TV-Dreh mit Furtwängler Ein eigenwilliger Fußball-"Tatort"

In einem "Tatort" wird ein Fußballprofi ermordet. Der Fall spielt in Hannover, die AWD-Arena dient als Kulisse.

Von Christopher Keil

An diesem Sonntag wird Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm ihren 17. Fall lösen, "Der letzte Patient". Seit 2002 ist Furtwängler Tatort-Kommissarin, ihr Revier ist Niedersachsen, ihre Dienststelle das LKA in Hannover.

Recherche im Fußball-Umfeld: Tatort-Kommissarin Maria Furtwägnler wird demnächst im Fußball-Stadion ermitteln.

(Foto: NDR/Marc Meyerbröker)

Im Frühjahr 2011 soll dann ihr 18. Einsatz in der populären und erfolgreichen ARD-Reihe ausgestrahlt werden. Das Thema wurde an diesem Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Hannover gesetzt. Es wird um einen Mord im deutschen Profifußball gehen. Der Tote wird nach einem "wichtigen Pokalspiel" gefunden, Spuren führen Lindholm offenbar in die Hooligan-Szene des Vereins, und es sollen Indizien auftauchen, die auf ein homosexuelles Doppelleben des ermordeten Bundesligaspielers weisen.

So weit die Fiktion. Es gibt einige Filmproduzenten, die schon länger intensiv für das Thema Fußball und Homosexualität recherchieren und sich gewissermaßen in einem Wettkampf befinden. Der Fußball und auch Bundesligastadien waren öfter Szenenbild im Tatort, und es wurde auch in Fußballerkreisen ermittelt - auf Amateurebene. Erstaunlicherweise haben sich der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und Cinecentrum, eine zur NDR-Tochter Studio Hamburg zählende Produktionsfirma, nun Hannover 96 zum Partner gewählt.

In Hannover nahm sich der für 96 spielende Torhüter Robert Enke 2009 das Leben. Am 10. November ist der Jahrestag. Der DFB will durch seinen Präsidenten Theo Zwanziger einen Kranz am Grab niederlegen, möglicherweise wird er von Bundestrainer Joachim Löw begleitet. An diesem Donnerstag informierte der NDR auf einer Pressekonferenz, dass mit dem Fußball-Bundesliga-Tatort am 9. November in Hannover und Umgebung begonnen werde. 96 stelle dem Tatort-Team die AWD-Arena als Kulisse zur Verfügung, die Fußballmannschaft, um die es gehe, sei Fiktion.

Jörg Neblung hält das Timing der Film-Leute für "fragwürdig". Neblung war Freund und Berater des Nationalspielers Enke. Dass ein Bundesligaprofi im Hannoveraner Tatort sterben muss, macht ihn zwar nicht sprachlos, doch mehr als die offizielle Stellungnahme des NDR will er nicht wiedergeben: Die ARD-Anstalt folge gewissermaßen "den äußeren Zwängen". Gemeint ist damit, dass Charlotte Lindholm nun einmal in Hannover beim LKA tätig sei. So sagt das jedenfalls auch Christian Granderath, der seit ein paar Wochen neuer Fernsehspielchef des NDR ist und das Projekt in seiner Redaktion vorfand.

Alle Produzenten und Senderredakteure sprechen über Figuren, die mit ihren Filmen in Bewegung gesetzt werden, als seien sie wahre Freunde, echte Feinde oder liebe Verwandte. "Mit Robert Enke", sagt Granderath, 51, habe Charlotte Lindholms Aufklärung überhaupt "nichts zu tun". Das eine, das Tragische, sei mit dem anderen, dem Fernsehspiel, nicht vergleichbar.