niedliche Nina Eichinger aus den letzten beiden Staffeln.

Allerdings sind die Rollen wie gewohnt verteilt. Fernanda Brandao ist die sexy Nette, die einer untalentierten Kandidatin noch auf den Weg gibt, sie sei einfach nicht für die große Bühne geeignet. Patrick Nuo, optisch eine Mischung aus Tom Cruise und schielendem Opossum, versucht sich als Oberlehrer und weist eine Bewerberin schon mal auf ihr Zuspätkommen hin.

Die eigentliche Arbeit muss also wieder einmal der Dieter erledigen: Menschen herabsetzen, verspotten und lächerlich machen. So zumindest beurteilte die Kommission für Jugendmedienschutz die Arbeitsweise der Sendung. Doch bei RTL hatte man wohl genug von solchen Vorwürfen. Ungewohnt zahm gab sich jetzt Dieter Bohlen, geradezu menschenfreundlich.

Nur einmal wurde Bohlen fies

Lediglich ein "Du glänzt wie eine Speckschwarte" warf er einer Bewerberin mit unvorteilhaftem Make-up vor. Fieser wurde es nicht - eher wohlerzogener: Bevor die Kandidaten zum Gesang ansetzten, durften sie ausführlich ihre Lebensgeschichten erzählen. Da hörte man vom zu Ende gehenden Medizinstudium, vom Leben im Wohnwagen oder von der kranken Mutter - und die Jury nickte mitfühlend, während im Hintergrund eine schnulzige Version von "Nothing else matters" dudelte.

Auch bei der Kandidatenauswahl scheint RTL genug von den Drogen, Knast- und Inzest-Geschichten der letzten Staffel zu haben. In den Recall schafften es ein österreichischer Medizinstudent und eine 17-jährige Marionettenspielerin. Beide äußerst unverdächtig.

Damit das so bleibt, hat RTL noch eine Hürde eingebaut, die fast noch schwerer zu überwinden sein wird, als ein "Ja" des Poptitans zu bekommen: Die Kandidaten müssen ab dem Recall eine Schufa-Auskunft und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Den nächsten Superstar wird also nicht einmal mehr die Polizei kennen.

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