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TV-Dokumentation "Kathedralen der Kultur":Ein neuartiger Realismus

Derzeit ist das 3-D-Fernsehen jedoch noch ein Minderheitenprogramm, zu rar sind die Sendeplätze (beim Bezahlsender Sky werden immerhin ausgewählte Sportereignisse wie Fußball-Bundesligaspiele oder das Wimbledon-Finale in 3-D ausgestrahlt, Arte bietet sogenannte 3-D-Thementage), zu unausgereift ist die Technik mit teuren 3-D-Brillen und meist nur auf einen Zuschauer exakt zugeschnittenem 3-D-Empfang. Selbst das Seherlebnis des sündhaft teuren Toshiba-Fernsehers, der im Sommer vorgestellt wurde und erstmals brillenlose 3-D-Sicht ermöglicht, ist qualitativ kaum mit dem Kinoerlebnis zu vergleichen. Unterm Strich fehlen aber nicht nur Übertragungs- und Empfangsstandards, sondern auch Sendungen.

Derzeit geht es um nichts weniger als eine neue Definition des filmischen Raums: "Es gibt noch keine allgemeingültige Ansicht, was dieses 3-D wirklich ist", sagte Wim Wenders. "Für viele ist es eine Attraktion, für die Studios ist es eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, aber als Medium ist es noch nicht wirklich akzeptiert, das Verhältnis zwischen Film und Zuschauer noch nicht etabliert." In der Geschichte der Menschheit, seit den Höhlenmalereien, habe es immer eine Übereinkunft über das Verhältnis der Dinge zu ihrer Repräsentation im Bild gegeben. Durch 3-D werde diese Beziehung völlig verändert, stellt Wenders fest: "Der Tiger in Ang Lees Film ist sehr viel näher an der Wirklichkeit, als wir es von den Bildern kennen. Die Art wie diese Barriere durchstoßen wird, ist die wahre Revolution!"

Paradoxerweise erweist sich der neuartige Realismus nach Ansicht von Ang Lee aber auch als sehr viel trügerischer und schwerer fassbar - ganz einfach weil die Leinwand keine klar definierte Fläche darstellt, sondern sich in alle Richtungen grenzenlos ausdehnt. So müssen die Pioniere des dreidimensionalen Erzählens die Filmsprache ganz neu lernen, den Umgang mit verschiedenen Linsen, Brennweiten und Bildformaten, ja sogar mit den Schauspielern: "Da 3-D in jeder Beziehung sehr viel voluminöser wirkt, muss man die Performance der Schauspieler entsprechend anpassen", stellte Ang Lee fest, "das sieht sehr viel schneller nach Overacting aus.'"

Wenders fordert: "Wir müssen anfangen, Drehbücher für 3-D zu schreiben." Er hat sich in die Technik verliebt: Derzeit bereitet er seinen ersten Spielfilm in 3-D vor, eine kleine intime Familiengeschichte, die er wahrscheinlich mit dem Kameramann Anthony Dod Mantle drehen wird, der gerade in der Comic-Verfilmung Dredd neue 3-D-Perspektiven eröffnet hat.