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TV-Berichterstattung aus Libyen:Mangel an neuen Bildern

Weder ARD und ZDF noch n-tv oder N24 folgten am Sonntag dem Vorbild ihrer ausländischen Konkurrenz mit Live-Berichten über Libyen. Warum? Auf Nachfrage sagt ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, "natürlich haben wir bereits am Sonntag über einen Brennpunkt diskutiert". Doch seien viele Informationen über den Rebellen-Vorstoß ungesichert und widersprüchlich gewesen. Zudem mangelte es an neuen Bildern.

Auf eine Live-Schaltung nach Tripolis musste die ARD verzichten, da ihr Korrespondent Jörg Armbruster am 22. Juli ausgewiesen worden war, nachdem er sich über geringe Bewegungsfreiheit beklagt hatte. Nun versuche Armbruster wieder nach Tripolis zu kommen. Ähnlich äußerte sich das ZDF. Doch habe der Sender seinen Korrespondenten Uli Gack nach Ausbruch heftiger Kämpfe am Dienstag auf eigenen Wunsch aus Tripolis in eine andere Stadt abgezogen, sagte Chefredakteur Peter Frey: "In diesen Fällen muss man zwischen Schnelligkeit und Sicherheit wählen und kann nicht Leute in ein unkalkulierbares Risiko schicken."

Später gelangten auch Zeina Khodr, Reporterin des arabischen Senders al-Dschasira, und Sara Sidner von CNN nach Tripolis. Doch die Anerkennung erhielt Crawford, die bereits zuvor von der Royal Television Society, einer gemeinnützigen Organisation, dreimal als Reporterin des Jahres ausgezeichnet worden war.

Nach ihrer gewagten Fahrt verbreitet sich nun ihr Ruhm. Die Live-Bilder aus dem Geländewagen haben bereits mehr als 16 000 Menschen auf Youtube gesehen, und sogar der CNN-Moderator Piers Morgan verkündete: "Ich weiß, dass ich für eine konkurrierende Anstalt arbeite, aber die Live-Berichterstattung von Alex Crawford von einem Rebellen-Truck aus Tripolis ist heroischer Journalismus."

Doch das ist nur eine Sicht der Dinge. Im vergangenen Jahr hatte Crawford selbst von den Nachteilen ihrer Arbeit erzählt. "Bevor ich auf eine Reporter-Reise gehe, fragen mich meine Kinder meist aus", sagte die vierfache Mutter in der Zeitung Independent: "Warum muss ich so lange weg? Warum ausgerechnet an diese Orte?"

Es falle auch ihr schwer, Antworten auf diese Fragen zu finden, sagte die heute 48-Jährige. Sie benannte damit ein Dilemma, das wohl jeder Reporter in Krisengebieten für sich klären muss - und über das jeder Sender abwägen muss, der Bilder aus diesen Gebieten zeigen will.

© SZ vom 24.08.2011/caja

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